EM-Frust bei den Privaten: RTL zeigt das bessere Spiel, das ZDF hat die bessere Quote

Trainer Ralf Rangnick (Mitte) gelang mit seinen Österreichern gegen die Niederlande Historisches. In Deutschland interessierten sich aber mehr Fans für ein anderes Spiel. (Bild: 2024 Getty Images/Alex Livesey)
Trainer Ralf Rangnick (Mitte) gelang mit seinen Österreichern gegen die Niederlande Historisches. In Deutschland interessierten sich aber mehr Fans für ein anderes Spiel. (Bild: 2024 Getty Images/Alex Livesey)

Das sensationelle Gruppen-Finale der Österreicher war ein Höhepunkt der Fußball-Europameisterschaft. Eingeschaltet haben die Übertragung aber vergleichsweise wenige. Für den Sender RTL offenbart sich immer stärker ein Dilemma.

Die Fußball-Europameisterschaft ist für die übertragenden TV-Sender ein Quoten-Spektakel. Allerdings gilt das nicht für alle im gleichen Maße. Daran ablesen lassen sich interessante Erkenntnisse über die Gewohnheiten der Zuschauerinnen und Zuschauer. Allen voran diese: ARD und ZDF werden beim Sport offenbar immer noch viel leichter auf der Fernbedienung gesucht und gefunden als RTL. Und das weitgehend unabhängig von der Spielpaarung.

Den Beweis lieferte der frühe Dienstagabend. RTL durfte sich eigentlich freuen: Der Kölner Sender übertrug ab 18 Uhr die Begegnung Österreich gegen die Niederlande, während parallel im ZDF Frankreich gegen Polen aus derselben Vorrundengruppe gezeigt wurde.

Spannung, Brisanz und attraktiven Fußball versprach vor allem die erstere Partie, was sie dann auch einlöste. Nach einem dramatischen 3:2 für die Österreicher mit ihrem deutschen Trainer Ralf Rangnick und zahlreichen Bundesliga-Stars sprachen manche Beobachter vom bis dato besten Spiel der EM. Der RTL-Reporter Wolff-Christoph Fuss kommentierte speziell die spannende Schlussphase schier atemlos.

Kylian Mbappé spielt seit seinem Nasenbeinbruch mit Maske. Am Dienstag behielt er bei seinem Elfmetertor dennoch den Durchblick. Das ZDF übertrug live. (Bild: 2024 Getty Images/Dean Mouhtaropoulos)
Kylian Mbappé spielt seit seinem Nasenbeinbruch mit Maske. Am Dienstag behielt er bei seinem Elfmetertor dennoch den Durchblick. Das ZDF übertrug live. (Bild: 2024 Getty Images/Dean Mouhtaropoulos)

Für umso mehr Ernüchterung in Köln dürfte das Ergebnis der Quotenanalyse am Mittwochmorgen gesorgt haben. Nur 2,69 Millionen Fußball-Fans verfolgten die erste Halbzeit Niederlande gegen Österreich. In der zweiten Halbzeit steigerte sich die Reichweite auf 3,88 Millionen. Das sorgte - natürlich - für klar überdurchschnittliche Marktanteile von 18,5 respektive 19,3 Prozent. Deutlich besser schnitt allerdings zeitgleich das ZDF ab.

Für das eher wenig aufregende 1:1 der Franzosen gegen Polen interessierten sich ebenfalls ab 18 Uhr fast fünf Millionen Menschen. Das ZDF erreichte einen hervorragenden Marktanteil von 28,4 Prozent. Ohne direkte RTL-Konkurrenz lief es für die Mainzer ab 21 Uhr noch besser: 11,28 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer sahen die Partie England gegen Serbien. Der Marktanteil: überragende 46,8 Prozent. Und das bei einem 0:0, das beim gesamten ZDF-Team rund um die Experten Christoph Kramer und Per Mertesacker scharfe Langeweile-Kritik hervorrief.

Noch krasser war die Diskrepanz zwischen öffentlich-rechtlichem und privatem Anbieter am Montagabend. 11,09 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern sahen ab 21 Uhr Italien gegen Kroatien im ZDF, nur 1,3 Millionen Fans entschieden sich bei RTL für die parallel laufende Begegnung Spanien gegen Albanien. Die Spanier hatten bereits vorher als Gruppensieger festgestanden.

Auf keinen grünen Zweig kommt derweil das tägliche 20.15-Uhr-Magazin "Das RTL-EM-Studio" mit Moderator Elton. Am Dienstag verzeichnete die Sendung mit 1,16 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern erneut nur eine maue Quote (7,8 Prozent Marktanteil).