Erdoğan wettert im türkischen Parlament gegen Bier und Mozart

Die mitteleuropäische Kultur scheint Recep Tayyip Erdoğan nicht ganz geheuer. (Bild: Getty Images)

In einer Rede vor dem türkischen Parlament hat Recep Tayyip Erdoğan verächtliche Bemerkungen über die Musik Mozarts und über Bier getätigt. Damit reagierte er auf die Aussagen eines Kolumnisten und eines Schauspielers.

Während seiner Ansprache vor dem Parlament teilte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan am Dienstag gegen die europäische Kultur aus. In dem teilweise bizarr anmutenden Wortbeitrag sagte Erdoğan, einen Präsidenten dazu zu zwingen, Mozart zu hören und Bier zu trinken sei der “Inbegriff von Faschismus”.

Die Rede wurde von mehreren türkischen TV-Sendern, darunter “T24”, im Fernsehen und Internet ausgestrahlt. Was an Mozart oder Bier faschistisch sein soll, erläuterte der Politiker nicht.

Klassische Musik und Faschismus? Für den türkischen Präsidenten Erdoğan geht das zusammen. (Bild: Getty Images)

Der Hintergrund von Erdoğans Wutrede

Mit seiner Aussage reagierte Erdoğan auf die Kommentare zweier prominenter Türken. Ein Kolumnist der Oppositionszeitung “Sözcü”, Yılmaz Özdil, konnte sich im vergangenen Monat im türkischen Fernsehen einen Seitenhieb gegen Erdoğan nicht verkneifen. Özdil hatte behauptet, der Türkei würde es heute besser gehen, wenn Erdoğan hin und wieder mal ein Glas Bier trinken würde. Erdoğan, ein strenggläubiger Muslim, lehnt Alkoholkonsum ab.


“Rutkay Aziz: Der Präsident sollte Mozart und Beethoven hören. Vielleicht tut es ihm gut.”

Diskussion um Konzerteinladung

Der Schauspieler Rutkay Aziz hatte in einem Interview ebenfalls gegen den Präsidenten gestichelt. Darin äußerte sich Aziz über eine Angelegenheit, über die seit Tagen in der Türkei diskutiert wird. Der bekannte Pianist und Komponist Fazıl Say hatte Erdoğan zu einem seiner Konzerte eingeladen. Es steht die Frage im Raum, ob Erdoğan die Einladung annehmen wird. Schauspieler Aziz sagte dazu: “So lange er hingeht und ein bisschen Mozart oder Beethoven hört – vielleicht ist das ja gut für ihn.”

Auf Erdoğan Replik im Parlament hat Aziz inzwischen auch reagiert. Und zwar in einer Telefonschalte mit einem TV-Sender: “Bin ich für ihn in diesem Fall der Faschist oder Mozart?”, fragte Aziz.

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