Ein Jahr nach dem Sturm auf das Kapitol: Wer verurteilt wurde – und wer noch immer schweigt

·Freie Autorin
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Am 6. Januar 2021 stürmten Trump-Anhänger das Kapitol in Washington. Ein Jahr danach ist die rechtliche Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen. Wer verurteilt wurde – und wer eisern schweigt.

Vor genau einem Jahr wurde das Kapitol in Washington gestürmt. (Symbolbild: Getty Images)
Vor genau einem Jahr wurde das Kapitol in Washington gestürmt. (Symbolbild: Getty Images)

Der Tag ging als schwärzester der US-Demokratie in die Geschichte ein: Ein wütender Mob aus tausenden Fans und Anhängern des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump zog am 6. Januar 2021 vor das Kapitol in Washington. Die Menschen schrien Parolen, stachelten sich gegenseitig auf, überwältigten Sicherheitskräfte und kletterten Mauern hoch. Ein Sturm der Entrüstung auf das Zentrum der Demokratie der Vereinigten Staaten. Und warum? Weil angeblich die US-Wahl, die Joe Biden gegen Donald Trump gewonnen hatte, manipuliert worden war.

Die Bilanz des Schreckenstages: Fünf Tote, unzählige Verletzte, verwüstete Räume und eine Nation in Schockstarre. Rund 800 Menschen stürmten das Kapitol, bis heute beschäftigen über 650 Verfahren die US-Gerichte. Es gibt einen Untersuchungsausschuss im Repräsentantenhaus, der auch die Politiker, vor allem ehemalige Trump-Vertraute, zur Rechenschaft ziehen soll.

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Denn die Hintergründe dieses so schwarzen 6. Januars sind immens schwierig aufzudecken. Zwar wurden einige Angreifer des Mobs zu Haftstrafen verurteilt, aber ein Ende ist noch lange nicht in Sicht.

Wer wurde bereits verurteilt?

Die Gerichte verhängten viele Bagatellstrafen gegen die Aufrührer. Die meisten bekamen wenige Monate Haft. Die bisher höchste Strafe erhielt mit 63 Monaten, also etwas über fünf Jahren, ein Mann aus Florida, der mehrere Polizisten angegriffen hatte.

Verurteilt wurde auch der Mann, dessen Aufzug zum Gesicht des Sturms auf das Kapitol wurde. Er fehlte mit seinem Helm aus Büffelhörnern, seiner Weste und seinen Tattoos auf keiner Fotostrecke über den Schreckenstag. Die Medien titulierten ihn als “Qanon-Schamane“. Eigentlich heißt der Mann Jacob Chansley. Er wurde zu insgesamt 41 Monaten Haft verurteilt – wegen Behinderung von US-Kongressabläufen.

Die Schlüsselfiguren halten sich bedeckt

Die vielen Bagatellstrafen sind das eine Ende der Geschichte. Am anderen Ende warten die eigentlichen Probleme: Wer sind die wahren Schlüsselfiguren? Welcher Trump-Vertraute hat vielleicht seine Finger im Spiel? So ist etwa Trumps ehemaliger Chefstratege und bekannter Rechtspopulist Steve Bannon der Missachtung des Kapitols angeklagt. Bannon soll schon im Vorfeld gewusst haben, dass als Folge der Wahlen Gewalt ausbrechen würde. Nachdem er sich weigerte, mit dem Gremium des Untersuchungsausschusses zu kooperieren, nahm ihn jetzt vorübergehend das FBI in Gewahrsam.

Auch der “Fox News“-Moderator Sean Hannity wurde vom Ausschuss über seine Kommunikation mit Trump rund um den 6. Januar 2021 befragt. Der Moderator hatte am Vorabend des Sturms in einer Textnachricht geschrieben, er sei “sehr besorgt über die nächsten 48 Stunden.“

Und was sagt Donald Trump? 

Der Ex-Präsident hält an seiner Meinung fest, dass die Wahl manipuliert worden sei. Eine geplante Pressekonferenz zum Jahrestag des Sturms auf das Kapitol sagte er kurzfristig ab. Begründung: Die "totale Voreingenommenheit und Unehrlichkeit" der Medien und des Kongressausschusses.

US-Präsident Joe Biden dagegen wird auf jeden Fall eine Rede an die Nation halten. “Der Präsident wird (…) die Wahrheit über die Geschehnisse ansprechen, nicht die Lügen, die einige seither verbreitet haben“, so die Sprecherin des US-Präsidialamtes Jen Psaki.

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