Erde schafft eine Umdrehung in Weltrekord-Zeit

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Die Welt hat sich noch nie so schnell um sich gedreht – zumindest nicht, seit es die moderne Zeitmessung gibt.

3D Render of Planet Earth with Clouds. Planet Earth maps courtesy of NASA: https://visibleearth.nasa.gov/images/144875/earth-at-night-black-marble-2012-color-maps-v2.
So schnell war sie seit Erfindung der Atomuhr noch nicht unterwegs: die Erde. Foto: Symbolbild / gettyimages

Dreht sich die Welt immer schneller? Zumindest hat sie jetzt einen neuen Rekord aufgestellt, als sie sich in neuer Bestzeit um die eigene Achse drehte.

Weltrekord!

Die Erde dreht sich in 24 Stunden – oder 86.400 Sekunden – um sich selbst. Sie ist dabei aber nicht immer ganz exakt gleich schnell. Denn am 29. Juni hat sie die bislang kürzeste Zeit hingelegt: 1,59 Millisekunden lag sie mit einer Umdrehung unter den normalen 24 Stunden.

Nur ein Wimpernschlag und doch Weltrekord: Denn so schnell hat sich die Welt noch nie einmal ganz um sich selbst gedreht, wie der Internationale Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme (IERS) schreibt. Dabei handelt es sich um eine Organisation, die anhand der Erdrotation die Standardzeit berechnet. Dafür nutzt sie mehrere Mess-Systeme, wie die GPS- und GLONASS-Satelliten. Aber auch von der Erde aus erhobene Daten, wie beispielsweise mit den Doris-Doppler-Stationen, fließen in die extrem präzise Berechnung mit ein.

Rotations-Geschwindigkeit nimmt zu

Der bisher kürzeste Tag, der mit modernen Instrumenten gemessen wurde, liegt erst gute zwei Jahre zurück – es war der 19. Juli 2020. Damals war die Erde 1,47 Millisekunden schneller als ihre sonstigen 24 Stunden.

Tatsächlich gab es schon weitaus kürzere Tage in der Erdgeschichte: Vor rund 70 Millionen Jahren benötigte unser Blauer Planet nur etwa 23,5 Stunden für eine Umdrehung, er rotierte also sehr viel schneller. Doch er wurde immer langsamer. Seit einigen Jahren nimmt seine Geschwindigkeit aber wieder zu.

Erderhitzung könnte verantwortlich sein

Wieso das so ist, ist bislang nicht endgültig geklärt. Eine Theorie macht die schmelzenden Eismassen durch die Erderhitzung verantwortlich. Das könnte daran liegen: Die Erde ist keine perfekte runde Kugel, sondern etwas abgeflacht. Dafür sind die schweren Eismassen an den Nord- und Südpolen verantwortlich. Weil diese aber abschmelzen, nimmt das Gewicht an den Polkappen ab – die Erde "entspannt" sich sozusagen und wird dadurch kugelförmiger.

Das begünstigt eine schnellere Drehung. So hat es kürzlich im Interview mit CNN Dennis McCarthy erklärt. Er war Direktor am US Naval Observatory, wo ebenfalls zu Zeitmessung und Erdrotation geforscht wird und das heute Zentralstelle des IERS ist.

Schaltsekunde wird abgezogen

Die 1,59 Millisekunden haben auf den Alltag auf der Erde keinen merklichen Einfluss. Aber wenn eine Erdrotation beständig immer etwas kürzer oder etwas langsamer als 24 Stunden dauert, summiert sich das mit der Zeit auf.

Aus diesem Grund haben Wissenschaftler*innen im Jahr 1972 begonnen, sogenannte "Schaltsekunden" dem Jahr hinzuzufügen. Bisher wurden 27 Schaltsekunden zur Weltzeit hinzugefügt, um die Erdrotation wieder mit der gängigen 24-Stunden-Zeitmessung in Einklang zu bringen – das war korrekt, solange sich die Welt etwas langsamer drehte als einmal alle 24 Stunden. Weil sie jetzt aber schneller rotiert, müssten in Zukunft Schaltsekunden von der Weltzeit abgezogen werden.

Sollte die Erde ihren Trend beibehalten und ihre Rotation weiter beschleunigen, wird in drei oder vier Jahren voraussichtlich eine Schaltsekunde abgezogen.

Im Video: Bedrohung aus dem All: Sonnensturm könnte die Erde treffen