Westafrikanische Nachbarn beharren auf ziviler Interimsregierung in Mali

Kent Mensah
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Der ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo
Der ghanaische Präsident Nana Akufo-Addo

Die Nachbarstaaten von Mali beharren darauf, dass nach dem dortigen Militärputsch rasch eine von Zivilisten geleitete Übergangsregierung installiert wird. Die Militärjunta müsse die Zivilregierung "unverzüglich" einsetzen, hieß es am Dienstag in einer Erklärung der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (Ecowas). Die Junta müsse sich mit Antritt der Übergangsregierung auflösen.

Staatschefs der Ecowas hatten zuvor mit der malischen Junta in der ghanaischen Stadt Peduase konferiert. Der Präsident von Ghana, Nana Akufo-Addo, der derzeit den Vorsitz in der Staatengruppe innehat, sagte anschließend: "Wir brauchen eine zivile Führung für den Übergang." Er forderte auch, dass die Interimsregierung in einigen Tagen und nicht erst "in Wochen" eingesetzt werden müsse.

Ein Ecowas-Vermittler werde kommende Woche in die malische Hauptstadt Bamako reisen, kündigte Akufo-Addo an. Die Staatengruppe erwarte, dass bis dahin die Installation der Übergangsregierung abgeschlossen sei. Sobald die Interimsregierung im Amt sei, werde die Ecowas ihre Sanktionen gegen Mali aufheben, versicherte der ghanaische Staatschef. 

Die Ecowas hatte der Militärjunta ursprünglich eine Frist bereits bis diesen Dienstag gesetzt, um die Übergangsregierung einzusetzen. Die neuen Machthaber in Bamako ließen diese Frist verstreichen.

Am Wochenende hatte die Junta angekündigt, für 18 Monate eine Übergangsregierung installieren zu wollen. Sie erklärte bisher jedoch nicht öffentlich, wer diese Regierung leiten soll. Als Reaktion auf den Sturz des malischen Präsidenten Ibrahim Boubacar Keita durch Teile des Militärs hatte die Ecowas die Grenzen zu dem Land geschlossen und die Handels- und Finanzbeziehungen zu Mali gekappt. 

Soldaten der malischen Streitkräfte hatten am 18. August einen Armeestützpunkt nahe Bamako besetzt und Keita vorübergehend gefangen genommen. Dieser verkündete unter dem Druck der Putschisten seinen sofortigen Rücktritt und die Auflösung des Parlaments.

Die Oppositionsbewegung 5. Juni hatte vor dem Umsturz den Rücktritt Keitas gefordert und immer wieder Massenproteste gegen ihn organisiert. Die Bewegung fordert nun von der Junta, ihr eine Rolle im politischen Übergang zu geben.

Keita hatte seit geraumer Zeit unter Druck gestanden, weil es ihm unter anderem nicht gelungen war, die seit 2012 andauernden Angriffe von Islamisten vor allem im Norden des Landes unter Kontrolle zu bringen.

Der jüngste Putsch in Mali war der vierte, seit das Land im Jahr 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangt hatte. Einer der früheren Putschisten, der langjährige Staatschef Moussa Traoré, verstarb am Dienstag im Alter von 83 Jahren in Bamako, wie sein Neffe mitteilte. 

Traoré war 1968 als junger Leutnant der Anführer eines Putsches, der zum Sturz von Modibo Keita führte, dem ersten malischen Präsidenten nach der Unabhängigkeit. Traoré blieb danach 22 Jahre an der Macht, bis er selbst durch einen Putsch abgesetzt wurde.

dja