Erdogan: Neueste Dekrete rufen Empörung hervor

Erdogan sorgt sich um die Schönheit seiner Bevölkerung (Bild: AP)

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat anlässlich des Putschversuchs vom Juli 2016 den Ausnahmezustand verhängt. Das lässt ihn seitdem Notstandsdekrete verhängen, die wenig mit Politik zu tun haben. Ein Erlass sorgt besonders für Empörung – denn darin geht es den Frauen an die Beine!

Bereits Ende März unterzeichnete Erdogan bei einer Zeremonie mit Kosmetikerinnen ein Dekret, das die Methoden zur Haarentfernung reguliert – angeblich für eine “schönere Türkei“! Das Recht, Haare durch Lasertechnologien zu entfernen, war bislang Schönheitskliniken und Krankenhäusern vorbehalten. Mit dem “Notstandsgesetz“ sorgt Erdogan nun dafür, dass auch Schönheitssalons die Prozedur durchführen dürfen.

Im Internet reagierten viele Nutzer fassungslos. “Die Experten zur Haarentfernung, die eine zentrale Rolle in der Putschnacht vom 15. Juli spielten, wurden nun per Notstandsdekret freigelassen“, spottete ein Twitter-User. Ein anderer erklärte: “Als ob der Putsch von Epilierexperten ausgeführt wurde.“

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Mit dem jüngsten Dekret wurden am 29. April nun aber auch die in der Türkei sehr beliebten Datingshows im Radio und Fernsehen verboten. Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus warf den Shows vor, nicht zu “türkischen Traditionen“ zu passen und die “Heiligkeit“ der Familie zu beschädigen.

“Wurde der Putschversuch von Heiratsshows unternommen?“, fragte der Oppositionsabgeordnete Tanrikulu nach dem Verbot in der Zeitung “BirGün“. „Wurde der Ausnahmezustand wegen Heiratsshows erlassen?“ Auch die Kolumnistin Nuray Mert äußerte sich in der “Hürriyet Daily News“ besorgt über den neuesten Erlass. Die Shows seien zwar “Trash“, doch “wer weiß, was als Nächstes per Dekret verboten wird?“

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Doch warum nutzt Erdogan seine Macht, um Epiliermethoden und Heiratsshows zu regulieren? Die Kolumnistin Pinar Tremblay gab darauf im Onlinemagazin “Al-Monitor“ eine einfache, aber gleichzeitig schockierende Antwort: Weil er es kann. “Was die Türkei erlebt, ist fast ein Probelauf für die erwartete allmächtige Präsidentschaft, die langsam Absurditäten zur Norm verwandelt. Erdogan hat die Macht und fürchtet nicht, die Grenze auszuweiten.“

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