Ernährungswissenschaftler ordnet ein - Geschlechterkluft beim Fleischkonsum: Studie zeigt einen überraschenden Unterschied

Überrascht hat die Wissenschaftlicher jedoch, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Fleischkonsum in Ländern mit einem höheren Grad an Gleichberechtigung und sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung aber größer sind als in armen Staaten.<span class="copyright">Getty Images/Guido Mieth</span>
Überrascht hat die Wissenschaftlicher jedoch, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Fleischkonsum in Ländern mit einem höheren Grad an Gleichberechtigung und sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung aber größer sind als in armen Staaten.Getty Images/Guido Mieth

Männer essen mehr Fleisch als Frauen - dieses Ergebnis einer Studie der Universität Zürich ist nicht weiter überraschend. Doch ein anderer Zusammenhang dafür umso mehr, wie Ernährungswissenschaftler Uwe Knop erläutert.

Welche Ergebnisse hat die aktuelle Studie zum Fleischverzehr in armen und reichen Ländern gebracht?

Die Studie der Universität Zürich hat erwartbare und überraschende Erkenntnisse zugleich geliefert: Zu erwarten war, dass im Allgemeinen Männer mehr Fleisch essen als Frauen, und Menschen in wohlhabenderen Ländern mehr Fleisch als Menschen in ärmeren Ländern. Überrascht hat die Wissenschaftlicher jedoch, dass die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Fleischkonsum in Ländern mit einem höheren Grad an Gleichberechtigung und sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung aber größer sind als in armen Staaten. Dabei beobachteten die Forscher die größten Unterschiede in Deutschland.

Die Erklärung könnte so einfach wie plausibel sein: Ein höheres Maß an Geschlechtergleichstellung und sozialer und wirtschaftlicher Entwicklung gibt Frauen möglicherweise mehr Freiheit, sich bewusst für einen geringeren Fleischkonsum zu entscheiden, und ermöglicht es Männern umgekehrt, häufiger Fleisch zu kaufen und zu essen. Kurzum: Mann isst mehr Fleisch, weil´s er hier kann - und will. Ob dabei der gute Geschmack, ein Gefühl der Männlichkeit oder die Gesundheit ("viel gutes Eiweiß") die Hauptrolle spielen, das ist unbekannt. Die wahren Gründe bleiben damit vorerst Spekulation.

Braucht der „moderne“ Mensch überhaupt Fleisch in seiner Ernährung?

Nein. Fleisch ist ein ernährungsphysiologisch hochwertiges Nahrungsmittel, keine Frage. Aber wir haben hierzulande in „Schlaraffia Germania“ mehr als genug Auswahl von hoher Qualität, um uns ganz einfach auch fleischfrei gesund und ausgewogen zu ernähren. Als Vegetarier mit ausgeprägtem Körpergefühl und gutem Draht zu Bauchhirn (ENS) und Körperintelligenz lässt sich wunderbar abwechslungsreich essen, ohne eine Nährstoffmangel zu erleiden.

Und wenn man gerne Fleisch isst, muss man sich dann Sorgen um seine Gesundheit und einen frühen Tode machen?

Auch wenn es immer wieder gebetsmühlenartig wiederholt wird, muss man klar konstatieren: Genauso wenig wie man Fleisch benötigt, genauso wenig existieren wissenschaftliche Beweise, dass Fleisch krank oder dick macht. Das liegt ganz einfach daran, dass die Ernährungswissenschaften weder für gesunde und ungesunde Lebensmittel noch für gesunde Ernährung handfeste Belege, also Kausalevidenz liefern kann.

Wir sind zwar umringt von etlichen Regeln und Ratschlägen zu gesunder Ernährung und täglich wird ein Tsunami neuer Studien veröffentlicht. Doch die Ergebnisse widersprechen sich oft und was überhaupt gesunde Ernährung ist, weiß bis heute niemand, Das gilt im Übrigen auch für die vielen Besser-Esser-Hypes wie Low-Carb, Intervallfasten, Keto, Paleo, Vegan oder Clean Eating.

Heute sollte man breiter denken: Wie sieht es mit der Ethik, der eignen Verantwortung beim Fleischkonsum aus?

Die Diskussionen um fleischfreie Ernährung sind emotional - und die persönliche Ethik spielt dabei eine wachsende Rolle, besonders bei der jüngeren Generation. Es geht schließlich um nicht weniger als um „Leben und Tod“. Doch an der Fleischtheke ist dieser elementare Aspekt des Tötens nicht mehr präsent.

Man sollte sich daher selbstreflektiv fragen: Könnte ich dem Tier auch in die Augen sehen, es töten und dann essen? Oder anders. Braucht es heutzutage eine „Lizenz zum Töten“, um noch Fleisch und Wurst essen zu dürfen?