Preußische Artilleriehalle: Platz für neue Wohnungen und Kunst in Köln-Ehrenfeld

An der Alpenerstraße könnte ein innovatives Wohnprojekt realisiert werden.

Ein Schmuckstück ist das Gebäude zwar nicht, aber es ist das letzte seiner Art. An der Alpenerstraße 4-6, nahe der Einmündung zur Venloer Straße steht eine ehemalige preußische Artilleriewagenhalle. Eine Jahreszahl über dem Eingangstor weist 1879 als Erbauungs- oder Fertigstellungsjahr aus.

Die Militäranlage stammt also aus einer Zeit, in der Ehrenfeld noch eine selbstständige Stadt war. Erst 1888 wurde der prosperierende Industrievorort nach Köln eingemeindet.

Chance nutzen

In der Bezirksvertretung Ehrenfeld brachte die SPD-Fraktion jetzt den Vorschlag ein, die Backsteinhalle zu erhalten. „Uns ist bewusst, dass es ungewöhnlich ist, wenn sich Sozialdemokraten für den Erhalt eines militärischen Bauwerks stark machen“, sagte die Fraktionsvorsitzende Petra Bossinger.

Es gehe auch weniger um die Militärhistorie als darum, die Chance zu nutzen, die Halle für umweltgerechtes und preiswertes Wohnen umzubauen. „Aber abgesehen davon stellt die Backsteinhalle für das frühere Arbeiterviertel Ehrenfeld einen identitätsstiftenden Ankerpunkt dar“, sagte Bossinger.

Wohnen und Kunst vereint

Der auch von den anderen Fraktionen mitgetragene Vorschlag an den Stadtrat lautet, die Halle für studentisches Wohnen, Wohnen für Geflüchtete – insbesondere studierende – sowie einen Anteil an Künstlerateliers zu erhalten. All das soll unter dem Hallendach und innerhalb der historischen Mauern an der Alpenerstraße vereint werden.

Vor wenigen Jahren wurden nebenan die Produktionsstätten einer Zeltfabrik abgebrochen und durch eine Wohnanlage ersetzt.

Die notwendigen Um- und Einbauten sind nach Überzeugung der SPD problemlos möglich, da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehe. Zu klären ist allerdings, wann und zu welchen Bedingungen die derzeitigen Nutzer das Gebäude aufgeben.

Städtische Bühnen nutzen Halle als Lager und Werkstatt

Die alte Halle beherbergt Werkstätten und Lager der Städtischen Bühnen. Schon vor zwei Jahren kündigten die Bühnen an, die baufällige und zu klein gewordene Außenstelle in Ehrenfeld verlassen zu wollen. Das sollte schon im vergangenen Jahr passieren, verzögert sich aber.

Die damals angestrebte Lösung, zwei Hallen auf dem Gelände des Westdeutschen Rundfunks am Freimersdorfer Weg in Bocklemünd zu nutzen, wurde inzwischen durch eine Neubaulösung ersetzt. Der beabsichtigte Umzug würde durch den Verkauf des Grundstücks an der Alpenerstraße mitfinanziert.

„Insofern wäre es zielführend, wenn das Liegenschaftsamt im Wege der internen Verrechnung das Grundstück kurzfristig übernähme“, schlägt die Ehrenfelder SPD-Fraktion vor. Patrick Wasserbauer, Geschäftsführer der Bühnen, sagte auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“, man sei für Gespräche offen. Die Halle sei praktisch ungedämmt und werde nicht geheizt, Zurzeit genutzt werde auch die Außenfläche. Dort sind Transportcontainer abgestellt.

Prototyp besichtbar

Nun hoffen die Sozialdemokraten auf eine schnelle Lösung, denn das von ihnen vorgeschlagene Wohnprojekt könne kurzfristig und kostengünstig umgesetzt werden.

Der Prototyp könne ganz in der Nähe der Alpenerstraße in der Kolbhalle an der Helmholtzstraße besichtigt werden. Es handele sich um ein Einbaumodul aus Holz, das in der dortigen Halle errichtet wurde. Davon hätten in der alten Artilleriehalle „mindestens 70 Einheiten Platz“.

Entworfen wurden die Module von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden verschiedener Fakultäten der Technischen Hochschule Köln. Das Projekt verfolgt das Ziel, eine neue, nachhaltige und soziale Form des Zusammenlebens zu ermöglichen.

„Integrative Impulse für alle Beteiligten“

Beteiligt sind die Fakultäten für Angewandte Sozialwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Architektur, Bauingenieurwesen und Umwelttechnik sowie Anlagen, Energie- und Maschinensysteme. Sehr angetan zeigte sich im vergangenen Sommer Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD), als sie sich bei einem Besuch in der Kolbhalle das Studentenprojekt eingehend erläutern ließ.

Schon jetzt schwärmen auch die beiden SPD-Bezirksvertreterinnen Petra Bossinger und Katrin Bucher, dass die Kombination von Studenten, Künstlern und jungen Flüchtlingen „integrative Impulse für alle Beteiligten“ verspreche. Atelierflächen sind den beiden Politikerinnen besonders wichtig, da solche aus Ehrenfeld zunehmend verschwinden, weil stattdessen Wohnungen gebaut würden.

Weitere Nutzungen denkbar

Weitere Nutzungen gewerblicher Art wie zum Beispiel eine kunsthandwerkliche Werkstatt, eine Gemeinschaftskantine für Bewohner und Nachbarn und eine Kindertagesstätte auf dem Gelände sind denkbar. Damit nicht genug: Eine gemeinschaftlich nutzbare Freizeit- und Erholungsfläche, auf der sich gärtnern ließe oder wo man Fitness trainieren könne, liegt ebenfalls in ihrem Vorstellungsvermögen.

Projekt ausgezeichnet

Studierende und Mitarbeiter verschiedener Fakultäten der TH Köln entwickelten von 2015 an Wohnmodule speziell für alte Industriehallen. Die Ergebnisse wurden vor einem Jahr vorgestellt.

Das Projekt mit Namen „dre:raum“ wurde mit dem Qualitätssiegel „Werkstatt N“ des Rats für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ausgezeichnet.

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