Entführer der nigerianischen "Chibok-Mädchen" zu 15 Jahren Haft verurteilt

Im Nordosten Nigerias hat die Islamistengruppe Boko Haram nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef seit 2013 mehr als tausend Kinder entführt. Darunter sind auch die 276 Mädchen, die am 14. April 2014 aus einer Schule in Chibok verschleppt wurden

Ein 35-jähriger Mann ist in Nigeria wegen seiner Beteiligung an der Entführung von 276 Schülerinnen zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Angeklagte Haruna Yahaya habe zugegeben, im April 2014 an dem Kidnapping der "Chibok-Mädchen" beteiligt gewesen zu sein, teilte das nigerianische Justizministerium am Dienstag mit. Es ist das erste Gerichtsurteil in Verbindung mit der Massenentführung durch die Islamistengruppe Boko Haram.

Yahaya sei 2015 von der nigerianischen Armee-Spezialeinheit JTF festgenommen worden, sagte Ministeriumssprecher Salihu Isah. Der Anwalt des körperlich behinderten Yahaya hatte um eine mildes Urteil gebeten, da sein Klient der Gruppe unter Zwang beigetreten und zu den Taten genötigt worden sei. Das Sondergericht auf der Militärbasis in Kainji im Nordwesten Nigerias folgte dieser Argumentation jedoch nicht.

Die nigerianische Justiz führt seit Oktober Prozesse gegen Aufständische im Norden des Landes. Von den ursprünglich 1669 mutmaßlichen Boko-Haram-Kämpfern in Kainji wurden inzwischen 468 wieder freigelassen. 45 weitere wurden zu Gefängnisstrafen zwischen zwei und 15 Jahren verurteilt. Sobald alle Fälle in Kainji abgearbeitet sind, soll 651 weiteren mutmaßlichen Dschihadisten der Prozess gemacht werden.

Die Entführung der Mädchen am 14. April 2014 aus einer Schule in Chibok im Nordosten Nigerias hatte weltweit für Empörung gesorgt. Seitdem konnten 164 der Mädchen fliehen oder wurden freigelassen. In dem seit neun Jahren andauernden Konflikt zwischen Nigerias Regierung und den Islamisten von Boko Haram wurden mindestens 20.000 Menschen getötet und 2,6 Millionen vertrieben.

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