Polnische Präsidentenmaschine zerbrach laut Ermittlern "in der Luft"

Gedenkfeier am Jahrestag des Smolensk-Unglücks

Genau sieben Jahre nach dem Tod des damaligen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski bei einem Flugzeugabsturz in Russland haben die polnischen Ermittler neue Indizien für ein Attentat präsentiert. Die Präsidentenmaschine sei schon "in der Luft" auseinander gebrochen, sagte Ermittlungsleiter Waclaw Berczynski am Montag im Fernsehsender TVP. Dies habe sich aus der erneuten Auswertung der aufgezeichneten Gespräche zwischen Cockpit und Kontrollturm ergeben.

Berczynski sagte, schon vor dem Absturz seien Teile der Maschine zu Boden gefallen. Die Trümmer seien "weit entfernt von der berühmt-berüchtigten Birke" herabgefallen, die das Flugzeug mit einer Tragfläche gestreift hatte. "Der Baum hatte keine Auswirkung auf den Absturz", schlussfolgerte Berczynski. Eine frühere Untersuchung war zu dem Ergebnis gekommen, dass das Flugzeug beim Anflug auf Smolensk in dichtem Nebel einen Baum gestreift hatte und dann abgestürzt war.

Beim Absturz der Tupolew-154 am 10. April 2010 waren außer Kaczynski auch seine Ehefrau und 94 weitere Insassen ums Leben gekommen. Unter den Opfern waren ranghohe Militärs und Politiker, die zum 70. Jahrestag des Massakers von Katyn bei Smolensk an einer Gedenkfeier teilnehmen wollten. In Katyn hatte die sowjetische Geheimpolizei im Zweiten Weltkrieg mehrere tausend polnische Offiziere erschossen.

In Polen ranken sich zahlreiche Theorien um den Absturz. Jaroslaw Kaczynski, der Vorsitzende der rechtskonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) und Zwillingsbruder des tödlich verunglückten Staatschefs, ist wie viele seiner Landsleute der Ansicht, dass der Absturz der Präsidentenmaschine auf einen Anschlag zurückzuführen sei.

Eine erste Untersuchung der damaligen Regierung war 2010 dagegen zu dem Ergebnis gekommen, dass das Flugzeug abstürzte, weil die Piloten trotz dichten Nebels zu landen versuchten. Eine Auswertung des Stimmenrekorders zeigte, dass mehrere Militär- und Regierungsvertreter die Piloten im Cockpit trotz des schlechten Wetters zur Landung drängten.

Nachdem die rechtskonservative PiS im Oktober 2015 an die Macht zurückkehrte, wurde eine neue Untersuchung eingeleitet. Im November begannen die Ermittler mit der Exhumierung von Opfern des Flugzeugabsturzes. Die Staatsanwaltschaft will zudem Trümmerteile der Maschine an vier ausländische Labore übergeben, um sie auf Sprengstoffspuren zu untersuchen.

Vor einer Woche hatte die Staatsanwaltschaft bereits ihre Anklage gegen die Fluglotsen aus Smolensk ausgeweitet. Sie werden nun beschuldigt, den Absturz "absichtlich" verursacht zu haben. Einer der beiden Russen war bereits 2015 beschuldigt worden, die "unmittelbare Gefahr eines Flugzeugunglücks" verursacht zu haben. Seinem Kollegen wurde Fahrlässigkeit vorgeworfen.

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