Ecuador wählt neuen Präsidenten und neues Parlament

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Andrés Arauz (l.) und Guillermo Lasso

Bei den Präsidentschaftswahlen in Ecuador hat sich am Sonntag ein enges Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem linken Wirtschaftswissenschaftler Andrés Arauz und dem rechtskonservativen Ex-Banker Guillermo Lasso abgezeichnet. Beide wollen die Nachfolge von Staatschef Lenín Moreno antreten, der nicht mehr kandidierte. Die mehr als 13 Millionen Wahlberechtigten entschieden zudem über die Verteilung der 137 Sitze im Parlament.

Abgeschlagen auf dem dritten Platz rangierte in Umfragen vor der Wahl der linke Umweltpolitiker Yaku Perez, der sich für die Rechte der indigenen Bevölkerung einsetzt. Moreno, der in den Umfragen abgestürzt ist, trat nicht erneut an.

Der 35-jährige Arauz kandidiert für das linke Parteienbündnis Unes. Er ist ein Schützling des zweimaligen Präsidenten Rafael Correa, der trotz einer Verurteilung wegen Korruption weiterhin politischen Einfluss ausübt. Arauz will das Land nach eigenen Angaben nach der vierjährigen Amtszeit von Moreno wieder auf einen sozialistischen Kurs bringen und unter anderem eine Sondersteuer für Reiche einführen.

Der 65-jährige Lasso gehört der konservativen Bewegung Creo an. Er gilt als Verfechter der freien Marktwirtschaft und hat die Schaffung von einer Million Arbeitsplätzen binnen eines Jahres angekündigt. Er würde im Falle eines Wahlsiegs voraussichtlich an Morenos Sparpolitik festhalten.

Der bisherige Staatschef Moreno hinterlässt ein umstrittenes Erbe und ein polarisiertes Land. Ecuador steckt wegen des Verfalls des Öl-Preises in einer schweren wirtschaftlichen Krise, die durch die Corona-Pandemie zusätzlich verschärft wurde. Mehr als 257.000 Menschen in Ecuador infizierten sich mit dem Coronavirus, rund 15.000 starben nach einer Infektion. Umfragen sagten wegen der Ansteckungsgefahr eine geringe Wahlbeteiligung voraus.

Die künftige Regierung steht vor großen Herausforderungen. Eine hohe Staatsverschuldung und eine Wirtschaft, die nach offiziellen Schätzungen 2020 um 8,9 Prozent geschrumpft ist, lassen allerdings wenig Spielraum. Morenos Nachfolger soll am 24. Mai das Amt übernehmen.

noe/jes