Ehemaliges Scientology-Mitglied: Angeblich zwölf Jahre auf Schiff gefangen

Es ist eine Geschichte, bei der einem kalte Schauer über den Rücken laufen. Das ehemalige Scientology-Mitglied Valeska Paris behauptete in einem Interview mit dem US-Fernsehsender ABC, dass sie zwölf Jahre lang von der umstrittenen „Scientology“-Organisation auf einem Schiff gefangen gehalten wurde. Grund sei der Ausstieg ihrer Mutter aus der Sekte gewesen.

Normalerweise unternehmen Menschen auf Kreuzfahrtschiffen tolle Reisen. Für Valeska Paris war das luxuriöse Passagierschiff „The Freewinds“, auf dem Scientology Seminare der höchsten Mitgliedsebenen abhält, nach eigenen Aussagen zwölf Jahre lang ein Gefängnis. In einem Interview der Sendung „Lateline“ des US-Fernsehsenders ABC erhebt die in der Schweiz geborene Frau schwere Vorwürfe gegen die Sekte.

Paris, die in eine Familie aus Scientology-Anhängern hineingeboren wurde, behauptet, sie sei im Alter von 18 Jahren im Auftrag von Organisationschef David Miscavige auf ein Schiff verbannt worden. Der Vorfall habe sich ereignet, nachdem ihre Familie aus der Sekte ausgetreten sei.

„Im Grunde wurde ich festgenommen und mir wurde gesagt, meine Mutter hätte die Kirche angegriffen. Ich müsse mich von ihr trennen, da sie unterdrückend sei“, so Paris gegenüber ABC. Man habe ihr mitgeteilt, dass der Aufenthalt auf dem Schiff zwei Wochen andauern würde. Laut Paris wurden daraus zwölf Jahre.

Beim Betreten des Schiffs seien ihr die Ausweispapiere abgenommen worden. Zudem sei sie auf der „Freewinds“ isoliert wie auf einer Insel gewesen: „Demnach ist es etwas schwierig [zu flüchten]. Außerdem war ich damals 18 Jahre alt. Ich war mein ganzes Leben lang bei Scientology. Es ist nicht so, dass ich gewusst hätte, wie ich fliehen soll.“ Auf dem Schiff habe sie arbeiten müssen – zum Teil bis zu 48 Stunden am Stück.  Außerdem habe sie nie allein von Deck gehen dürfen.

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Laut Paris‘ Aussage habe sie den Scientology-Mitgliedern durchaus zu verstehen gegeben, dass sie das Schiff verlassen wollte: „Ich wollte nicht dort sein. Ich habe deutlich gemacht, dass ich nicht da sein wollte.“ Das wiederum sei als schlechte, moralische Einstellung und damit als falsch angesehen worden. 

Im Alter von 14 Jahren habe Paris einen „Vertrag“ mit Scientology unterschrieben. Darin habe sie sich für eine Milliarde Jahre der Sekte verpflichtet. Im Zuge dieses Bekenntnisses sollte auch die Verbundenheit mit ihrer eigenen Familie außer Kraft gesetzt werden, schreibt die britische Tageszeitung „Daily Mail“.

Die Mutter Paris‘ war bei Scientology in Ungnade gefallen, nachdem sie die Sekte im französischen Fernsehen nach dem Selbstmord ihres Ehemannes angeprangert hatte. Der Self-Made-Millionär sei bei seinem Tod verarmt gewesen und beschuldigte Scientology, ihn um sein Vermögen gebracht zu haben.

Aus Angst, die Mutter würde ihre Tochter aus der Sekte holen, schaltete sich angeblich Organisationschef David Miscavige persönlich ein und ordnete die „Gefangennahme“ der damals 18-Jährigen an.

Laut „Daily Mail“ widerspricht Scientology in einem Statement den Vorwürfen Paris‘. „Sie wurde sicherlich nicht ‚gezwungen‘, da zu sein. Sie wurde auch nie dazu gezwungen, im Maschinenraum zu arbeiten“, wird daraus zitiert. Auch dass sie das Schiff nur in Begleitung habe verlassen dürfen, entspreche nicht der Wahrheit.