Ecuadorianer entscheiden in Stichwahl über ihren neuen Präsidenten

Hector Velasco
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Stimmabgabe in Cuenca

In Ecuador haben die Bürger am Sonntag in einer Stichwahl über ihren künftigen Präsidenten abgestimmt. Zur Wahl standen der linksgerichtete Wirtschaftswissenschaftler Andrés Arauz, der die erste Wahlrunde im Februar überraschend deutlich gewonnen hatte, und der rechtskonservative Ex-Banker Guillermo Lasso. In Umfragen hatte der 36-jährige Arauz zuletzt nur knapp vor seinem 65-jährigen Rivalen gelegen.

Die Wahllokale in Ecuador öffneten am Sonntag um 07.00 Uhr (Ortszeit, 14.00 Uhr MESZ). Wegen der Wahlpflicht in Ecuador müssen alle 13,1 Millionen Stimmberechtigten bis 17.00 Uhr (Ortszeit, 24.00 Uhr MESZ) wählen.

Arauz tritt für das Bündnis Union der Hoffnung an. Vor seiner Präsidentschaftskandidatur war der 36-jährige Linkspolitiker nahezu unbekannt in Ecuador. Allerdings war er von Ecuadors langjährigem linksgerichteten Staatschef Rafael Correa gefördert worden, der mittlerweile wegen eines Korruptionsurteils im Exil lebt.

Der 65-jährige Lasso tritt für die Partei Creo bereits zum dritten Mal bei Präsidentschaftswahlen an. Sein Fokus liegt vor allem auf der Wirtschaft, er will "Investitionen fördern und Arbeitsplätze schaffen".

Am 24. Mai soll der Wahlsieger von Staatschef Lenín Moreno die Amtsgeschäfte übernehmen. Die neue Regierung steht vor großen Herausforderungen: hohe Arbeitslosigkeit, hohe Staatsverschuldung und eine Wirtschaft, die nach offiziellen Schätzungen 2020 um 7,8 Prozent geschrumpft ist.

Die Staatsverschuldung in Ecuador beträgt mit umgerechnet rund 54 Milliarden Euro 63 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. Auch die Corona-Pandemie hat das Andenland hart getroffen. Mehr als 340.000 Infizierte und mehr als 17.000 Corona-Tote wurden registriert. Die Krankenhäuser des Landes sind überlastet. Außerdem hat die Arbeitslosigkeit in Ecuador durch die Corona-Krise deutlich zugenommen.

Arauz und Lasso wollen beide vorerst an der Öl-Förderung im Amazonasgebiet festhalten, dessen Urwälder für das Erdklima eine wichtige Rolle spielen. Die Ausbeutung von Bodenschätzen hat einen wichtigen Anteil an der Wirtschaftsleistung des Landes.

Ein Zusammenschluss aus Umweltschutz- und Menschenrechtsgruppen hat die Wahlprogramme der Kandidaten auf Umweltschutzfragen hin untersucht und Arauz ein "besorgniserregendes" Zeugnis für den Umgang mit der Natur ausgestellt. Noch schlechter schneidet jedoch sein Konkurrent Lasso ab, der als "giftig" für die Umwelt bezeichnet wurde.

yb/lan