Erdogans Referendum: Berliner Türken zwischen Furcht und Freude

Unbekannte haben am Montagabend die Scheiben einer türkischen Begegnungsstätte in Schöneberg mit Pflastersteinen durchschlagen.

Senol Akkayn (56) kann sich an diesem Ostermontag kaum vor Journalisten retten, die mit ihm sprechen wollen. In einem Café am Kottbusser Tor ist er von Gesprächspartnern geradezu umringt. Der Grund? Der türkischstämmige Bauleiter hat im Referendum über die Einführung des umstrittenen Präsidialsystems in der Türkei mit "Ja" und somit für den amtierenden Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gestimmt. Und anders als viele in Deutschland lebende Türken, die für den türkischen Präsidenten gestimmt haben, ist Akkayn keiner, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält. "Erdogan hat viel für die Türkei getan. Uns geht es wirtschaftlich gut. Auch was das Gesundheitssystem und die Altersvorsorge angeht, hat er viel für unser Volk geleistet. Das geht hier alles den Bach herunter", sagt Akkayn, der als Zehnjähriger mit seinen Eltern nach Deutschland kam und keinen deutschen Pass hat, obwohl er hier seit 1970 lebt.

Er sagt, Deutschland behandele die Türkei immer noch nicht wie einen Partner auf Augenhöhe. "Das ist keine richtige Partnerschaft. Für die NATO sind wir ernst zu nehmende Partner, aber für die EU seit Jahrzehnten nur ein Beitrittskandidat", sagt er. Deutschland sei der Türkei beim Militärputsch als Partner in den Rücken gefallen. Dass mit der Ausweitung von Erdogans Einfluss die Demokratie in Gefahr sein könnte, befürchtet er nicht. "Im Gegenteil, Erdogan hat unser Land frei gemacht", sagt Akkayn. Er freue sich über den Wahlausgang.

"Ich bin mir sicher, dass die Wahlen manipuliert waren...

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