Zum "Equal Pay Day" - Frauen, wir müssen reden – über Geld!

Anja Perkuhn/Daniel von Loeper

Im Freistaat bekommen Frauen noch weniger Lohn als im Durchschnitt Deutschlands. Die AZ will von Münchnerinnen wissen, was frau da tun kann.

München - Es ist ein symbolträchtiger Tag, dieser 18. März: Bis zu diesem Tag müssten Frauen in Deutschland über das vergangene Jahr hinaus arbeiten, um genau so viel Geld zu verdienen, wie ein Mann im selben Beruf in nur 365 Tagen.

Es ist der "Equal Pay Day", der "Tag für gleiche Bezahlung". Seit zehn Jahren machen Menschen (vor allem Frauen) an diesem Tag auf den Missstand der Gehälter-Ungerechtigkeit aufmerksam.

Bei 21 Prozent liegt der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied – beim durchschnittlichen Brutto-Stundenverdienst macht das einen Unterschied aus von 4,45 Euro. 2006 lag die Differenz bei 23 Prozent. "Eine magere Verbesserung", sagt die Frauensekretärin von ver.di Bayern, Bettina Messinger. In Bayern verdienen Frauen sogar durchschnittlich 24 Prozent weniger.

Das sind die Hauptgründe für den Lohnunterschied

Die traditionelle Aufgabenteilung in der Familie, die Wahl von sogenannten typischen und geringer bezahlten Frauenberufen, die niedrige Quote von Frauen in Führungspositionen, die Unterbrechung von Berufsverhältnissen wegen Kinderbetreuung oder Pflege sind Hauptgründe für den Lohnunterschied.

Aber auch wenn man dies alles berücksichtigt, bekommen Frauen bei gleicher Qualifikation und sonstigen gleichen Merkmalen sieben Prozent weniger als Männer. Darum haben wir mit starken Münchnerinnen darüber gesprochen, was frau da tun kann.

Friederike Sturm, Präsidentin von Lotto Bayern:

"Als bayerische Beamtin betrifft mich das Thema ungleiche Bezahlung von Männern und Frauen nicht persönlich. Im öffentlichen Dienst ist die gleiche Bezahlung schon seit jeher verwirklicht. Für gleiche Positionen gibt es dieselbe Bezahlung. Ich empfinde das als gerecht. Die Forderung nach gleicher Bezahlung ist daher notwendig. Solange eine Gerechtigkeitslücke in anderen Bereichen besteht, sollte frau sich einfach überlegen, in den öffentlichen Dienst einzusteigen."

Kristina Frank, Richterin und CSU-Stadträtin:

Foto: privat

"Schon das Sprichwort, man müsse ,seinen Mann stehen’, zeigt, dass viele in der Arbeitswelt geforderte Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen, Tatendrang und Flexibilität nach wie vor mit dem männlichen Geschlecht verbunden werden. Frauen treten nach der Familiengründung häufig kürzer – und müssen plötzlich auf zwei Hochzeiten tanzen.

Als Familienmanagerin sind viele von uns eingeschränkter, deshalb aber nicht weniger engagiert und interessiert. Zeigen wir, dass es nicht nur darauf ankommt, bis in die Abendstunden im Büro zu sitzen, sondern darauf, was wir in knapper Zeit leisten können! Stellen wir unsere Qualitäten heraus, networken wir ohne Ende und machen wir uns unentbehrlich.

Männer genieren sich nicht, ihre Trümpfe auszuspielen. Auch wir müssen auf unsere typisch weiblichen Qualitäten stolz sein – und sie zielgerichtet einsetzen. Denn das Geschlecht darf bei der Entlohnung im 21. Jahrhundert in Deutschland keinen Unterschied machen!"

Laura Lammel, Geschäftsführerin von Lammel Bau und stellv. Obermeisterin der Bauinnung München:

"Wenn Frauen in meinem Betrieb die gleiche Leistung bringen wie Männer, werden sie natürlich genau so behandelt: gleiche Qualifikation, gleicher Aufgabenbereich – gleiche Bezahlung. Frauen sind ja unsere Säule im Mittelstand, ohne die könnten wir einpacken! Die kümmern sich um die Kinder, haben einen halben bis dreiviertel Job in der Firma und arbeiten da in einem ganz anderen Tempo.

Als Geschäftsführerin unserer Firma muss ich mich inzwischen nicht mehr ständig beweisen. Der Weg nach oben ist für Frauen härter, man wird mehr getestet, kritisch beäugt und muss mehr leisten – aber wenn man nach oben will, darf man nicht jammern. Dann muss man dafür hart arbeiten. Es ist natürlich auch okay, wenn eine Frau sich für einen anderen Weg entscheidet. Wer voll einsteigen will, muss aber in seinem Leben die Konsequenzen ziehen. Das gilt heutzutage immer noch mehr für Frauen als für Männer. Als Geschäftsführerin verhandle ich das Gehalt immer mit einer Person. Da ziehe ich niemanden über den Tisch, vor allem nicht, weil sie weiblich sind. Eher im Gegenteil."

Lisa Wagner, Schauspielerin:

Foto: dpa

"Ich frage mich immer wieder, wieso es eigentlich nicht rechtswidrig ist, dass Männer und Frauen ungleich viel Gehalt bekommen. Mir fällt da meine erste Gagenverhandlung am Residenztheater ein. Ich sagte zum Chef: ,Ich will das, was Kollege XY kriegt.’ Ich wusste nicht, wie viel das ist, aber der hat mit mir zusammen angefangen, hatte die gleichen Voraussetzungen – ich fand, wir sollten das gleiche verdienen. Das haben wir dann auch. Wir sind zwar vertraglich dazu verpflichtet, über unsere Gage nicht zu reden, aber ich finde, es ist Zeit für Transparenz in diesem Bereich, damit man nicht vertragsbrüchig werden muss, um Ungerechtigkeit bei den Gagen offenzulegen und letztlich dann auch verhindern zu können.
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