"Wem gehört das Meer?": Doku zeigt fatale Folgen des Ocean Grabbing

Katharina Dockhorn
Freie Autorin
Der traditionelle Fischfang an der Küste Sri Lankas ist durch Hotelbauten bedroht. Foto: Kick Film

Die Meere sind bedroht und mit ihnen eines der ältesten Gewerbe in der Geschichte der Menschheit. 120 Millionen Menschen leben heute vom Fischfang, die Hälfte wirft die Netze in küstennahen Gewässern aus. Das traditionelle Handwerk wird durch die Verschmutzung der Gewässer, Verdrängung durch Tourismus oder strenge Umweltauflagen zurückgedrängt. Das zeigen Beispiele aus Indien, Sri Lanka und Costa Rica in dem Arte-Dokufilm „Wem gehört das Meer? Ocean Grabbing – die neue Meeresordnung“ von Matthias Heeder und Monika Hielscher.

Für die Betroffenen ist es schwer, sich gegen die Veränderungen zu wehren. Langwierige juristische Auseinandersetzungen mit den eigenen Regierungen und den Investoren, die oft aus den westlichen Industriestaaten stammen, können sie sich kaum leisten. Trotzdem verklagten die Bewohner eines Dorfes an der indischen Westküste die Weltbank. Sie hatte Kredite für ein Kohle-Großkraftwerk des Tata-Konzerns genehmigt, dessen Abwässer das Meer erwärmen und die Fischgründe schädigen.

In Sri Lanka erstritten die einstigen Besitzer eine Entschädigung für den Raub des Landes, das ihre Vorfahren einst gerodet hatten. Die illegal errichteten Luxushotels blieben aber stehen. In Costa Rica erreichten die Bewohner des Schutzgebiets von Barra del Colorado mit ihren Protesten einen Dialog mit der Regierung, um die strengen Schutzmaßnahmen zum Erhalt der ökologischen Vielfalt im maritimen Schutzgebiet zu Gunsten der Fischer zu lockern. Die Menschen als Teil eines seit Jahrhunderten bestehenden Biotops wollen nicht vertrieben werden.

Lokaler Emissionshandel stärkt die Dorfgemeinden

Zugleich haben viele Gemeinden in Afrika, Asien und den Staaten im Pazifik keinen Zugang zu den weltweiten Programmen zum Schutz der Umwelt wie dem Emissionshandel. Ein positives Gegenbeispiel fanden die Filmemacher in Kenia. Dort bauen die Bewohner eines Dorfes Mangroven an. Die Bäume speichern Kohlendioxyd, der Wald ist ein idealer Laichplatz für Fische. Der Profit der Zertifikate wird in die Ausstattung der Schule, die Gesundheitsvorsorge sowie die Wasser- und Stromversorgung investiert. Die Menschen merken, dass das Holz zu wertvoll ist, um es zu verheizen.

Der Film bleibt sehr dicht an den Fischern, ihren Familien und deren Schicksal. Die Einordnung in die großen gesellschaftlichen Diskussionen überlassen die Regisseure dem Zuschauer. Die von ihnen gewählten Beispiele zeigen aber eindrucksvoll die Kehrseite der seit Jahrzehnten von den westlichen Staaten diktierten Regeln des profitorientierten, privatwirtschaftlichen Wachstums, die ohne Rücksicht auf ökologische Folgen und die Menschen vor Ort in den Entwicklungsländern durchgesetzt werden. Und wie gut es andererseits funktioniert, wenn engagierte Menschen vor Ort den Emissionshandel und das Schicksal ihrer Gemeinden selbst in die Hand nehmen. Bei ihnen kann nachhaltige Entwicklungshilfe ansetzen.