EMA empfiehlt bedingte Zulassung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca

·Lesedauer: 2 Min.
Astrazeneca-Impfstoff

Die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) hat grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca in der EU gegeben. Sie empfehle die bedingte Marktzulassung des Vakzins des britisch-schwedischen Konzerns zur Verimpfung an alle Menschen ab 18 Jahren, erklärte die EU-Behörde am Freitag. Sie gab den Impfstoff damit auch für ältere Menschen frei, obwohl es zuvor Zweifel an der Wirksamkeit des Präparats bei diesen gegeben hatte.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides kündigte nach dem grünen Licht durch die EMA eine schnelle Zulassung für den Astrazeneca-Impfstoff durch die EU-Kommission an. "Wir sind bereit, um zusammenzuarbeiten und Lösungen zu finden, um den Bürgern so schnell wie möglich Zugang zu weiteren Impfungen zu geben", schrieb sie im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Die EU-Kommission und Astrazeneca befinden sich derzeit in einem heftigen Streit über angekündigte Verzögerungen bei der Auslieferung der Impfstoffdosen an die EU. Bereits vor Monaten hat die EU sich vertraglich 300 Millionen Dosen des Astrazeneca-Impfstoffs gesichert und eine Option auf weitere 100 Millionen Impfdosen ausgehandelt.

Lesen Sie auch: Mehr als 14.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Vor einer Woche hatte Astrazeneca dann jedoch mitgeteilt, dass das Unternehmen der EU zunächst deutlich weniger Corona-Impfdosen liefern könne als vorgesehen - ein EU-Sprecher sprach von einer Verringerung um 75 Prozent im ersten Quartal. Grund sind laut Astrazeneca Probleme in einem belgischen Werk. Die EU dringt auf die Einhaltung der Verträge. Um den Druck auf Astrazeneca zu erhöhen, veröffentlichte die EU-Kommission am Freitag eine redigierte Fassung des Liefervertrags.

Bei dem Astrazeneca-Vakzin handelt es sich anders als bei den bereits in der EU zugelassenen Präparaten von Biontech/Pfizer und Moderna um einen sogenannten Vektorviren-Impfstoff. Das bedeutet, dass ein relativ harmloses Erkältungsvirus, das normalerweise Schimpansen befällt, durch den Einbau des sogenannten Spike-Proteins des Coronavirus genetisch verändert wird. Nach Angaben der Entwickler ist das Astrazeneca-Vakzin durchschnittlich zu mindestens 70 Prozent wirksam.

Lesen Sie auch: WHO-Experten treffen Behördenmitarbeiter in Wuhan

Für die Wirksamkeit des Vakzins bei Menschen ab 65 Jahren hat Astrazeneca in seinen klinischen Tests nur wenige Daten erhoben. Deshalb soll es bei einer Zulassung in Deutschland voraussichtlich nur an Menschen unter 65 Jahren verabreicht werden. In einem am Donnerstag bekannt gewordenen Entwurf der Ständigen-Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Instituts hieß es, das Astrazeneca-Präparat solle "nur den Personen angeboten werden, die 18-64 Jahre alt" sind.

Die EMA erklärte am Freitag, ihre wissenschaftlichen Experten seien der Ansicht, dass "der Impfstoff bei älteren Erwachsenen angewandt werden" könne. Weitere Daten zur Wirksamkeit des Impfstoffs würden im Rahmen der laufenden Studien erwartet, "die einen höheren Anteil an älteren Teilnehmern haben".

isd/muk

Im Video: Corona: Impfbereitschaft der Deutschen nimmt deutlich zu