Antisemitismus-Debatte: Daniel Barenboim und Staatskapelle geben Echo zurück

Daniel Barenboim

Berlin. Aus Protest gegen die Verleihung des Echo an die umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang gibt jetzt auch der Star-Dirigent Daniel Barenboim seine Preise zurück. Er habe sich gemeinsam mit der Staatskapelle Berlin und dem West-Eastern Divan Orchestra zu diesem Schritt entschlossen, erklärte der 75-jährige Generalmusikdirektor der Berliner Staatsoper am Montag. Barenboim erhielt 2006 den Echo Klassik als Dirigent des Jahres und 2012 für sein Lebenswerk. Die Staatskapelle Berlin erhielt die Auszeichnung 2007. Zuvor hatten bereits viele andere Künstler ihre Preise zurückgegeben.

Die Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang wurde wegen deren Texten zu einem Eklat. Zahlreiche Künstler geben ihre Preise zurück. Marius Müller-Westenhagen gibt alle seine sieben gewonnenen Echos zurück. Jens Kalaene / dpa Klaus Voormann wurde mit dem Echo für das Lebenswerk ausgezeichnet. Er betrat die Bühne in Berlin kurz nach dem Auftritt der Skandal-Rapper Kollegah und Farid Bang. Nach der Verleihung habe der „Fünfte Beatle“ sich genauer mit den Texten der Rapper auseinandergesetzt und dann die Rückgabe seines Preises angekündigt. Andreas Rentz / Getty Images Der Dirigent Enoch zu Guttenberg gibt einen Echo Klassik zurück, den er 2008 mit dem Orchester Klangverwaltung gewonnen hatte. Die Rückgabe erfolgt in Absprache mit Andreas Reiner von diesem Orchester. dpa Picture-Alliance / Franz-Josef Fischer / picture alliance / dpa Einen weiteren Echo Klassik gibt das Notos Quartett ab. Die Gruppe war 2017 in der Elbphilharmonie Hamburg ausgezeichnet worden. Malte Ossowski/SVEN SIMON / imago/Sven Simon Igor Levit gewann den Echo Klassik 2014. Vier Jahre später gab er unter anderem auf Facebook bekannt, dass er nach der Preisverleihung an Kollegah und Farid Bang seine Trophäe an den Veranstalter, den Bundesverband Musikindustrie, zurückgeschickt habe. imago stock&people / imago/Spöttel Picture Der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner, sendet zwar keinen Preis zurück, hat aber für sich auch Konsequenzen aus dem Skandal um die beiden Rapper gezogen. Er kündigte seinen Rücktritt aus dem Ethik-Beirat des Musikpreises an. imago stock&people / imago/Gerhard Leber Rund eine Woche nach der Echo-Verleihung kündigte auch die Sächsische Staatskapelle Dresden an, ihres Echo-Trophäen zurückgeben zu wollen. „Ein Preis, der Verkaufszahlen über alles stellt und am Holocaust-Gedenktag einem Live-Auftritt stattgibt, der einer Verhöhnung der Opfer des Dritten Reiches gleichkommt, wird zum Symbol eines Zynismus, für den wir nicht stehen“, erklärte das Orchester. Chefdirigent Thielemann (im Bild) schließe sich der Haltung der Musiker an und gebe seinen Echo Klassik von 2004 ebenfalls zurück, hieß es. Jan Woitas / dpa Auch Stardirigent Daniel Barenboim und die Staatskapelle gaben ihre Echos zurückgegeben. Britta Pedersen / dpa

"Mit großer Bestürzung", erklärte Barenboim, habe er die Diskussion über das mit dem Echo ausgezeichnete Album der Rapper Kollegah und Farid Bang verfolgt. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Besonders Kollegah war auch in anderen Kontexten schon mit antisemitischen Symboliken aufgefallen.

Als Jude, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt, habe ihn die Debatte besonders beschäftigt, erklärte Barenboim. Die nun ausgezeichneten Texte bezeichnete Barenboim als "antisemitisch, frauenfeindlich, homophob und allgemein menschenverachtend". Einen solchen Missbrauch der künstlerischen Freiheit dürfe die Gesellschaft niemals tolerieren. "Wir müssen uns geschlossen gegen solche Stimmen erheben und dürfen sie nicht auch noch dadurch bestärken, dass wir sie mit Preisen a...

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