England gegen Niederlande - Hooligans und ein umstrittener Schiri überschatten Halbfinale der Euro 2024

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picture alliance / SZ Photo | Horstmüller

Beim Halbfinale der Euro 2024 treffen England und die Niederlande in Dortmund aufeinander – und die Spannung ist hoch. Vor 36 Jahren sorgten bei dieser Paarung englische Hooligans für jede Menge Ärger. Heute steht der umstrittene deutsche Schiedsrichter Felix Zwayer im Fokus.

Als England zuletzt in einer Europameisterschaft in Deutschland auf die Niederlande traf, stand nicht nur die Zukunft des englischen Fußballs, sondern auch das internationale Ansehen des Landes auf dem Spiel. Der „Telegraph“ erinnert an den Skandal vom 15. Juni 1988 in Düsseldorf. Am selben Ort, an dem Gareth Southgates Mannschaft kürzlich die Schweiz im Elfmeterschießen besiegte, zerstörte der großartige Marco van Basten die englische Mannschaft mit drei aufeinanderfolgenden Toren. England war nach zwei Niederlagen aus dem Turnier ausgeschieden.

„Schlimmer als Tiere“: Schwerwiegende Folgen für das Team

Doch während das Team auf dem Platz kämpfte, entfaltete sich auf den Straßen von Düsseldorf ein weitaus tieferes Problem. Hunderte englischer Hooligans kämpften über zwei Nächte hinweg mit der westdeutschen Polizei, niederländischen Fans und Einheimischen. Der Telegraph berichtet, dass der Aufruhr am Hauptbahnhof der Stadt so gewaltig war, dass der damalige britische Innenminister Douglas Hurd gezwungen war, sich bei seinem westdeutschen Amtskollegen Hans Neusel zu entschuldigen. Der damalige Sportminister Colin Moynihan beschrieb die Hooligans als „schlimmer als Tiere“.

Die Probleme nahmen ein solches Ausmaß an, dass die FA ihre geplante Berufung gegen das UEFA-Verbot für englische Vereine in europäischen Wettbewerben nach der Heysel-Katastrophe von 1985 aufgeben musste. Margaret Thatcher, die damalige Premierministerin, lud Hurd und Moynihan zu einem „Gipfeltreffen“ zum Thema Hooliganismus nach London ein. Es gab Berichte über betrunkene englische Hooligans, die in Stuttgart Nazi-Grüße zeigten, nachdem die Mannschaft von Bobby Robson ihr erstes Euro 88-Spiel gegen die Republik Irland verloren hatte. Besonders entsetzlich war der Angriff auf einen US-Serviceman und die Messerstecherei an einem ägyptischstämmigen Taxifahrer, berichtet der „Telegraph“.

Die Entscheidung lautete, dass Freundschaftsspiele außerhalb der Qualifikationsspiele in Europa nicht mehr in Frage kommen. Freundschaftsspiele konnten nur noch in Wembley oder in Ländern, in denen gewalttätige englische Fans nicht reisen konnten, organisiert werden – ausgewählt wurden hierfür die Sowjetunion oder Südamerika. Ein geplantes Freundschaftsspiel gegen Italien in Turin im September 1988 wurde daraufhin abgesagt.

Vorwürfe um Felix Zwayer

Getty Images/ Carl Recine/ Staff

Im Vorfeld des Halbfinals bei der Euro 2024, sorgt die Entscheidung der UEFA, den deutschen Schiedsrichter Felix Zwayer zu nominieren, für Aufsehen. Zwayer wurde 2005 wegen eines Manipulationsskandal suspendiert. Dieser wird, trotz einer Vorgeschichte mit Jude Bellingham, das Spiel leiten, berichtet „The Mirror“. Bellingham erhielt eine Geldstrafe von 43.000 Dollar für seine Aussagen über Zwayer nach einer umstrittenen Entscheidung in einem Spiel zwischen Borussia Dortmund und Bayern München im Jahr 2021. „Man gibt einem Schiedsrichter, der schon einmal Spielmanipulationen begangen hat, das größte Spiel in Deutschland – was erwarten Sie?“, sagte Bellingham damals frustriert.

Der norwegische TV-Journalist Jan Aage Fjortoft, der das damals aufsehenerregende Interview führte, äußerte sich kritisch zur Entscheidung der UEFA. „Ich bin mir nicht sicher, was die UEFA sich dabei denkt, Zwayer für das England-Spiel zu nominieren“, sagte Fjortoft.