Ermittlungen gegen Barclays-Chef wegen versuchter Enttarnung eines Informanten

Wegen der versuchten Enttarnung eines internen Hinweisgebers haben die britischen Finanzbehörden Ermittlungen gegen die Bank Barclays und ihren Chef Jes Staley eingeleitet

Wegen der versuchten Enttarnung eines internen Hinweisgebers haben die britischen Finanzbehörden Ermittlungen gegen die Bank Barclays und ihren Chef Jes Staley eingeleitet. Wie Barclays am Montag mitteilte, ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA und die Bankenaufsicht PRA, der Agentur Bloomberg zufolge ist auch die New Yorker Finanzaufsicht DFS beteiligt. Es geht um den Brief eines anonymen Informanten, der Bedenken gegen einen ranghohen Angestellten geäußert hatte.

Der Verhaltenskodex der Bank ermutigt ihre Angestellten, Bedenken und Zweifel an Mitarbeitern oder Praktiken zu äußern und sichert ihnen dafür Anonymität zu. Im Sommer 2016 machte ein Informant "persönliche" Bedenken gegen einen kürzlich eingestellten ranghohen Mitarbeiter geltend, woraufhin Staley eine interne Untersuchung anstrengte, um die Identität des Absenders zu erfahren.

Die Bank erklärte nun, Staley habe "aufrichtig, aber fälschlicherweise geglaubt", dass es nach britischem Recht erlaubt sei, den Absender zu identifizieren. Zudem habe Staley einen Kollegen vor Angriffen schützen wollen. Barclays habe die Erklärung des US-Bankers akzeptiert und Staley genieße weiterhin das Vertrauen der Bank, erklärte der Aufsichtsrat. Die Bank werde zudem vollumfänglich mit den Behörden kooperieren, versprach das Finanzinstitut.

Der Aufsichtsrat der Bank hatte Anfang des Jahres Wind von der Affäre bekommen und ein externes Anwaltsbüro mit Ermittlungen beauftragt. Nun erklärte das Kreditinstitut, auch die internen Kontrollprozesse und die Regeln für Informanten unter die Lupe nehmen zu wollen. Der Hinweisgeber vom Sommer 2016 blieb letztlich anonym.

Staley selbst erklärte, er habe sich beim Aufsichtsrat für sein Verhalten entschuldigt und akzeptiere auch die möglichen Strafen dafür. Barclays will nun außer einer schriftlichen Rüge auch die Boni-Zahlungen an Staley "maßgeblich" kürzen - genaue Summen sollen erst nach dem Ende der Ermittlungen genannt werden. Staley bekam 2016 insgesamt 4,2 Millionen Pfund (rund 4,9 Millionen Euro), davon waren 1,3 Millionen Boni-Zahlungen.

Der 60-jährige US-Banker Staley hatte die Leitung der Bank, die schwer von der Finanzkrise getroffen worden war, erst 2015 übernommen. Das Unternehmen war damals unter anderem wegen eines Skandals um Manipulationen am Devisenmarkt schwer angeschlagen. Schon 2012 stand die Bank wegen der Manipulation der Interbanken-Zinssätze Libor und Euribor am Pranger.

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