Ein Fußball-Mannschaftsbus und der Terror

Jan Rübel
Freier Journalist
Der Mannschaftsbus kurz nach dem Anschlag (Bild: AP Photo/Martin Meissner)

Noch sind die Urheber des Anschlags gegen Borussia Dortmund nicht identifiziert. Aber der Angriff markiert eine neue Dimension des Terrors.

Eine Analyse von Jan Rübel

Für die Spieler von Borussia Dortmund war die Last am vergangenen Mittwochabend sehr groß. Sie sollten die Botschaft schultern, dass die Welt sich nicht bange machen lässt von Terroristen – denn wer drei Bomben legt, sie mit Stahlstiften füllt und gezielt zündet, ist entweder ein Fall für die Couch oder ein Terrorist oder beides zusammen.

Und die Botschaft, nur einen Tag nach dem Anschlag die Partie gegen AS Monaco zu spielen, klang stark. Eben unbeeindruckt. Aber es ist halt schwer, sich von einem ins Kopfpolster gebohrten Stahlstift unbeeindruckt zu geben, und dafür gebührt den Dortmunder Spielern großer Respekt und dem Vereinspräsidenten die Frage, warum er die Spieler nicht vorher fragte, als er dem raschen Wiederanpfiff zustimmte.

Überhaupt erzeugte dieses schlimme Ereignis eine Größe. Fans verhielten sich ruhig und solidarisch. Die Polizei agierte souverän und umtriebig, ohne Hektik an den Tag zu legen. Und selbst die AfD schaffte es einen Tag lang, den Mund zu halten. Dann, ja dann wusste die Partei natürlich mehr als die Polizei, „Islamisten verantwortlich!“, twitterte sie nun.

Die schnellen Jungs von der AfD

Ich verstehe, dass die AfD sich inniglich wünscht, Islamisten hätten den Anschlag verübt. Und vielleicht waren es auch welche; nur sollten die Rechtspopulisten wissen, dass sie zu diesem Zeitpunkt, an dem noch nichts klar ist, sich bei den Spielern von Borussia Dortmund für ihre vorschnelle Hetze keine Freunde machen. Falsche Solidarität stinkt gegen den Wind, und die Fußballprofis mussten schon genug ertragen – da braucht es dieser Instrumentalisierung nicht.

Die am Tatort gefundenen Bekennerschreiben führen ins islamistische Milieu. Aber die Polizei hat auch Zweifel. Zum hat eine Terrorgruppe wie der IS bisher nicht mit einem Bekennerschreiben agiert, da klingt eher ziemlich deutsch. Auch die RAF hat brav ihre Anschläge abgestempelt. Die Sprache des einen Schreibens ist auch widersprüchlich: Zum einen ist sie elaboriert und bei komplizierten Satzkonstruktionen fehlerfrei, zum anderen findet sich der eine und andere Lapsus, der auf in Arabisch gedachtes Deutsch schließen lässt: Aber, um die Verwirrung zu komplettieren, dies könnte auch ein Manöver der Verschleierung sein. Oder stimmen. Man kann nur hoffen, dass die Ermittler zu schnellen und umfassenden Erfolgen kommen. Und dann ist da ein weiteres Bekenntnis, welches angeblich Linksextremisten geschrieben haben – aber in einem Duktus, der ihnen in der Regel völlig fremd ist und auch sehr gut eine falsche Fährte sein könnte.

Alter Terror, neuer Terror

Jedenfalls bedeutet dies eine neue Dimension von Terror in Deutschland. Nicht, dass es ihn nie gegeben hätte. Auch vor Osama bin Laden und dem 11. September 2001 gab es Terrorgefahren in Deutschland. Es gab linken und rechten Terror, es gab gar eine Terrorbande, die über viele Jahre hinweg im Land mordete und deren letztes verbliebenes Mitglied, Beate Zschäpe, in München vor Gericht steht.

Eine neue Dimension wäre es, wenn radikale Fußballfans die Urheber wären, wenn ihre Gewalt in diese Bahnen käme. Es wäre auch eine neue Dimension, wenn Faschisten solch eine Attacke durchziehen, um durch falsche Beschuldigung die Stimmung in der Gesellschaft gegen andere Gruppe wie hier Muslime zu schüren. Es wäre auch eine neue Dimension, wenn Muslime hinter dem Angriff stehen. Denn ob IS oder al-Qaida: Immer ging es um möglichst viele Tote, um ein djihadistisches Element des gewollten Einzugs ins Paradies durch die Bekämpfung von „Kreuzzüglern“. Das Bekennerschreiben von Dortmund aber war gespickt mit konkreten Forderungen, und die Tat hatte ausgewählte Prominente im Visier. Es wäre ein gänzlich anderes Muster als bisher – und könnte auf eine neue Generation von Terroristen hindeuten.

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