Enkelmord-Prozess: Vier Jahre Jugendstrafe für 17-Jährigen

Landau (dapd). Acht Monate nach dem Überfall einer Jugendbande auf ein Weingut im pfälzischen Ranschbach, bei dem ein 17-Jähriger getötet wurde, sind am Freitag die ersten Beschuldigten zu Jugendstrafen verurteilt worden. Ein 17-jähriger Angeklagter muss nach dem Urteil des Landgerichts Landau wegen schwerer räuberischer Erpressung für vier Jahre in Haft. Sein 18-jähriger Komplize, der Schmiere gestanden hatte, erhielt eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Außerdem muss er 400 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten.

Bei dem Überfall auf das Weingut im November vergangenen Jahres war der 17-jährige Enkel des Winzers durch Messerstiche getötet worden, als er seinem Großvater zur Hilfe kommen wollte. Der ebenfalls 17-jährige mutmaßliche Haupttäter war erst vor Kurzem aus dem Libanon ausgeliefert worden und wird sich in einem separaten Prozess in einigen Monaten verantworten müssen. Im aktuellen Prozess hatte er als Zeuge ausgesagt und die Tat gestanden.

Das Verfahren gegen den mit 21 Jahren ältesten Angeklagten war am Dienstag vom aktuellen Prozess abgetrennt worden, weil zunächst ein psychologisches Gutachten abgewartet werden muss. Dieses Verfahren wird voraussichtlich am 13. August fortgesetzt.

Gericht bleibt mit Urteilen unter Forderung der Anklage

Mit dem am Freitag ergangenen ersten Urteilen in dem Fall blieb das Gericht unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft zurück, die eine Jugendstrafe von fünf Jahren wegen schwerer räuberischer Erpressung mit Todesfolge für den 17-Jährigen und eine Jugendstrafe von drei Jahren für den 18-Jährigen gefordert hatte. Nach Überzeugung des Gerichts hatten die Angeklagten nicht geplant, dass bei ihrem Überfall auch Menschen zu Schaden kommen.

Zwar sei das Quartett mit diversen Waffen wie einem Baseballschläger, einer Gaspistole und dem Tatmesser zu dem Weingut gefahren, sagte der Vorsitzende Richter Helmut Kuhs in seiner Urteilsbegründung. Der Überfall sei dann aber so dilettantisch ausgeführt worden, dass von einem vorsätzlichen Handeln mit Blick auf den Tod des Opfers nicht ausgegangen werden könne.

Das Motiv für den Überfall blieb nach Auffassung des Gerichts letztlich unklar, obwohl der Auslöser für die Tat das Gerücht war, der Winzer habe 60.000 Euro in bar zuhause. Das allein reiche als Erklärung aber nicht aus. Schließlich seien beide Angeklagte strafrechtlich bis dato kaum aufgefallen, stammten aus bürgerlichen Familien und hätten sich in einer beruflichen Ausbildung befunden. Auch der Aspekt der Gruppendynamik könne die Tat nur zu einem gewissen Teil erklären.

Urteil noch nicht rechtskräftig

Mit Blick auf den älteren, zu einer Bewährungsstrafe verurteilten Jugendlichen sagte der Richter, dieser habe während der Tat immerhin bewiesen, dass seine "Alarmglocken" noch funktionieren. Er hatte sich von dem Gelände entfernt, als es sich abzeichnete, dass das Eindringen in das Weingut die Bewohner aufgrund des Lärms aufschrecken könnte.

Der 17-Jährige war dagegen dabei gewesen, als der gleichaltrige mutmaßliche Haupttäter mit dem Messer zustach. Der Verteidiger des Jugendlichen zeigte sich deshalb auch grundsätzlich froh darüber, dass im Urteil gegen seinen Mandanten der Vorwurf der Todesfolge fallen gelassen wurde. Eine Revision will der Verteidiger dennoch prüfen, wie auch Staatsanwaltschaft und Nebenklage.

dapd