Erdogan erstattet in Affäre um 13 getötete Türken Anzeige gegen Oppositionsführer

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CHP-Chef Kiliçdaroglu

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Affäre um die 13 im Irak getöteten Türken am Donnerstag Anzeige gegen den sozialdemokratischen Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu erstattet. Erdogan forderte vom Chef der Republikanischen Volkspartei (CHP) eine Entschädigung von einer halben Million türkischer Lira (umgerechnet rund 60.000 Euro), weil dieser ihm im Parlament eine Mitverantwortung dafür zuwies, dass die türkischen Geiseln umgebracht wurden, wie die Nachrichtenagentur Anadolu berichtete.

Die Türkei hatte am Donnerstag die "Hinrichtung" der 13 Türken bekanntgegeben und die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) für ihren Tod verantwortlich gemacht. Die Toten waren von türkischen Militärs in einer Höhle im Irak gefunden worden. Mehrere Parteien warfen Erdogan und seiner Regierung vor, sie hätten das Leben der Geiseln gefährdet, indem sie sie gewaltsam zu befreien versuchten. "Du startest einen Einsatz zur Befreiung der Geiseln, aber die Geiseln kommen um", sagte Kilicdaroglu bei einer Parlamentsdebatte. "Normalerweise müsste jemand die Verantwortung übernehmen und zurücktreten. Der Verantwortliche für den Tod unserer 13 Märtyrer ist Erdogan."

Die PKK erklärte, die Geiseln seien durch türkische Luftangriffe ums Leben gekommen. Das wurde von der Regierung in Ankara ausgeschlossen. Die pro-kurdische HDP-Partei erklärte, Verhandlungen zur Beendigung der Geiselnahme wären erfolgversprechender gewesen. In dieser Woche wurden in der Türkei mehr als 700 Menschen wegen mutmaßlicher Kontakte zur PKK festgenommen, darunter auch dutzende Abgeordnete der HDP.

Wegen der PKK schwelt auch ein Streit zwischen den USA und Ankara. Zwar haben die USA und ihre westlichen Alliierten die PKK zu einer Terrororganisation erklärt. Washington unterstützt in Syrien aber die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) im Kampf gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Nach Ansicht der Türkei handelt es sich bei der YPG um eine Abspaltung der PKK.

Laut dem türkischen Verteidigungsminister Hulusi Akar waren die 13 Leichen von türkischen Soldaten in einer Höhle in der Region Gara im Norden des Irak gefunden worden. Akar sagte unter Berufung auf Aussagen zweier kurdischer Kämpfer, die dort gefangen genommen wurden, die 13 Getöteten seien jeweils mit einer Kugel hingerichtet worden.

ao/bfi