Eigelstein: Zwischen Drogendealern und Stacheldraht – Bahnbögen in schlechtem Zustand

Seit nunmehr 15 Jahren sollen die Gewölbe ausgebaut werden.

Es ist eine schier unendliche Geschichte, die die Nachbarn des Viertels seit nunmehr 15 Jahren ratlos und wütend zurücklässt. Die Bahnbögen am Eigelstein, nur knapp fünf Minuten vom Hauptbahnhof entfernt, befinden sich seit vielen Jahren in einem katastrophalen Zustand. An der Marzellenstraße stehen Trennwände mit Stacheldraht, die Fläche am Salzmagazin ist ein düsterer Parkplatz, auf dem mit Drogen gehandelt wird, und zwischen Gereonswall und Plankgasse stapeln sich Kisten mit Müll. „Eigentlich sollten die Bögen die Visitenkarten für den Eigelstein sein“, sagt der Vorsitzende des Bürgervereins Eigelstein, Burkhard Wennemar. „Stattdessen ist der Zustand ein Desaster.“

Eigentümer der 35 Bahnbögen im Viertel ist die Deutsche Bahn, die sie wiederum 2003 für 40 Jahre an Lutz Figge verpachtet hat, den Inhaber der privaten Bahnbögen GmbH. Figge hatte schon 2007 versprochen, aus den Gewölben ein attraktives Zentrum für Cafés und Geschäfte zu machen. Vorbilder sieht er an der Londoner Portobello Road und am Berliner Savignyplatz. Damit das klappt, sollen die Bahnbögen über eine zentrale Passage unter der S-Bahn-Trasse erschlossen werden, die an der Marzellenstraße beginnt und sich bis zum Hansaring ziehen soll.

In den Bögen soll Platz für die Geschäfte entstehen. Nur: Passiert ist seit 14 Jahren fast nichts. 2009 hatte Figge ein Konzept vorgelegt, das von der Stadt als ungeeignet zurückgewiesen wurde. Seitdem herrscht Stillstand. „Wir warten seit Jahren auf einen neuen Plan“, sagt die Leiterin des Stadtplanungsamtes, Anne Luise Müller.

Boxschule am Hansaring zeigt, wie die Bögen mit Leben gefüllt werden können

Wie man die Bahnbögen mit Leben erfüllen könnte, kann man durchaus am Hansaring beobachten. Durch eine kleine Seitentür und einen engen Gang findet man den Weg zur Boxschule von Mecit Besiroglu. Hier trainieren Jugendliche schweißüberströmt mit Springseilen, lassen ihre Fäuste an Sandsäcke flatschen und bearbeiten sich gegenseitig beim Sparring im Ring.

Besiroglu (69) ist seit mehr als 50 Jahren im Boxgeschäft, war in den 1960er Jahren einmal türkischer Vizemeister im Leichtgewicht und mehrmals Meister der Stadt Ankara. Fünf Boxclubs hat er in Köln geführt, im Bahnbogen am Hansaring ist er seit zehn Jahren. „Das hier ist mein Leben, meine Kirche und meine Moschee“, sagt er. 3000 Jugendliche habe er in den letzten zehn Jahren hier trainiert. „Von denen landet keiner auf der Straße.“

Besiroglu dient Investor Figge als eine Art rechte Hand. Der Trainer kann den 300 Quadratmeter großen Bogen für einen günstigen Preis mieten und sieht dafür nach dem Rechten. Beseitigt Müll aus den Ecken, räumt Schutt weg, kümmert sich um die Parkplätze, treibt Mieten ein und sieht Wildpinkler und Drogenhändler auch schon einmal streng an. „Es ist alles viel besser geworden“, sagt er. Anfangs, als sich seine Boxschule noch im Rohbau befand, hätte es Dutzende Dealer gegeben. „Ich lag nachts wach in der Schule mit meinem Schäferhund und habe aufgepasst, dass sie hier nicht reinkommen.“

Warum passiert seit 14 Jahren nichts mit den Bögen?

Einen Steinwurf weiter trifft man auf Detlef Meyer. Draußen prangt ein Schild: „Größtes Gebrauchtteilelager in Köln“, drinnen ölt der Mann gerade eine Radfelge. Fotos von seiner Fahrradwerkstatt möchte er keine, obwohl das Lager mit mehr als 1000 Rädern wie dahingemalt aussieht. Überall türmen sich Schläuche, Rahmen, Sattel, aus dem Radio plätschert Jazz, und ein Kunde kramt in einer Box mit Reflektoren.

Meyer, der binnen zehn bis 14 Tagen so ziemlich jedes Rad aus den Ersatzteilen zusammenschraubt, ist seit 14 Jahren Mieter im Bahnbogen – „14 Jahre im Niemandsland“, wie er sagt. Eigentlich könnten die Bögen ein Heim sein für Fachgeschäfte, die sich sonst die hohen Mieten in der Innenstadt nicht leisten könnten. „Schade, dass da nichts passiert.“

Warum nichts passiert, ist einigermaßen unklar. Investor Figge möchte eigentlich gar nicht über die Vergangenheit reden, lässt sich aber zumindest entlocken, dass die Deutsche Bahn die Bögen einige Zeit lang saniert habe. Das mag stimmen, kann aber kaum 14 Jahre lang gedauert haben. Anwohner Ulrich Selig vermutet eher, dass Figge das Gelände für eine „kleine Maus gepachtet“ habe und kein Druck bestehe, das Areal weiterzuentwickeln. Andere glauben, dass dem Investor schlicht das Geld fehle, um die Bögen zu ertüchtigen.

Investor will Runden Tisch mit allen Beteiligten

Und dann gibt es noch das Problem mit der Stadt, die auf einen Gesamtplan für alle 35 Bögen im Eigelstein besteht, während der Investor sie nur abschnittsweise ausbauen möchte. Starten will er mit dem Teilstück Marzellenstraße bis Salzmagazin. An letzterer Stelle könnte man sich ein Café mit Außengastronomie vorstellen, das auch die öde Fläche am ehemaligen Gaffelhaus aufwerten könnte. Mit dem geplanten Hotel der Althoff-Gruppe, die das Gaffel-Grundstück erworben hat, könnte hier ein kleiner Platz mit Außengastronomie entstehen.

Figge fordert nun einen Runden Tisch, an den sich alle Beteiligten – Bezirkspolitik, Stadt, Bürger und Investor – setzen sollen, um das Projekt voranzutreiben. Das wiederum ruft ungläubiges Staunen bei denen hervor, die sich am Forum beteiligen sollen.

Denn erst im vergangenem Jahr hatte man sich auf die „Bahnbögen-Konferenz“ geeinigt, die dann tatsächlich Mitte des vergangenen Jahres einmal stattgefunden hat. Ein Workshop, der für den Herbst anberaumt wurde, musste aber schließlich von der Stadt abgesagt werden, weil Figge die von der Verwaltung verlangten Unterlagen nicht geschickt hatte....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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