Einsatzkräfte im Sudan gehen mit Tränengas gegen Demonstranten vor

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Brennender Reifen bei Demonstration in Omdurman (AFP/-) (-)

Die Proteste gegen die Militärführung im Sudan reißen nicht ab. Am Dienstag gingen erneut tausende Menschen in mehreren Städten des Landes auf die Straße, um für die Wiedereinsetzung einer zivilen Regierung zu demonstrieren. In der Hauptstadt Khartum setzten die Sicherheitskräfte nach Angaben von Augenzeugen Tränengas ein, um die Menge auseinanderzutreiben. Die USA und die EU warnten die Militärführung vor der "einseitigen" Ernennung eines neuen Regierungschefs.

Rund um den Präsidentenpalast und das Armeehauptquartier waren den Augenzeugen zufolge zahlreiche Soldaten und Polizisten sowie paramilitärische Einheiten stationiert. Die Demonstranten riefen "Nein zur Militärherrschaft" und forderten die Soldaten auf, in die Kasernen zurückzukehren.

Demonstranten im Osten Khartums verbrannten Autoreifen und errichteten Barrikaden aus Steinen, wie eine Augenzeugin berichtete. Auch in der an Khartum angrenzenden Stadt Omdurman sowie in Port Sudan und Nyala gingen Gegner der Militärführung auf die Straße.

Sudans oberster General Abdel Fattah al-Burhan hatte im Oktober den Ausnahmezustand verhängt und die Regierung abgesetzt, die nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Omar al-Baschir im April 2019 den Übergang zu demokratischen Wahlen hatte leiten sollen. Es folgten Massenproteste, al-Burhan setzte daraufhin Regierungschef Abdullah Hamdok wieder ein.

Am Sonntagabend erklärte Hamdok jedoch seinen Rücktritt. Er beklagte die "Zersplitterung der politischen Kräfte" in dem nordostafrikanischen Land und die Konflikte zwischen den militärischen und zivilen Teilen der Übergangsregierung. Trotz aller Anstrengungen sei deshalb ein politischer Konsens nicht zustande gekommen. Der Sudan habe einen "gefährlichen Wendepunkt überschritten, der sein Überleben bedroht".

Die USA, die Europäische Union, Großbritannien und Norwegen forderten in einer gemeinsamen Erklärung am Dienstag die sudanesische Armee auf, nicht einseitig einen neuen Regierungschef zu ernennen. Sie würden "keinen Ministerpräsidenten oder eine Regierung unterstützen, die ohne die Einbeziehung eines großen Gremiums ziviler Akteure ernannt wird". Die westlichen Staaten und die EU forderten einen "sofortigen Dialog unter Führung der Sudanesen und mit Hilfe der internationalen Gemeinschaft".

Die regelmäßigen Massendemonstrationen für eine Rückkehr zu einer zivilen Regierung im Sudan dauern seit Ende Oktober an, das Militär geht immer wieder gewaltsam dagegen vor. Nach Angaben eines Ärzte-Komitees wurden dabei bisher insgesamt 57 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt.

mkü/isd

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