"37°"-Doku: Ein Teil von mir - auf der Suche nach den Eltern

Katharina Dockhorn
Freie Autorin
Jennifer und Sabine Benisch des Suchdienstes Familie international Frankfurt evaluieren die Reise zu Jennifers Vater (Bild: ZDF/Benedict Sicheneder)

Ich fühle mich jetzt endlich vollständig. Dieses Geständnis hätte Jennifer Benisch von ihrem leiblichen Vater niemals erwartet. Die 34-jährige Deutsche hatte ebenso wie der Hamburger Michael eine professionelle Agentur engagiert, die ihr bei der Suche nach ihren familiären Wurzeln half. Für beide war die Geburt der eigenen Kinder der Anlass, sich der eigenen Geschichte zu stellen. Der Film „Wo ist meine Familie? – Mit dem Suchdienst auf der Spur“ von Angela Giese und Florian Hartung aus der Reihe „37°“ des ZDF begleitet sie über einen längeren Zeitraum.

Das Schicksal von Jennifer und Michael ist eng mit der jüngsten deutschen Geschichte verbunden. Jennifer wuchs bei Adoptiveltern auf. Erst bei der Bestellung des Aufgebots zu ihrer Hochzeit erfuhr sie, dass sie adoptiert wurde. Obwohl sie eine glückliche Kindheit hatte und emotional eng mit ihren Eltern verbunden ist, suchte sie nach ihren leiblichen Eltern. Ihren Vater fand die Agentur in den USA, wo er mit seiner Familie lebt. Er wusste nichts von der Geburt der Tochter, die von der Mutter sofort nach der Geburt zur Adoption frei gegeben wurde.

Erstes Treffen entscheidend

Das erste Treffen mit ihrem Vater ist herzlich, Jennifer, ihr Mann und ihre Zwillinge fühlen sich sofort in seiner Familie willkommen. Michael hat weniger Glück, was vor allem seine Tochter betrübt, die sich sehr eine Oma wünscht. Der Hamburger wuchs selbst bei der Oma auf, die längst verstorben ist. An seine Eltern kann er sich kaum erinnern.

Seinen Vater fand er schnell, der wünscht keinen Kontakt und gibt keine Auskunft. . Die Suche nach der Mutter führt ihn in die Stasi-Unterlagenbehörde und nach Paris, wo Michaels Vater und dessen zweite Frau für den ostdeutschen Geheimdienst spionierten. In den sechziger Jahren flog er auf. Über die spektakuläre Enthüllung berichtete das französische Fernsehen ausführlich. Doch leider erweist sich die Theorie als falsch, Michaels Mutter könne dort mit einer zweiten Identität gelebt haben.

Seine Suche geht weiter, Jennifers endete im Happy End. Erprobte Zuschauer der Reihe wissen, dass das Zusammensetzen der einzelnen Puzzleteile nur für einen der beiden von Erfolg gekrönt sein wird. Michaels Enttäuschung über das vorläufige Dead End der Suche ist ebenso groß wie Jennifers Freude über die neuen Familienmitglieder.

Professionelle Hilfe führt zum Erfolg

Ohne professionelle Hilfe, das zeigt die Reportage, hätten weder Jennifer noch Michael die Geheimnisse ihrer Herkunft entschlüsselt. Sie brauchten die Unterstützung, weil die eigenen Bezugspersonen sich scheuten, die Leerstelle zu füllen oder sie überhaupt erst zu benennen.

Der Film konzentriert sich auf die Schilderung der Beweggründe für die Spurensuche und das langsame Herantasten an die Wahrheit, das mit vielen Rückschlägen verbunden ist. Die Mitarbeiter der Agenturen wissen um die psychischen Belastungen. Einfühlsam geben sie jede Nachricht weiter und bereiten ihre Klienten auf die Treffen mit den lang vermissten Verwandten vor. Die Hoffnungen und Sehnsüchte der Suchenden sind groß. Sie treffen oft auf Angehörige, die bewusst die Verbindungen kappten und denen es heute schwer fällt, sich dieser Entscheidung zu stellen. In diesem Spannungsfeld können die Agenturen vermitteln, aushalten müssen es aber die Betroffenen selbst.