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Tuchels Rückkehr zum BVB - wie es einst zum Bruch kam

Thomas Tuchel ist wieder da!

Exakt 994 Tage nach seiner Entlassung ist der Ex-BVB-Coach wieder in Dortmund. Am Montagmittag landeten Tuchel und sein Starensemble um kurz vor 13 Uhr mit der Maschine KLJ 3274 am Dortmunder Airport. Tuchel trug einen schwarzen Kapuzenpullover mit der roten Aufschrift "Paris".

Mit seiner Mannschaft bereitet sich der 46 Jahre alte Fußball-Trainer in diesen Stunden im Ruhrpott auf den Champions-League-Kracher gegen den BVB vor. Am Abend gibt der gebürtige Schwabe zunächst eine Pressekonferenz im Signal Iduna Park und wird anschließend mit seiner milliardenschweren Truppe das Abschlusstraining in seinem ehemaligen Wohnzimmer abhalten.

Das Achtelfinale zwischen dem BVB und Paris (Di. ab 21 Uhr im Liveticker) könnte man auch als Eiszeit-Gipfel bezeichnen. Schließlich ist das Verhältnis zwischen Tuchel und dem BVB bis heute unterkühlt.

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Watzke über Tuchel: "Zum Schluss wurde es etwas zäh"

In der Welt am Sonntag sagt Tuchel, der von 2015 bis 2017 in Dortmund Trainer war: "Für mich sind die Dinge aufgearbeitet und verarbeitet." Der Coach habe sich entschieden, sich "nicht in den Mittelpunkt der ganzen Geschichte zu stellen, sondern die Mannschaft gut vorzubereiten". Darüber hinaus sei das Spiel in seinen Augen keine Bühne, um das Geschehene und um alte Streitigkeiten aufzuarbeiten.

Dabei gebe es so viel aufzuklären. Im Mai 2017 wurde der durchaus erfolgreiche Thomas Tuchel nach zwei Jahren als BVB-Trainer entlassen. Der Coach qualifizierte sich mit dem BVB zwei Mal für die Champions League und gewann als Krönung seiner Amtszeit das DFB-Pokal-Finale gegen Frankfurt. Trotzdem musste er seinen Spind frühzeitig räumen.

Hauptgrund: Das zwischenzeitlich zerüttete Verhältnis zu den BVB-Bossen Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc. Watzke sagt jetzt bei DAZN: "Wir haben zwei Jahre gut zusammengearbeitet und zum Schluss wurde es etwas zäh. Wir werden sicherlich keine großen Freunde mehr im Leben. Aber das ist drei Jahre her. Er ist ein großartiger Trainer und wenn ich ihn sehe, werde ich ihn sicherlich begrüßen und ich denke, dass er das auch tun wird."

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"Zäh" - das ist von Watzke doch äußerst diplomatisch ausgedrückt. Es herrscht nämlich Funkstille zwischen Tuchel und den Schwarz-Gelben. Nicht mal eine SMS soll in den vergangenen anderthalb Jahren ausgetauscht worden sei.

Der Bruch zwischen Tuchel und den BVB-Bossen

Die Probleme häuften sich in der Vergangenheit. Den ersten Mega-Zoff gab es im Winter 2016. Tuchel überwarf sich mit dem damaligen BVB-Mastermind und Chefscout Sven Mislintat, der mittlerweile als Sportdirektor in Stuttgart arbeitet und im Verein ein riesiges Vertrauen genoss.

Auf Empfehlung Mislintats, der schon Robert Lewandowski entdeckt hatte, wollte der BVB damals den Spanier Oliver Torres von Atlético Madrid holen. Tuchel war allerdings nicht überzeugt, legte sein Veto ein. Es kam zum Streit. Tuchel verbannte Mislintat sogar vom Trainingsgelände. Eine Kommunikation zwischen den beiden Alphatieren gab es von nun an nicht mehr. Mislintat damals: "Wir alle zusammen hatten beschlossen, diesen Spieler zu holen. Die ganze Arbeit war erledigt, Oliver kämpfte für seinen Wechsel. Dann aber wollte ihn unser Trainer nicht mehr. Für mich war der 'Point of no Return' erreicht."

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Zum Bruch mit der Vereinsführung kam es im Sommer 2016, als wichtige Spieler wie Weltmeister Mats Hummels (Bayern), Ilkay Gündogan (ManCity) und Henrikh Mkhitaryan (Arsenal) abgegeben wurden. Tuchel sprach sich damals klar gegen die Abgänge aus, der BVB entschied allerdings aus wirtschaftlichen Aspekten. Tuchel musste die Abgänge ausbaden und ein neues Team mit jungen Spielern aufbauen. Das missfiel ihm. Watze sagte dazu: "Wir – Michael Zorc als Sportdirektor und ich – haben uns in dieser Zeit in der Zusammenarbeit mit dem Trainerteam auch aufgerieben."

Der verheerende Busanschlag und die Folgen

Zur endgültigen Abkehr kam es nach dem verheerenden Busanschlag am 11. April. Das Verhältnis zum Klub brach im Streit mit dem richtigen Umgang mit der Terrorattacke.

Tuchel prangerte öffentlich die Entscheidung der UEFA an, das Viertelfinal-Spiel gegen AS Monaco nachholen zu müssen. Tuchel nannte das "unmenschlich". Er sprach sich öffentlich gegen die Neuansetzung aus, verlor intern allerdings kein Wort darüber. Damit ließ er die Chefs, die der Neuansetzung aus Mangel an Alternativen zugestimmt hatten, auflaufen - der ultimative Vertrauensbruch.

Der Streit zog sich über Wochen und gipfelte letztlich in der Trennung. Tuchel, der zwischenzeitlich nur noch über Berater Olaf Meinking mit den BVB-Chefs kommunizierte, erklärte damals: "Ohne den Anschlag wäre ich heute noch BVB-Trainer."

Tuchels penible Art

Auch innerhalb der Mannschaft hatte Tuchel keinen Rückhalt mehr. Die Spieler waren von der teils peniblen Art des Kontrollfreaks genervt. Brisant: In Lukasz Piszczek, Roman Bürki, Marcel Schmelzer, Marco Reus, Mario Götze und Raphael Guerreiro hat der BVB immerhin noch sechs Profis im Kader, die unter Tuchel kickten.

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Nach dem Pokalsieg gegen Eintracht Frankfurt, an dem Nuri Sahin trotz guter Leistungen nicht mitwirken durfte, stellten sich der damalige Kapitän Marcel Schmelzer und Marco Reus gegen Tuchel: "Mich hat das sehr geschockt, weil ich es wirklich nicht verstehe", sagte Schmelzer damals über Sahins Ausbootung. "Wir stehen komplett hinter Nuri. Die Antwort muss der Trainer geben." Drei Tage später erhielt Tuchel nach einem 20-minütigen Gespräch im Teamhotel L’Arrivée, in dem der BVB im Übrigen am Abend vor dem PSG-Spiel nächtigen wird, von den Bossen die Kündigung.

Auch diesmal könnte der BVB wieder an einem Tuchel-Rauswurf beteiligt sein. Der Trainer steht bei Paris St. Germain extrem unter Druck. Französischen Medienberichten zufolge würde ein Königsklassen-Aus gegen Dortmund auch das Aus für Tuchel bedeuten. Watzke weiß das: "Gleichzeitig ist in Paris Druck auf dem Kessel. PSG und die Investoren aus Katar wollen mehr als das Achtelfinale erreichen. Wenn wir zwei gute Tage erwischen, haben wir eine Chance, Paris auszuschalten."

Es wäre auch das Ende für Tuchel.