Erhöhte Leistungsanforderungen führten zu Korrosion an Brennstäben in Brokdorf

Die ungewöhnlich starken Korrosionserscheinungen an einigen Reaktorbrennstäben im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brokdorf sind nach Erkenntnissen der Behörden unter anderem durch erhöhte Leistungsanforderungen verursacht worden

Die ungewöhnlich starken Korrosionserscheinungen an einigen Reaktorbrennstäben im schleswig-holsteinischen Atomkraftwerk Brokdorf sind nach Erkenntnissen der Behörden unter anderem durch erhöhte Leistungsanforderungen verursacht worden. Die Beanspruchung durch eine Leistungserhöhung sowie häufigeres schnelles Hoch- und Herunterfahren des Reaktors hätten zu den unerwarteten Oxidschichten an den Hüllen der Brennstäbe geführt, erklärte Landesumweltminister Robert Habeck (Grüne) am Montag in Kiel.

Vor fünf Monaten waren an Hüllrohren von Brennelementen in Brokdorf bei der routinemäßigen Jahresrevision ungewöhnlich dicke Metalloxid-Schichten entdeckt worden. An einigen Stäben waren die Grenzwerte überschritten. Die im Kieler Umwelt- und Energiewendeministerium angesiedelte Atomaufsicht hatte eine gründliche Untersuchung eingeleitet und das Wiederanfahren untersagt. Eine Gefahr bestand demnach allerdings nicht.

Nach den nun vorliegenden Ergebnissen sei die beschleunigte Korrosion an den Rohren auf "ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren" zurückzuführen, erklärte das Ministerium am Montag. Neben dem für die Hüllen verwendeten Material seien die "hohen Leistungsanforderungen" an den Reaktor dafür verantwortlich.

Demnach war dem Betreiber 2006 erlaubt worden, die elektrische Bruttoleistung des Kraftwerks zu erhöhen. Seit 2011 und dann noch einmal seit 2015 wurde von dem Akw zudem ein intensiverer sogenannter Lastfolgebetrieb praktiziert, um auf wechselnde Auslastungen im Stromnetz zu reagieren. "Diese Beanspruchung hat nach unseren Erkenntnissen zu der unerwarteten Oxidation im oberen Bereich einiger Brennstäbe geführt", erklärte Habeck.

Seinen Angaben zufolge wird der Betreiber Preußenelektra den Betrieb von Brokdorf künftig wieder auf den Modus von vor 2006 umstellen. Für diesen Zustand lägen gesicherte Erfahrungen zum Verhalten der Rohre vor, Wiederholungen der starken Korrosion würden damit "sicher verhindert". Unter dieser Bedingung habe die Atomaufsicht auch die Wiederbeladung des Reaktors erlaubt. Dies sei aber keine automatische Zustimmung zum Wiederanfahren.

Die Entstehung einer dünnen Oxidschicht an den Metallrohren um den radioaktiven Brennstoff ist nach Angaben der Behörden und des Betreibers normal. Die Stäbe im Reaktor werden mit Wasser gekühlt, dem das Element Bor zugesetzt ist. Im Laufe der Zeit reagiert die heiße Oberfläche der Brennstabhülle mit dem im Wasser gelösten Sauerstoff und Wasserstoff und bildet eine Schicht. Diese war in Brokdorf teils aber ungewöhnlich dick.

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