Erdoğan: Hat der türkische Präsident vorab von dem Putsch gewusst?

Kemal Kılıçdaroğlu erhebt zum ersten Mal Vorwürfe angesichts des gescheiterten Putsches. (Bild: AP Images)

Als am 15. Juli 2016 der Militärputsch in der Türkei scheiterte, schienen der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und seine AKP ziemlich gut vorbereitet gewesen zu sein. Nur allzu schnell hatte man eine Liste mit Übeltätern hervorgeholt, die systematisch festgenommen und von ihrem Dienst suspendiert wurden. Während damals spekuliert wurde, die Regierung hätte den Putsch selbst inszeniert, werden nun wieder ähnliche Vorwürfe laut – so wirft Oppositionsführer Kılıçdaroğlu Erdoğan vor, vorab Kenntnis von dem gescheiterten Militärputsch gehabt zu haben.

So sagte Kılıçdaroğlu, Vorsitzender der Oppositionspartei CHP, den Journalisten in Istanbul, es habe sich um einen „kontrollierten Putsch“ gehandelt. Die Regierung habe von den Plänen gewusst, sie aber nicht verhindert. So wollte man sich den Staatsstreich zunutzen machen.

Kılıçdaroğlu verlangt nun, dass eine Liste mit 180 AKP-Mitgliedern veröffentlicht wird, die über das verschlüsselte Nachrichtenprogramm ByLock schon vorab über den Putsch informiert gewesen sein sollen, da es auch die Putschisten nutzten. Sollte der türkische Geheimdienst diese Liste nicht veröffentlichen, so Kılıçdaroğlu, sei es ein eindeutiges Schuldbekenntnis. Dies würde bedeuten, dass es sich tatsächlich um einen kontrollierten Putsch handelte.

Erdoğan soll die Putschisten gewähren lassen haben. (Bild: AP Images)

Während sich der CHP-Chef im vergangenen Juni noch hinter den Präsidenten stellte und den Staatsstreich verurteilte, äußert Kılıçdaroğlu mit diesen Statements zum ersten Mal Zweifel an der offiziellen Darstellung der Ereignisse der türkischen Regierung. Beweise habe er auch: Es sei bereits ein spezielles Dossier zusammengestellt worden. Zum Inhalt sagte Kılıçdaroğlu jedoch bisher nichts.

Präsident Erdoğan verurteilte die Äußerungen Kılıçdaroğlus umgehend und bezeichnete sie als eine „große Lüge“, die eine Beleidigung für die Opfer des gescheiterten Putsches darstelle. Erdoğan richtete sich vor seinen Anhängern auch direkt an Kilicardoglu: „Wenn du ein Dossier hast, dann raus damit.”

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