Ehemann in Notwehr getötet: Melek İpek aus Gefängnis entlassen

Konstantin Delles
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Melek İpek umarmt nach der Entlassung ihre Töchter (Bild: Alparslan Çınar / DHA / AFP)
Melek İpek umarmt nach der Entlassung ihre Töchter (Bild: Alparslan Çınar / DHA / AFP)

Die zweifache Mutter Melek İpek aus Antalya, die im Januar ihren gewalttätigen Ehemann getötet hatte, ist aus der Haft entlassen worden. Medienberichten zufolge befand das Gericht am Montag, dass sie in einer psychischen Ausnahmesituation nach der vorausgehenden Misshandlung durch ihren Mann einen Notwehrexzess begangen habe. Da es keinen Anlass für eine Strafe gebe, wurde der Haftbefehl aufgehoben.

Das Gericht folgte damit der Argumentation der Verteidigung. Melek İpeks Anwalt Ahmet Onaran sagte, das Urteil lasse "das nationale Gewissen erleichtert aufseufzen" und stelle das Vertrauen in das Recht wieder her. Die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig. 

Der Fall hatte landesweites Aufsehen erregt. Melek İpek hatte am 8. Januar ihren Ehemann mit einem Gewehr erschossen, nachdem er sie in der Nacht zuvor misshandelt und vergewaltigt hatte. Nach ihrer Aussage habe sie ihn lediglich abschrecken wollen, als er gedroht habe, sie selbst und die beiden gemeinsamen Kinder zu töten. Der tödliche Schuss habe sich aus Versehen gelöst.

Staatsanwaltschaft wollte Mordanklage

Die Staatsanwaltschaft hatte Melek İpek zunächst vorsätzlichen Mord vorgeworfen und die 31-Jährige in Untersuchungshaft genommen. Die Festnahme löste Proteste aus, im Netz gingen Fotos ihres mit Blessuren übersäten Gesichts viral, in einer Petition wurde ihre Freilassung gefordert. Die Anklage wurde später auf fahrlässige Tötung heruntergestuft. 

In der Verhandlung schilderte Melek İpek, dass sie in ihrer 12-jährigen Ehe systematischer Gewalt ausgesetzt gewesen sei. Ähnliche Aussagen machten ihre Töchter und auch eine Geliebte ihres Mannes, die ebenfalls unter dessen Gewalttätigkeit litt.

In der Türkei kommt es immer wieder zu Protesten gegen die verbreiteten Femizide und andere Gewalttaten gegen Frauen. Der Regierung wird vorgeworfen, diese Taten zu begünstigen. Neue Brisanz gewann das Thema durch den angekündigten Ausstieg aus der Istanbul-Konvention, des weltweit ersten verbindlichen Abkommens gegen Gewalt an Frauen.

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