"Echt fiese Dinge": Stefanie Giesinger berichtet in TV-Doku von traumatisierender Reise

Elisa Eberle
·Lesedauer: 4 Min.

In der jüngsten Ausgabe der Sky-Dokumentationsreihe "Her Story" stand Stefanie Giesinger im Zentrum. Dabei zeigte sich das Model stellenweise sehr nachdenklich und ernst.

Sie lebt den Traum vieler Mädchen: Seit ihrem Sieg in der Castingshow "Germany's Next Top Model" 2014 kann sich Stefanie Giesinger vor Aufträgen kaum mehr retten. Sie modelt für internationale Marken, hat ein eigenes Beautylabel und knapp vier Millionen Instagram-Fans. Dennoch scheint sie nicht immer glücklich zu sein mit ihrem Job. Warum? Das und mehr verriet sie im Rahmen der Sky-Dokumentation "Her Story", die am Dienstag erstmals ausgestrahlt wurde.

"Ich bin gerade in der Phase des Erwachsenwerdens", erklärt die 24-Jährige zu Beginn des 50-minütigen Films von Monique Marmodée. Es sei also kein Zufall, dass sie just in dieser Zeit von einer Kamera begleitet werde. In der Tat ist es überraschend, wie viele ernste und nachdenkliche Momente aus dem Leben der sonst fröhlichen Blondine gezeigt werden. Angefangen mit jener Beichte, die sie im März 2020 auf dem Weg zu einer Veranstaltung in Paris ablegte: "Eigentlich will ich gar nicht mehr modeln", sagte Giesinger.

Stefanie Giesinger bei "Her Story" (Sky): "Total hart, immer bewertet zu werden"

Sie wolle sich nicht mehr unter Druck setzen, denn mental sei das "total hart, immer bewertet zu werden, vor allem nach seinem Äußeren". Dennoch blickt sie auch optimistisch in die Zukunft: "Man merkt ja, dass sich die Modewelt verändert." Dies gebe ihr Hoffnung, dass sie das Modeln nicht ganz aufgeben sollte, denn Spaß mache es noch immer.

Es sind diese Momente, die die Reihe "Her Story" zu einem besonderen Format machen. Die porträtierten Frauen - außer Stefanie Giesinger sind es Anna Loos, Barbara Schöneberger und Sarah Wiener - erscheinen dadurch um einiges nahbarer und menschlicher, als sie es in vergleichbaren Dokus täten. Auch wenn manche Szenen sicher auch der positiven Selbstdarstellung dienen, werden die negativen Seiten und Effekte ebenso wenig ausgespart.

Zweifel und Schuldgefühle: "Man fühlt sich einfach sch..."

Bei Giesinger betrifft dies vor allem ihren Besuch in Malawi. Ende 2019 war sie zusammen mit Vertretern der Welthungerhilfe und des Lebensmittel-Startups Lycka für eine Charity-Aktion in das ostafrikanische Land gereist. Ihr Ziel war es, den Menschen zu zeigen, wohin ihr Geld fließt, wenn sie sich ein Non-Profit-Eis von Lycka kauften. Der komplette Erlös aus der Aktion sollte der Erweiterung und Renovierung einer Mädchenschule sowie der Verteilung von Hygieneartikeln zugutekommen.

Schon kurz nach ihrer Ankunft begann das Model zu zweifeln: "Man fühlt sich einfach scheiße. Klar, ich bin hier auf einer Mission. Aber ich glaube, die Menschen hier wissen es nicht, und ich wirke einfach wie so ein Tourist." Die Erklärung einer Begleiterin, wonach die Menschen es gewohnt seien, Besuch aus dem Ausland zu bekommen, half nur ein wenig.

Umso wichtiger war es für Giesinger, ihren Besuch via Social Media zu dokumentieren. Welch große Bedeutung ihre dortigen Auftritte in ihrem Leben haben, wird in der Doku mehr als deutlich, da zahlreiche Storys und Fotos mit eingebunden werden. Im Fall von Malawi seien die sozialen Netzwerke ihr Weg, um eine Stimme zu finden und andere Menschen zu inspirieren, erklärte Giesinger.

"Meine Nachrichten waren voll mit Morddrohungen"

Doch in diesem Fall ging ihr Engagement nach hinten los: Die Videos und Fotos provozierten einen Shitstorm, der sie schwer belastete. "Wenn der größte Teil aller 630 Kommentare negativ ist, dann habe ich ja doch was falsch gemacht", erklärt die 24-Jährige schluchzend, während ihre Managerin versucht, sie zu trösten. Sie habe echt versucht, ihr Anliegen so klar und deutlich wie möglich zu kommunizieren. Doch scheinbar sei ihr das nicht gelungen.

Wie heftig der Shitstorm wirklich war, wird in "Her Story" allzu deutlich: "Meine Nachrichten waren voll mit Morddrohungen, mit Hassnachrichten, mit echt fiesen Dingen", erklärt das Model vor der Kamera. Zwar seien durch die Aktion über 132.000 Euro eingenommen worden, doch dass sie eine derartige Reise erneut antrete, bezweifelt Giesinger: "Ich habe Angst, dass ich das noch mal falsch machen könnte."

Alles in allem ist es ein facettenreiches Bild, welches Monique Marmodée von ihrer Protagonistin zeichnet: Neben schwierigen Situationen werden auch Giesingers Erfolge wie etwa der Launch ihres eigenen Labels während des Lockdowns dokumentiert. Dass sie nicht ewig über ihr Aussehen Geld verdienen wird, ist Stefanie Giesinger bewusst. Deshalb - und damit endet die Doku - ist sie schon jetzt auf der Suche nach sinnvollen Alternativen.