Mütter in der Corona-Krise : Wenn die Wohnung zum Gefängnis wird

Eine Woche häusliche Isolation liegen hinter uns. Meine Kinder sprechen noch von „Corona-Ferien". Noch. Denn auch ihre Nerven sind langsam am Ende. Meine und die meines Mannes sind es längst. Für uns, die beide jeden Tag acht Stunden lang im "Homeoffice" am Wohnzimmertisch sitzen, ist unsere Vier-Zimmer-Wohnung im Grindelviertel nicht nur zur Gefängniszelle geworden. Sie wird zwischenzeitlich zur Folterkammer.

Kinder brauchen Bewegung. Kinder brauchen frische Luft. Kinder brauchen Abwechslung. Kinder brauchen Freunde. Kinder brauchen Aufmerksamkeit. Kinder brauchen Liebe. 

Es sind Grundbedürfnisse, die universell gelten. Und die tausende Kinder in Hamburg derzeit aufgrund der Corona-Krise derzeit nicht erfüllt bekommen. Jedenfalls nicht, wenn sie, wie meine, in einer Etagenwohnung ohne Garten aufwachsen.

Coronavirus in Hamburg: Mütter in der Krise

Was die Situation so verschärft, sind die Bedürfnisse der Homeoffice-Eltern, die denen ihrer Kinder diametral entgegenstehen. Sie brauchen Ruhe, um arbeiten zu können. Sie hoffen, dass die Kinder sich selbst beschäftigen. Doch das funktioniert nicht. Oder nur mal kurz zwischendurch.

Das, was Eltern sonst anderen Berufsgruppen übergeben – die Kinderbetreuung, die Kinderbeschulung, die Kinderbespaßung, die Kinderernährung, die Reinigung der Wohnung – all das müssen sie jetzt parallel zu ihren gleich gebliebenen Arbeitsanforderungen auch noch übernehmen.

Vollzeit berufstätig, Lehrerin, Erzieherin, Köchin und Putzfrau zugleich - das geht nicht

Ich bin Vollzeit-Redakteurin. Gleichzeitig muss ich Lehrerin sein, wozu ich nicht ausgebildet bin, ebensowenig wie zur Erzieherin. Ich muss Köchin sein, weil das Schulcatering ausfällt. Das kostet viel Zeit. Länger als meine vorgesehene Mittagspause. Zwischendurch muss geputzt werden, weil die Wohnung viel stärker genutzt wird als normal. Ich muss die Freunde meiner Kinder ersetzen, Streits schlichten, Prügeleien unterbinden, Tränen trocknen. Und das alles parallel während meines Acht-Stunden-Arbeitstages, der Ruhe und Konzentration erfordert. Manchmal könnte ich nur noch schreien. Ich tue es auch.

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