Ermittlungen in Russland wegen Adoption durch homosexuelles Paar

Russlands Justiz hat Ermittlungen wegen der Adoption durch ein homosexuelles Paar eingeleitet. Die in dem Fall zuständigen Moskauer Sozialarbeiter würden der "kriminellen Nachlässigkeit" verdächtigt, teilte das russische Untersuchungskomitee am Mittwoch mit. Es geht demnach um zwei Jungen, die 2010 adoptiert worden waren. Den Sozialarbeitern drohen Geldstrafen oder gemeinnützige Arbeit.

Die Ermittlungen beträfen bislang nicht die Familie an sich, sagte der Anwalt Maxim Olenitschew, der sich in Russland für die Rechte Homosexueller engagiert. Aber sollten die Sozialarbeiter für schuldig befunden werden, könnten die Behörden eventuell die Annullierung der Adoption fordern, sagte Olenitschew. "Wir halten das für unzumutbar." Die beiden Jungen seien mittlerweile Teenager.

Zudem wirft das Untersuchungskomitee dem schwulen Mann, der die Kinder adoptiert hat, "Propaganda nicht traditioneller Werte" gegenüber Minderjährigen vor. Der Vorwurf basiert auf einem umstrittenen Gesetz von 2013, das positive Äußerungen über Homosexualität unter Strafe stellt.

Adoptionen durch homosexuelle Paare ist in Russland nicht verboten, weil diese gar nicht die Möglichkeit haben, ihre Partnerschaft offiziell anerkennen zu lassen. Allerdings hat Russland die Adoption russischer Kinder durch ausländische homosexuelle Paare und alleinstehende Personen aus Ländern, in denen Homosexuelle heiraten dürfen, verboten.

Homosexualität war in Russland bis 1993 verboten, bis 1999 stand gleichgeschlechtliche Liebe auf der Liste der Geisteskrankheiten.