„Eine Parade von Schwachköpfen“ – Kabarettist Werner Schneyder polarisiert bei „Hart aber Fair“

Zu Gast bei Moderator Frank Plasberg waren (v.l.n.r.) Matthias Wissmann, Werner Schneyder, Lina Van de Mars, Dorothee Bär und Stefan Wenzel. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

„Stadtverstopfer, Luftverpester: Muss das Auto an den Pranger?“ Diese Frage stellte Moderator Frank Plasberg bei „Hart aber Fair“ am Montag. Dabei entstand eine hitzige Diskussion, für die vor allem ein Studiogast verantwortlich war.

„Das war eine Parade von Schwachköpfen, die man hier gezeigt hat“, urteilte Werner Schneyder über eine Videoeinspielung, in der deutsche SUV-Fahrer befragt wurden. „Ich glaube, diese Leute vertreten eine Religion. Eine Religion, die über Jahrzehnte oktroyiert wurde – von der Industrie und den zugehörigen Werbeagenturen. Dass das Auto individuelle Freiheit bringt, dass das Auto ein Statussymbol ist, dass das Auto – wie man auch sagt, wie Waffen – eine gewisse Gerätschaft am Körper ersetzt. Das alles glaube ich nicht.“ Damit stieß Schneider auf Unverständnis und Gelächter in der Diskussionsrunde. „Absurd“, urteilte ehemalige Verkehrs-Staatssekretärin Dorothee Bär. Dass sich nach Schneyders Anti-SUV-Tirade Moderator Frank Plasberg dazu bekannte, einen SUV zu besitzen, nahm Schneider etwas den Wind aus den Segeln, nichtsdestotrotz blieb er bei seiner Polemik.

„Ich finde es ein bisschen putzig, wenn jemand, der in Wien wohnt, sagt, ich brauche kein Auto […]“, so Bär. Wenn man in Städten wie Wien oder Berlin wohne, sei ein Leben ohne Auto durchaus möglich, allerdings kritisierte sie Schneyder scharf dafür, den Individualverkehr generell zu verdammen. Es brauche zwei Drittel weniger Autos auf den Straßen, attestierte der Kabarettist – der mit seinen Theorien für Kopfschütteln sorgte: „Die Tatsache, dass die Deutsche Bundesbahn das mit Abstand mieseste Unternehmen auf diesem Gebiet ist, ist von der deutschen Autoindustrie verschuldet. „Ich habe verlässliche Informationen, dass über viele Jahre die Lobbyisten der Automobilindustrie die Emanzipation der Deutschen Bahn verhindert haben!“, so Schneyder.

Werner Schneyder (r.) sorgte für jede Menge Kontroversen, Matthias Wissmann gab sich diplomatisch. (Bild: WDR/Oliver Ziebe)

Der ehemalige Verkehrsminister und Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, der Autobauer Matthias Wissmann, sprach von einer sich ausbreitenden Anti-Auto-Religion. Obwohl er sich zum Benzinmotor bekannte („Der Verbrennungsmotor hat noch lange nicht ausgedient“), zeigte er sich diplomatisch: „Ich bin ein begeisterter Bahnfahrer und ich bin in Berlin mit dem Rad unterwegs“, so Wissmann. Dennoch solle man die Leute nicht bevormunden: „Wollen wir jetzt verordnen, was die Leute zu fahren haben?“ Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel zeigte sich indes überzeugt, dass sich Fahrverbote künftig nicht mehr verhindern lassen werden. Er selbst habe zwar einen Dienstwagen, lege aber den Großteil seiner Wege mit Rad und Bahn zurück.

Wenig überraschend auf der Pro-Auto-Seite, allerdings ohne wirklich substanzielle Argumente zeigte sich die Moderatorin und Ex-Motorsportlerin Lina van de Mars, die sich über Fahrräder echauffierte – schließlich verstellten (oder, um es in ihrem Wortlaut zu sagen, „vermüllten“) die Fahrradständer kostbare Autoparkplätze, die sie für ihren SUV braucht.

Nennenswerte Erkenntnisse oder einen Konsens gab es an diesem Abend nicht – dafür einen in Erinnerung bleibenden Werner Schneyder. Der plädierte selbstgefällig für die Bahn: „Wenn ich in meinem Railjet sitze, denke ich mir: Ich bin ein zivilisierter Mensch!“ – schaue man sich den Straßenverkehr an, könne man sich schließlich kaum noch als Homo sapiens bezeichnen.

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