Entscheidung Benedikts stößt auf Anerkennung und Respekt

Düsseldorf/Rom (dapd-nrw). Mit Überraschung, aber auch Anerkennung und Respekt haben Kirchenvertreter und Politiker in Nordrhein-Westfalen auf die Entscheidung des Papstes Benedikt XVI. reagiert, zum 28. Februar aus seinem Amt ausscheiden zu wollen. Zugleich lobten viele das Oberhaupt der katholischen Kirche für seine Amtsführung der vergangenen Jahre.

Kraft lobt "mutigen Schritt"

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bezeichnete die Entscheidung von Benedikt als "mutigen Schritt". Sie wünsche ihm "alles Gute und der katholischen Kirche, dass sie bei der Nachfolge schnell eine gute Entscheidung treffen wird, denn sie steht vor großen Herausforderungen".

Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Sylvia Löhrmann (Grüne), die auch Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken ist, erklärte: "Die Begründung von Papst Benedikt, dass ihm die Kraft fehle, das Amt angemessen auszuüben, zeugt von einem besonders verantwortungsvollen Amtsverständnis". Nach Ansicht von CDU-Landeschef Armin Laschet nötigt die Entscheidung des 85-jährigen Kirchenoberhaupts den "allerhöchsten Respekt" ab. Dies "habe seit fast 700 Jahren kein Papst so gesagt und für sich so entschieden."

Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner erklärte, ihn habe die "tiefe Sammlung und Gebetsversunkenheit" des Papstes stets beeindruckt. Vor allem der Besuch des Pontifex beim Weltjugendtag 2005 in Köln bleibe "unvergessen". Der Bischof von Münster, Felix Genn, betonte, dem Papst sei es in seiner Amtsführung vor allem darum gegangen, "die Botschaft der Liebe Gottes den Menschen unserer Zeit zu verkünden und nahe zu bringen".

Der Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker würdigte Benedikt XVI. für "seinen beispielhaften Dienst in der Kirche unserer Zeit". Der Papst sei einer der "bedeutendsten Intellektuellen unserer Zeit". Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck erklärte, Benedikt habe dem Amt "einen unverwechselbaren Stempel aufgedrückt". Der Dialog mit den verschiedenen Kräften und Strömungen der Zeit sei ihm "eine Herzensangelegenheit" gewesen.

Auch die Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, bescheinigte dem Papst, er habe "Profil gezeigt". Der Präses der rheinischen Landeskirche und Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, wünschte dem Papst "erfüllte Jahre, die er ohne die Bürde des Amtes verleben möge".

Kritik von Ranke-Heinemann

Kritik kam dagegen von der Theologin Uta Ranke-Heinemann. In einem Interview mit den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Dienstagausgaben) kritisierte sie die Sexuallehre der katholischen Kirche und die Tatsache, dass der Papst Kondome nur für männliche Prostituierte erlaubt. Zudem missfalle ihr der "Wahn von einem Männerbiotop im Vatikan, das unter Ratzinger verstärkt wurde". Ranke-Heinemann hatte in den 50er-Jahren zusammen mit Joseph Ratzinger in München Theologie studiert.

Der Münsteraner Theologe und Sozialethiker Karl Gabriel erwartet auch unter einem neuen Papst keinen kirchenpolitischen Kurswechsel. "Das Konklave dürfte einen Italiener oder einen Nicht-Europäer zum Nachfolger machen. Dass ein weiterer nicht-italienischer Europäer zum Papst gewählt wird, halte ich für unwahrscheinlich", sagte der Wissenschaftler des Exzellenzclusters "Religion und Politik" der Uni Münster. Daher werde es wohl auch nach dem überraschenden Amtsverzicht von Benedikt XVI. keine gravierenden kirchenpolitischen Reformen geben.

dapd

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