E-Zigaretten erhöhen das Risiko einer COVID-19-Erkrankung deutlich

Willy Flemmer
·Freier Autor für Yahoo
·Lesedauer: 3 Min.

E-Zigaretten sind nicht harmlos, wie viele Nutzer glauben. Sie enthalten viele gesundheitsgefährdende Schadstoffe. Außerdem erhöhen sie das Risiko einer Erkrankung an COVID-19, wie eine aktuelle Studie belegt.

Flavored tobacco products, which teenagers and young adults find particularly alluring, can exacerbate lung infections, studies have found. (Getty Images)
Nutzer von E-Zigaretten erkranken eher an COVID-19 als Nicht-Raucher. (Bild: Getty Images)

Viele Menschen glauben, E-Zigaretten seien die harmlose Alternative zu klassischen Zigaretten. Das stimmt nicht ganz. Sie mögen weniger schädlich sei, harmlos sind sie deswegen jedoch nicht. Im Dampf einer E-Zigarette befinden sich viele Schadstoffe, die der Gesundheit schaden können. Zumal einige der so genannten Liquids mit Nikotin versetzt sind. Hinzu kommt, dass die Langzeitfolgen noch nicht erforscht sind. Nun dürfte die Nutzer von E-Zigaretten eine Sorge mehr plagen, denn sie erkranken weitaus häufiger an COVID-19 als Nichtraucher. Von dem erhöhten Risiko sind junge Dampfer nicht ausgenommen, wie eine Studie an der Standford University School of Medicine ergeben hat.

E-Zigaretten-Nutzer erkranken eher an Corona

Die Studie, die ein Forscherteam um die Professorin für Kinderheilkunde Bonnie Halpern-Felsher von der Standford University School of Medicine durchgeführt hat, beschränkte sich auf Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 13 bis 24 Jahren. Die 4.351 Probanden stammten aus allen 50 Bundesstaaten der USA, der Hauptstadt Washington D.C. und drei weiteren Territorien des Landes. Das Ergebnis haben die Wissenschaftler am 11. August in der Fachzeitschrift Journal of Adolescent Health veröffentlicht. Die Kernthese der Studie ist alarmierend. Denn E-Zigaretten seien ein "bedeutender Risikofaktor für eine Coronavirus-Erkrankung".

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"Erkrankung" ist dabei der entscheidende Begriff. Die Studie besagt nämlich nicht, dass Nutzer von E-Zigaretten einem größeren Infektionsrisiko ausgesetzt sind. Sondern: Sobald sich Dampfer mit dem Virus SARS-CoV-2 angesteckt haben, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie Krankheitssymptome wie Fieber, Husten und Müdigkeit entwickeln. Konkret steigt das Risiko um das Fünffache. Bei Probanden, die in den letzten 30 Tagen vor ihrem Corona-Test sowohl E-Zigaretten gedampft als auch herkömmliche geraucht haben, konnten die Forscher sogar eine 6,8 Mal höhere Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung beobachten.

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Die Forscher hoffen, dass E-Zigaretten von Zulassungsbehörden stärker reguliert werden. (Bild: Getty Images)

Ergebnis überrascht selbst Wissenschaftler

Das Ergebnis verblüffte selbst die Wissenschaftler. "Wir waren überrascht", sagt Studienleiterin Halpern-Felsher in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender NBC. Zwar hätten sie durchaus eine Beziehung zwischen der Nutzung von E-Zigaretten und COVID-19 erwartet, fügt sie hinzu, nicht jedoch eine so bedeutende. "Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass E-Zigaretten gesundheitsschädlich sind."

Ihre Kollegin Shivani Mathur Gaiha, die an der Studie mitwirkte und auch zu ihren Autoren zählt, pflichtet ihr bei. "Jugendliche und junge Erwachsene müssen wissen, dass jemand, der E-Zigaretten dampft, das COVID-19-Risiko unmittelbar vergrößert", sagt sie in einer Stellungnahme. "Denn es schädigt die Lungen."

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Damit hat die Forscherin eine der Ursachen für das erhöhte Erkrankungsrisiko angesprochen. E-Zigaretten schaden der Lunge und verändern darüber hinaus das Immunsystem. Die Folge ist, dass Dampfer anfälliger sind für eine COVID-19-Erkrankung.

Mit dem Ergebnis ihrer Studie wollen die Wissenschaftler nicht nur den Nachweis erbracht haben, dass E-Zigaretten gesundheitsschädlich sind und besonders mit Blick auf Corona eine Gefahr darstellen. Sie fordern auch alle Entscheidungsträger auf, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Das Gesundheitswesen, Eltern, Schulen und Politiker müssten dazu beitragen, heißt es in der Studie, den Jugendlichen die Risiken bewusst zu machen. Ihren Appell richten sie auch an jene Instanzen, die für Zulassung und Kontrolle von E-Zigaretten zuständig sind. "Die Zulassungsbehörde FDA", sagt Halpern-Felsher mit Blick auf die Situation in den USA, "muss sich beeilen und diese Produkte regulieren".

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