Nach eigener Krebs-Erfahrung: "Höhle der Löwen"-Gründer will Pflegesystem retten

Julia Schöppner-Fleige

Ein Gründer erweichte die Herzen, ein anderer löste Lachanfälle aus, und ein weiterer machte die Löwen schier sprachlos. Die emotionale Bandbreite war in der zweiten Folge von "Die Höhle der Löwen" (VOX) groß.

"Wer schön sein will, der sollte nicht leiden müssen." So lautet das edle Credo von Gründer Christof Baum, der in der neuen Folge der VOX-Show "Die Höhle Löwen" vor die Investorenriege trat. Etwas ungewöhnlich für einen Mann, aber mit größter Passion verfolgt der 26-Jährige, dessen Vater Orthopäde ist, eine Vision: "Es gibt heutzutage elektrische Lufttaxis, aber bequeme High Heels kriegen wir nicht hin?" Er will den perfekten hohen Schuh auf den Markt bringen. Als er erwähnte, dass er binnen lediglich zwei Wochen auf dem Markt einen Umsatz von 55.000 Euro generierte, schien er diesem Ziel nah zu sein. Löwe Frank Thelen konnte nicht glauben, was er hörte: "What the f...ck?", murmelte er tief beeindruckt. Auch Judith Williams reagierte baff: "Das ist ja der Wahnsinn!"

Die Damen waren's, die den Schuh der Marke "Maison Baum" zunächst probelaufen durften. Dagmar Wöhrl und Judith Williams zeigten sich einig: "Man fühlt sich gebettet", hieß es. Und "das Innenleben des Schuhs ist das Besondere". Sie spürten kaum, dass sie auf zehn Zentimeter hohen Absätzen stöckelten. "Es gibt Stehschuhe und es gibt Sitzschuhe", resümierte Williams. In keinen von beiden könne man laufen. Das sah in Christof Baums Kreationen anders aus: Sein Schuh, so der Gründer, "verbindet französisches Design mit deutscher Technologie und sieht extrem schick aus".

Diesen Schuh zog sich kein Löwe an

Seine langjährige Arbeit schien sich auszuzahlen. Der studierte BWLer hängte ein Studium der Schuhtechnik dran, um sich das nötige Wissen für den perfekten High Heel anzueignen. Trotz des medizinischen Wissens seines Vaters und der Unterstützung vieler Profis, die er für jeden einzelnen Schritt hinzuzog, kamen seine High Heels zunächst nicht gut an. "Es gab jahrelang Rückschläge. Testfrauen fanden die Schuhe zunächst nicht gut, sie taten ihnen sogar weh", erzählt Baum und prophezeite: "Ohne das Geld der Löwen wird es uns im nächsten halben Jahr nicht mehr geben." Für 200.000 Euro wollte er 15 Prozent seines Unternehmens abgeben.

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Doch war "Maison Baum" wirklich so der "Wahnsinn"? Konnte der High Heel trotz der sprachlos machenden Umsätze die Löwen komplett aus den Latschen hauen? Ralf Dümmel, der selbst schon mal im Schuhbusiness unterwegs war, zeigte die Probleme auf: "Man hat immer die falsche Größe auf Lager. Und ihr braucht eine breite Produktpalette." Also halbe Größen, verschiedene Absatzhöhen und Farben, Unterschiede im Design. Die Absage folgte auf dem Fuß: Judith Williams fehlte letztlich die Kreativität, und Dagmar Wöhrl schreckte der nicht absehbare Cashflow ab.

"Helfen Sie mir, ein System zu verändern, das geändert werden muss!"

Kam eine App, die ein System verändern und für mehr Menschlichkeit sorgen soll, besser an? Die persönliche Geschichte hinter "Curassist" jedenfalls beeindruckte die Löwen zutiefst: Thomas Müller war mit 21 Jahren einer der jüngsten Start-up-Gründer. Mit 28 geriet sein Leben aus den Fugen: Diagnose Krebs. "In dieser Zeit lernte ich die Hilfe von Pflegepersonal zu schätzen." Wie es sich um fremde Menschen kümmerte, rührte ihn. Er wurde gesund, doch die Erfahrung hat ihn so bewegt, dass er eine Ausbildung in der Pflege anfing. "14 Jahre habe ich dort gearbeitet." Eine harte Zeit.

"Wussten Sie", fragte er die potenziellen Investoren, "dass eine Pflegekraft zwölf Tage am Stück arbeitet, ehe sie zwei Tage freihat?" Die Rahmenbedingungen seien so schlecht, dass in den letzten Jahren 400.000 Pflegekräfte weggebrochen sind. Sie haben den Job aufgegeben. Und wenn sie sich selbstständig machen wollen würden, würde sie vermutlich die Bürokratie zermürben: "Will man nur einen einzigen Patienten als Selbstständiger betreuen, muss man 800 Seiten Bürokratiekram bewältigen. Dafür braucht man mindestens ein Jahr. So lange kann aber der Patient vielleicht nicht warten." Thomas Müllers App Curassist soll die Bürokratie übernehmen. "Helfen Sie mir, ein System zu verändern, das geändert werden muss."

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Dagmar Wöhrl, die selbst eine pflegebedürftige Mutter hatte, interessierte sich sofort für dieses "emotionale Thema": "In Zeiten des Pflegenotstands legen Sie den Finger in die Wunde." Nils Glagau pflichtete ihr bei: "Ganz, ganz großes Kompliment. Sie sind einer der authentischsten Gründer." Und auch Frank Thelen hielt Müllers Geschichte für "bemerkenswert".

Am Ende schlugen Dagmar Wöhrl und Carsten Maschmeyer ein, um für 500.000 Euro und im Gegenzug einem Anteil von 30 Prozent der Firma (geboten waren zunächst 15 Prozent) gemeinsam mit dem Gründer das Pflegesystem anzupacken. Maschmeyer: "Sie imponieren mir. Aus Überzeugung und aus vollem Herzen investiere ich."

Löwen-Deal für eine "coole Socke"

In der zweiten Folge von "Die Höhle der Löwen" gab es aber auch heitere, tierische und sportliche Momente: Der Hamburger Alexander Schophoff sorgte mit seinem Pitch der Bilderrahmenaufhängung "flexylot" für zahlreiche Lacher und Komplimente - "du bist ein Hammertyp" (Ralf Dümmel), "entertainig" (Frank Thelen), "coole Socke" (Carsten Maschmeyer) - und machte den Deal am Ende mit Konsumgüter-Gott Dümmel.

Als der Jurist und Personal Trainer Christian Polenz seine neuartige ergonomische Hantel "YAB" (steht für Your Active Body) vorstellte, mussten die Löwen zu einem kleinen Workout antreten. Georg Kofler spannte seine Unternehmer-Muskeln am meisten an und stieg ein.

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Leer hingegen gingen die drei Schweizer Erfinder des Hightech-Katzenhalsbands "petTracer" aus: Sie konnten mit ihrer laut Georg Kofler "stratosphärischen Bewertung" von 750.000 Euro für 10 Prozent Firmenanteile keine Investorenmaus aus ihrem Loch locken.

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