"Er hielt 14 Tage durch": Krankenschwester gibt emotionalen Einblick aus der Corona-Station

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Diese Krankenschwester erzählt auf Twitter emotional vom Sterben eines Corona-Patienten. In ihren Posts kommt das ganze Dilemma der aktuellen Debatte zum Vorschein.

Auf der ganzen Welt kämpfen Ärzte und Pflegepersonal um Menschenleben und gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. (Bild: REUTERS/Amanda Perobelli)
Auf der ganzen Welt kämpfen Ärzte und Pflegepersonal um Menschenleben und gegen die Ausbreitung der Corona-Pandemie. (Bild: REUTERS/Amanda Perobelli)

Überall auf der Welt rückt das medizinische Personal in den Fokus. Und fast überall fühlt es sich überfordert und allein gelassen. Von der Politik, von grundsätzlichen Schwächen des Gesundheitssystems aber auch von den Menschen, die trotz aller Bemühungen um die Eindämmung der Pandemie keine Vorsicht walten lassen und sich nicht an die Hygienevorgaben halten.

Auch in Deutschland füllen sich die Intensivstationen aktuell dramatisch. Die Todesrate liegt höher als in der ersten Welle der Pandemie und hinter jeder Zahl steckt ein persönliches Schicksal. Nicht nur das der Infizierten, sondern auch das der Menschen, die sich um sie kümmern und gegen den Tod kämpfen. Eine Krankenschwester, die unter dem Namen Venlafaxin auf Twitter über ihren Arbeitsalltag berichtet, erzählt dort nun von einem besonders emotionalen Fall.

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In weiteren Posts erzählt die Krankenschwester aus Westdeutschland, die dort auf der Intensivstation arbeitet, von dem Corona-Fall, der sie so berührt hat. “Und wieder stehe ich in einem leeren Zimmer und höre noch seine Stimme. Oder sehe wie er mit seiner Frau skyped. Atme nochmal tief durch und sage "Gute Reise", bevor ich den Patienten für den Abtransport in die Prosektur freigebe.”

Über 3.000 mal wurde ihr Bericht aus der Intensivstation retweeted, unzählige Kommentare sammelten sich darunter. Viele mit dankbaren, unterstützenden Worten aber auch manche, die ihr die ehrlichen Gefühle vorwarfen. Darum erklärte die Krankenschwester auch, warum sie sich entschieden hat, ihrem Frust auf Twitter Luft zu machen.

Die Posts machen deutlich, wie sehr das Pflegepersonal nach einem Jahr mit Corona und mitten in der zweiten Welle am Rande der Belastbarkeit steht.

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Auf Nachfrage eines Users erklärte die Krankenschwester noch, wo sich der eigentlich gesunde Familienvater infiziert hatte. Es war über den Kontakt zu seiner Tochter, deren Mitschülerin mit dem Virus infiziert gewesen war.

Die Krankenschwester fügte noch hinzu: “Nein, das passiert nicht bei jedem Patienten in dieser Form, aber in jeden Fall fühlen wir etwas. Manchmal Dankbarkeit, dass dem Patienten die last des Kampfes genommen wurde, manchmal Trauer, manchmal Wut...” In ihrer Verzweiflung habe sie sogar überlegt, zu kündigen. Doch der Zuspruch, den sie auch auf Twitter von vielen Menschen erhielt, überzeugte sie dann doch, ihren wichtigen Job nicht aufzugeben. Sie werde sich aber “eine Weile rausnehmen ab Montag”, schrieb die Krankenschwester.

Allein am 10. Dezember sind in Deutschland 604 Menschen an Covid-19 gestorben, insgesamt hat sich die Zahl der Corona-Toten damit auf 21.064 erhöht. Angesichts solcher persönlichen Berichte wirkt das öffentliche Ringen um jede kleinteilige Maßnahme um so absurder.

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