Eklat bei Schwimm-WM: Horton verweigert Siegerfoto

Sportinformationsdienst
Nach dem doppelten Eklat um Chinas umstrittenen Schwimmstar Sun Yang hat der Weltverband FINA schärfere Regeln eingeführt und droht protestierenden Sportlern mit härteren Strafen - bis hin zum Entzug der Medaillen. "Wir wollen uns um Sport kümmern, nicht um Politik", sagte FINA-Generaldirektor Cornel Marculescu der französischen Nachrichtenagentur AFP.Eine neue Klausel in den Richtlinien für FINA-Wettbewerbe verlangt von Medaillengewinnern, "aktiv am gesamten Ablauf des Wettbewerbs inklusive der Siegerehrung teilzunehmen", verbunden mit der Warnung, dass sie ihre Medaillen zurückgeben müssten oder gesperrt werden könnten, wenn sie dagegen verstoßen sollten."Sie sollen strikt jedes anstößige und unangemessene Verhalten gegenüber den Offiziellen, den Konkurrenten, den Mannschaftskollegen und/oder den Zuschauern während des gesamten Ablaufs des Wettbewerbs vermeiden", heißt es weiter. "Jegliche politische, religiöse oder diskriminierende Äußerungen oder Verhaltensweisen" seien "strengstens verboten". Horton und Scott protestieren bei SiegerehrungDer Australier Mack Horton und der Brite Duncan Scott hatten nach den WM-Siegen des dopingvorbelasteten Sun über 400 und 200m Freistil dem Chinesen den Handschlag und das gemeinsame Foto der Medaillengewinner verweigert. Olympiasieger Horton blieb demonstrativ hinter dem Podest stehen, den drittplatzierten Scott brüllte Sun auf dem Podium an. Alle drei erhielten Verwarnungen von der FINA.Suns WM-Start ist höchst umstritten, weil der Dopingsünder von 2014 in eine neue Affäre verwickelt ist. Nach der WM droht dem 27-Jährigen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS eine nachträgliche Sperre. Einer seiner Gefolgsleute soll im Vorjahr eine Dopingprobe mit dem Hammer zerstört haben.Jetzt aktuelle Sportbekleidung bestellen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

Der geschlagene Australier Mack Horton hat bei der Schwimm-WM für einen Eklat gesorgt und seinen Protest gegen den höchst umstrittenen Weltmeister Sun Yang verschärft.


Bei der Siegerehrung nach dem Freistilfinale über 400 m verweigerte der  Olympiasieger dem dopingvorbelasteten Chinesen den Handschlag und das obligatorische Foto der Medaillengewinner. Während der Italiener Gabriele Detti auf dem Podest zu Sun hochstieg, blieb Horton stehen und blickte starr geradeaus.

Sun kritisiert Horton

"Es ist okay, wenn man mich persönlich nicht respektiert. Aber bei der Siegerehrung sollte man mein Land respektieren", kritisierte Sun hinterher. Doch Horton, der seinen Rivalen bei Olympia 2016 schon als "Doping-Betrüger" an den Pranger gestellt hatte, konnte einfach nicht anders: "Frust ist wahrscheinlich das richtige Wort. Ich denke, ihr wisst warum. Ihr wisst, wie unser Verhältnis ist. Seine Taten und wie mit ihnen umgegangen wird, sprechen lauter als alles, was ich es je sagen würde."

Dem dreimaligen Olympiasieger Sun droht im September vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS wegen einer womöglich mit dem Hammer zerstörten Probe eine nachträgliche Sperre. Vom Weltverband FINA, der Sun bei einem positiven Dopingtest 2014 mit einer Drei-Monats-Sperre äußerst milde hatte davonkommen lassen, sprach den knapp zwei Meter großen Athleten frei. Dagegen hatte die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA ("unglaublich und inakzeptabel") vor dem CAS Einspruch eingelegt. 

Berkhahn zeigt Verständnis

Der deutsche Teamchef Bernd Berkhahn konnte Hortons Verhalten "verstehen und nachvollziehen", so der Heimtrainer von Freiwasser-Weltmeister Florian Wellbrock: "Das fand ich nicht unfair oder unsportlich." Wellbrock, der im 800-m-Rennen am Dienstag auf Sun trifft, will das Thema ausblenden: "Da ist er für mich ein Wettkampfsportler wie jeder andere auch."


Dass Sun im Nambu University Municipal Aquatics Centre von vielen Zuschauern frenetisch gefeiert wurde, wollte Berkhahn nicht überbewerten: "Es sind viele chinesische Fans da, die sind sicher voreingenommen und sehen das etwas kritikfreier. Alle anderen waren sehr reserviert." Den Schwimm-"Bösewicht" Sun störte das nicht: "Nicht jeder mag mich, das ist mir egal."

Horton steht mit seiner Meinung zu Sun längst nicht alleine da. "Ich will nicht sehen, dass dieser Typ gegen meine Teamkollegen antritt, die extrem hart arbeiten, um hier zu sein", sagte der britische Weltrekordler Adam Peaty: "Ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch kein anderer will." Die amerikanische Olympiasiegerin Lilly King nannte den FINA-Freispruch "verrückt".