Energiereiche Strahlung tötet das neuartige Coronavirus ab

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Labortests haben jetzt gezeigt: Mit kurzwelliger und energiereicher Strahlung kann das neuartige Coronavirus auf Oberflächen und in der Atemluft abgetötet werden.

UVC-Licht, wie von dieser Lampe, kann das neuartige Coronavirus abtöten (Symbolbild: Getty Images)
UVC-Licht, wie von dieser Lampe, kann das neuartige Coronavirus abtöten (Symbolbild: Getty Images)

Am Institut für Medizinische Virologie des Universitätsklinikums Frankfurt haben Versuche bestätigt, wie SARS-CoV-2-Viren auf Oberflächen und sogar in der Luft abgetötet werden können: mithilfe kurzwelliger und energiereicher Strahlung. Die Ergebnisse, die von Expertinnen und Experten erwartet und nun bestätigt worden waren, zeigen eine Möglichkeit auf, zukünftig und für besondere Anwendungsbereiche das Infektionsrisiko mit dem neuartigen Coronavirus zu verringern.

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In Auftrag gegeben hat die Versuche die Dr. Hönle AG, ein Unternehmen aus dem bayerischen Gräfelfing. Es ist auf industrielle UV-Technologie spezialisiert. Die Geräte, die nun im Frankfurter Labor gegen das neuartige Coronavirus eingesetzt wurden, kommen auch bereits zur Entkeimung der Luft und von Oberflächen zum Einsatz. In einer Pressemitteilung beschreibt das Unternehmen die Einsatzbereiche wie folgt:

„Sie reichen von der Entkeimung von Schutzausrüstung und Laborutensilien in Labor und Praxis, Keycards, Schlüsseln oder Geldkarte und Bargeld in Hotellerie und Gastronomie.“ Möglich sei auch das Entkeimen von Büchern und Lehrmitteln an Schulen und Bibliotheken, von Smartphones oder Tablets.

Hohe Abtötungsrate und kurze Abtötungszeit

Die Geräte der Dr. Hönle AG sehen dabei, je nach Zweck, anders aus: Es gibt einen „hochintensiven UV-Handstrahler“, der einer Taschenlampe ähnelt, aber auch eine kleine Desinfektionskammer – in etwa so groß wie eine Mikrowelle. Für die Atemluft gibt es zudem ein röhrenförmiges Umluftdesinfektionsgerät, das Luft umwälzen und zeitgleich Viren abtöten kann.

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Im Labortest haben einige der Geräte nun gezeigt, dass sie auch beim neuartigen Coronavirus innerhalb weniger Sekunden eine Abtötungsrate von 99,99 Prozent erzielen. Ausgestattet waren sie mit sogenannten UVC-Entladungslampen und UV-LED-Lampen. Abtötungsrate und Abtötungszeit, so schreibt es das Unternehmen, seien „konstant reduzierbar gewesen“. Wie der Münchner Merkur, der zuerst über die Laborergebnisse berichtet hat, schreibt, sind noch weitere Tests geplant.

Oberflächen- und Luftentkeimung: Bringt das was?

Regelmäßige Entkeimung von Oberflächen und der Luft mithilfe von Strahlung kann das Infektionsrisiko mit dem neuartigen Coronavirus senken. Zwar ist noch nicht geklärt, wie häufig das Virus die bekannten Übertragungswege genau nutzt – klar ist aber, dass Kontaktinfektionen über Oberflächen und Aerosole in der Luft wichtige Rollen spielen. Im regelmäßigen „Coronavirus-Update“, dem Podcast des NDR mit dem Chef-Virologen der Charité Berlin Christian Drosten, erklärt der Experte, dass am Anfang der Pandemie vor allem die Tröpfcheninfektion im Fokus der Untersuchungen stand. Drosten sagt:

„Das sind kleine Tröpfchen, die man beim Husten oder auch beim Sprechen von sich gibt. Die haben eine Größe von mehr als fünf Mikrometern – ein Mikrometer ist ein Tausendstel Millimeter. Die fallen in einem Abstand von ungefähr einem bis anderthalb Meter zu Boden. Sie können also nur von jemandem aufgenommen werden, der nah an einem dran ist. Daher die Überlegung zu den Abstandsregeln, dass Tische einen bestimmten Abstand voneinander haben oder dass die Gläubigen in Kirchen auf Lücke sitzen.“

Gegen diese Art der Übertragung helfen UV-Strahler nicht, da sie für Menschen hochgefährlich sind. Anders jedoch bei Kontaktinfektionen und beim Aerosol. Aerosole, das sind laut Drosten ebenfalls Flüssigkeitströpfchen, die auch beim Ausatmen, Sprechen und Husten entstehen, aber kleiner als fünf Mikrometer sind. Er sagt:

„Solche Partikel sinken nicht so leicht, sondern bleiben zum Teil lange in der Luft stehen. In diesen feinen Aerosol-Partikeln können infektiöse Viren sein. Und die Infektiosität kann tatsächlich für mehrere Stunden bleiben.“

Insgesamt gewichtet der Experte, basierend auf der derzeitigen Studienlage, die Infektionswege wie folgt:

„Wenn ich das alles zusammenfasse, dann ist mein Bauchgefühl: Fast die Hälfte der Übertragung ist Aerosol, fast die andere Hälfte der Übertragung ist Tröpfchen und vielleicht zehn Prozent der Übertragung ist Schmierinfektion oder Kontaktinfektion. Wenn man sagt, irgendetwas klebt an den Händen.“

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