Paris: Tote bei Anschlag auf islamkritisches Satiremagazin

 

 

Bei einem Anschlag auf das islamkritische Satiremagazin "Charlie-Hebdo" in Paris wurden mindestens zwölf Menschen getötet und mehrere verletzt. Bewaffnete Männer stürmten die Zeitungsredaktion. In der Vergangenheit hatte das Magazin mehrfach mit provokanten Mohammed-Karikaturen für Schlagzeilen gesorgt. 

Alle Informationen im Live-Ticker

+++ 17.58 Uhr +++

Innenminister Thomas de Maizière hat an das Internet-Videoportal YouTube appelliert, besonders schlimme Aufnahmen des Terroranschlags in Paris wieder zu entfernen. "Vieles kann man bei YouTube sehen", sagte de Maizière. "Und nicht alles, was jetzt irgendwie dort bisher eingestellt ist, sollte vielleicht dort bleiben."

+++ 17.48 Uhr +++

Der Zeichner des aktuellen Titels, Renald Luzier, überlebte das Massaker – weil er verschlafen hatte, berichtet seine Ehefrau der Tageszeitung „Libération“. „Mein Mann und ich wachten eine halbe Stunde später auf als geplant. Deshalb kam er auch erst nach der Schießerei in die Redaktion. Es geht ihm gut.“

+++ 17.41 Uhr +++

Die vier Zeichner Georges Wolinski (von links), Jean Cabut, Stéphane Charb und Bernhard Verlhac alias Tignous, die beim Anschlag von Paris getötet wurden, gehörten zu den besten Karikaturisten Frankreichs.

Die vier Zeichner wurden von den Attentätern umgebracht. (Bild: AFP)

+++ 17.22 Uhr +++

Die Flagge am Élysée-Palast in Paris wurde auf Halbmast gesetzt.

In ganz Frankreich wird die Flagge auf Halbmast gesetzt. (Bild: Twitter/david doukhan)

+++ 17.20 Uhr +++

Als Reaktion auf den Anschlag verschärften Länder wie Italien und Belgien die Sicherheitsvorkehrungen für Medien.

+++ 17.00 Uhr +++

Der Terrorangriff auf die Satire-Redaktion war nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei (GdP) keine spontane Tat einsamer Extremisten. "Einen Anschlag mit Waffen dieser Größenordnung, den kann man nicht von heute auf morgen organisieren", sagte der GdP-Bundesvorsitzende Oliver Malchow der Nachrichtenagentur dpa. "Da muss man Waffen beschaffen und trainieren."

+++ 16.39 Uhr +++

Die drei Attentäter befinden sich derzeit noch auf der Flucht, ihre Identität ist noch nicht bekannt. Sicherheitsexperten gehen davon aus, dass es sich um erfahrene Kämpfer handelt. Die Vermutung liegt nahe, dass es sich um Dschihad-Rückkehrer aus Syrien handelt. Sicherheitsexperte Charles Moniquet sagte dem französischen Sender "Europe 1": „Was man auf den Videos sehen kann, deutet darauf hin, dass es Männer sind, die geübt im Umgang mit Waffen und total kaltblütig sind.“ Moniquet bezieht sich auf das Video, in dem zu sehen ist, wie ein Attentäter einen Polizisten mit einem Kopfschuss tötet. „Sie (die Attentäter) sehen im Polizisten einen Kämpfer, von dem noch Gefahr ausgehen könnte. Deshalb neutralisieren sie ihn. Sie lassen die Türen des Autos offen, damit sie schneller fliehen können.“ Schlussfolgerung des Experten: „Wir haben es hier mit Leuten zu tun, die ihre Waffen kennen und sie sehr wahrscheinlich auch schon im Gefecht eingesetzt haben. Das deutet daraufhin, dass sie bereits in Syrien kämpften.“

+++ 16.25 Uhr +++

Wegen eines verdächtigen Päckchens wurde das Redaktionsgebäude der spanischen Zeitung "El País" in Madrid kurzzeitig evakuiert. Nun gibt der Medienkonzern Prisa, zu dem "El País" gehört, Entwarnung.

+++ 16.16 Uhr +++

Unter den Opfern befindet sich laut Medienberichten auch der Leibwächter des getöteten Herausgebers und Zeichners Stéphane Charbonnier. Seitdem Charbonnier 2006 die Mohamed-Karikaturen veröffentlicht hatte, habe er unter Polizeischutz gelebt, so sein Anwalt Richard Malka.

+++ 16.11 Uhr +++

Innenminister Thomas de Maizière hat nach dem Anschlag mutmaßlicher Islamisten in Paris mit mindestens zwölf Toten vor Panikmache in Deutschland gewarnt. «Wir haben keinen konkreten Hinweis auf vergleichbare Anschlagsplanungen in Deutschland oder konkrete Hinweise auf terroristisch motivierte Anschläge im Allgemeinen in Deutschland», sagte De Maizière nach dem Attentat auf das französische Satiremagazin in Paris. «Die Lage ist ernst. Es gibt Grund zur Sorge und zur Vorsorge, aber nicht zur Panik.»

Vor dem Hintergrund der Demonstrationen der islamkritischen Pegida-Bewegung sagte De Maizière: «Der extremistische Islamismus, der islamistische Terrorismus, ist etwas ganz anderes als der Islam. Und diese Differenzierung ist gerade an einem Tag wie heute dringend geboten.»

+++ 15.57 Uhr +++

Muslimische Verbände in Deutschland haben den Terroranschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit scharfen Worten verurteilt. "Dies ist ein feindlicher und menschenverachtender Akt gegen unsere freie Gesellschaft", teilte der Zentralrat der Muslime in Deutschland mit.

In keiner Religion gebe es auch nur einen Bruchteil einer Rechtfertigung für solche Taten, sagte der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek. "Heute wurde nicht unser Prophet gerächt, sondern unser Glaube verraten und unsere muslimischen Werte in den tiefsten Dreck gezogen."

Der Autor und Islamwissenschaftler Navid Kermani erklärte: „Das ist nicht nur ein Anschlag auf eine Zeitschrift und auch nicht nur auf die Kunst. Das ist ein Anschlag auf ein Europa, das den Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihrer Herkunft, ihrer sexuellen Orientierung Würde, Freiheit und gleiche Rechte zuspricht – auch und zumal den Muslimen.” Trotz des Anschlags dürften die Europäer den Terroristen nicht auf den Leim gehen. Sie müssten die Freiheit hochhalten.

+++ 15.47 Uhr +++

Unter den Toten ist Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier alias Charb, der unter anderem mit Mohammed-Karikaturen international bekannt wurde. In einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ sagte der Chefredakteur des Satiremagazins: „Ich sterbe lieber aufrecht als auf Knien zu leben.“ Sein Stift sei seine Waffe: „Damit macht man nicht den Eindruck, als würde man jemanden abstechen.“

Stéphane Charbonnier alias Charb war der Chefredakteur des Satiremagazins. (Bild: AFP)

+++ 15.39 Uhr +++

Die Redaktion des deutschen Satiremagazins "Titanic" will sich von dem tödlichen Anschlag auf "Charlie Hebdo" nicht in ihrer Arbeit einschränken lassen. Für religiöse und alle anderen Themen gelten die gleichen Regeln, sagte Chefredakteur Tim Wolff dem "Wiesbadener Kurier". "Wenn ein Thema für uns wichtig ist und wir die Witze lustig finden, drucken wir das." Mit einem derartigen Anschlag werde das Thema noch relevanter für Satiriker. "Das zieht ja noch mehr Spott nach sich."

+++ 15.34 Uhr +++

Für den Abend ist in Paris eine Kundgebung angesetzt. Sie soll unter dem Motto „Für Pressefreiheit, Demokratie und Republik“ stehen.

+++ 15.26 Uhr +++

Drei Täter haben nach Angaben des französischen Innenministers Bernard Cazeneuve den Mordanschlag mit mindestens zwölf Toten auf das islamkritische Satire-Magazin «Charlie Hebdo» verübt. Nach einer Krisensitzung der französischen Regierung sagte der Minister am Mittwoch in Paris, man werde alles tun, «um die drei Kriminellen, von denen dieser barbarische Akt ausging, so schnell wie möglich auszuschalten.» Frankreichs Innenminister Manuel Valls stellt jetzt klar, es seien drei Täter an dem Angriff beteiligt gewesen. Alle drei seien bisher noch auf der Flucht, heißt es.

+++ 15.24 Uhr +++

Es sind neue Opferzahlen bekannt: Zwölf Tote, acht Verletzte und vier davon schweben in Lebensgefahr. Im Krankenhaus Pitié-Salpêtrière wurde ein Bereich für sie reserviert.

+++ 15.19 Uhr +++

Die Zeichnerin Corinne Rey hat überlebt und sagte gegenüber der französischen Tageszeitung "L'Humanité": „Ich wollte meine Tochter vom Hort abholen. Als ich vor die Haustür trat, haben uns zwei vermummte und bewaffnete Männer brutal bedroht. Sie wollten in das Gebäude. Ich habe den Code eingegeben. Sie haben auf Wolinski und Cabu geschossen. Es dauerte fünf Minuten. Ich habe mich unter den Schreibtisch geflüchtet. Die Männer sprachen perfekt Französisch. Sie sagten sie seien von Al Qaida.“

+++ 15.13 Uhr +++

Die britische Zeitung "The Telegraph" meldet, dass der Zeichner und Herausgeber, Stéphane Charbonnier, auf der Todesliste von Al Qaida stand. Seitdem er 2006 die Mohamed-Karikaturen veröffentlich hatte, habe er unter Polizeischutz gelebt, so sein Anwalt, Richard Malka.

+++ 15.03 Uhr +++

Die vier Zeichner Charb, Wolinski, Cabu und Tignous sind nach Informationen aus Justizkreisen unter den Todesopfern des Terroranschlags auf das Satiremagazin «Charlie Hebdo». Sie wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft von einem Überlebenden des Anschlags identifiziert.

+++ 14.51 Uhr +++

Auf Facebook und auf Twitter sprechen tausende Menschen ihr Beileid aus. Auf Facebook formiert sich die Beileidsseite "Soutien à Charlie Hebdo" ("Unterstützung für Charlie Hebdo"), die bereits mehr als 25 000 Mitglieder hat.

+++ 14.45 Uhr +++

Laut „Le Parisien“ sollen die Attentäter auf der Flucht eine Fußgängerin verletzt haben – wie schwer ist nicht bekannt.

+++ 14.34 Uhr +++

Der Zeitpunkt des Anschlags war laut der Nachrichtenseite "20 Minuten" bewusst gewählt: Die maskierten Täter wussten von der wöchentlichten Redaktionskonferenz, bei der die meisten Journalisten anwesend waren. Außerdem kannten sie deren Namen und riefen nach ihnen, um sie zu töten.

+++ 14.26 Uhr +++

Die Spurensicherung untersucht derzeit den schwarzen Wagen, mit dem die beiden bewaffneten Männer an den Tatort gefahren sind. Der schwarze Citroën konnte im 19. Arrondissement sichergestellt werden. Die Täter seien jetzt in einem Clio unterwegs, heißt es in den sozialen Netzwerken. Die Täter seien auf dem Boulevard Richard Lenoir unterwegs und fahren in falscher Richtung zum Place de la Republique.

Mit diesem Fahrzeug sind die Männer unterwegs gewesen. (Bild: AFP)

+++ 14.22 Uhr +++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den Terroranschlag auf das religionskritische französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" mit mindestens zwölf Toten scharf verurteilt. "Mit Erschütterung habe ich die Nachricht von dem niederträchtigen Anschlag auf die Zeitungsredaktion in Paris erhalten", heißt es in einem am Mittwoch versandten Kondolenztelegramm an den französischen Staatspräsidenten François Hollande. "Diese abscheuliche Tat ist nicht nur ein Angriff auf das Leben französischer Bürgerinnen und Bürger und die innere Sicherheit Frankreichs." Sie stelle auch einen Angriff auf die Meinungs- und Pressefreiheit dar, "der durch nichts zu rechtfertigen ist". Deutschland stehe eng an der Seite "unserer französischen Freunde".

+++ 14.16 Uhr +++

Der Zeitung ""l'Humanité" sagte die Zeichnerin Corinne "Coco" Rey, die den Anschlag überlebt hat, die Männer hätten sich zu al-Quaida bekannt. Außerdem hätten sie perfektes Französisch gesprochen.

+++ 14.11 Uhr +++

Laut der französischen Zeitung "Le Monde" hat der Dachverband der Muslime in Frankreich das Attentat als "barbarischen Akt" gegen die Demokratie bezeichnet.

+++ 14.04 Uhr +++

Vor kurzem veröffentlichte die Redaktion eine Karikatur zu Abu Bakr al-Baghdadi auf Twitter, dem selbst ernannten Führer der Terrororganisation "Islamischer Staat". Die Zeichnung betitelten sie mit den Worten: „Übrigens, gutes neues Jahr! Auch an Al-Baghdadi. Und vor allem Gesundheit!“ Medien spekulieren über einen Zusammenhang mit dem heutigen Anschlag. (Bild: Twitter/charlie_hebdo)

Diese Karikatur soll den selbst ernannten Kalifen Abu Bakr al-Baghdadi darstellen. (Bild: Twitter/charlie_hebdo)

+++ 14.01 Uhr +++

Die Terroristen von Paris haben bei ihrem Überfall auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" mehrfach "Allah ist groß" skandiert. Auf dem Video (siehe unten) sind zwei schwarz vermummte Täter zu erkennen. Nach Augenzeugenberichten sollen sie bei dem Überfall "Wir haben den Propheten gerächt"gerufen haben.

+++ 13.58 Uhr +++

Laut der französischen Zeitung "Le Figaro" sind vier Zeichner von "Charlie Hebdo" unter den Todesopfern, darunter der Herausgeber Stéphane Charbonnier.

+++ 13.56 Uhr +++

Erst am Mittwoch war die aktuelle Ausgabe des Wochenmagazins erschienen. Auf dem Titelbild ist der Schriftsteller Michel Houellebecq, der derzeit mit dem Roman «Soumission» (Unterwerfung) über Frankreich unter einem islamischen Präsidenten für Furore sorgt.

+++ 13.52 Uhr +++

Im Fenster der Redaktion ist ein Einschussloch zu sehen.

Ein Einschussloch in die Büroräume der Redaktion. (Bild: Reuters)

+++ 13.50 Uhr +++

CNN berichtet, dass Präsident Francois Hollande gesagt hat, die Täter "werden solange wie nötig gejagt, bis sie gestoppt und vor Gericht gestellt werden."

+++ 13.30 Uhr +++

Mittlerweile ist ein Video im Internet aufgetaucht, dass angeblich zeigt, wie die beiden Täter lautstark am Gebäude der Zeitung ankommen und aus ihrem Auto aussteigen. Die Männer, die das Geschehen vom Dach aus filmen, haben offenbar die Waffen der beiden Täter entdeckt, denn sie scheinen Angst zu haben und verstecken sich vor ihnen.




+++ 13.20 Uhr +++


Die britische Zeitung "Guardian" berichtet, bei dem Anschlag in Paris seien neun Redakteure der Zeitung "Charlie-Hebdo" und zwei Polizisten getötet worden.


+++ 13:03 Uhr +++

Hier bergen Feuerwehrleute einen Verletzten des Anschlags. (Bild: AFP)

Feuerwehrmänner bergen einen Verletzten. Bislang ist die Rede von zehn Menschen, die verletzt wurden.

+++ 13:00 Uhr +++

Für den Großraum Paris wurde die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen.

+++ 12:53 Uhr +++

Präsident François Hollande fährt zum Tatort im Osten der Stadt. In einer ersten Reaktion nannte Hollande den Anschlag eine Barbarei. Der Nachrichtenagentur AP sagte der Präsident, in den letzten Wochen konnten mehrere Anschläge vereitelt werden. Zudem berief er eine Sondersitzung des Kabinetts ein.

+++ 12:51 Uhr +++

Französische Medien berichten, die zwei Männer seien nach der Tat geflüchtet. Auf der Flucht sollen sie einen Polizisten verletzt haben. Nach Angaben der Polizei waren die Täter unter anderem mit einer Kalaschnikow bewaffnet.

+++12:47 Uhr +++

Die Abbildung des Propheten Mohammed hat bereits in der Vergangenheit für Aufregung gesorgt. (Bild: Screenshot)

Mit Titeln wie diesem "Der Koran ist scheiße - er stoppt keine Kugeln" - sorgt das Magazin immer wieder für Aufsehen.

+++ 12:45 Uhr +++

Die französische Zeitung Libération spricht nun von elf Toten. Unter den Opfern soll mindestens ein Polizist sein.

+++ 12:43 Uhr +++

BBC meldet, dass die Polizei den Tod von zehn Menschen bestätigt hat.

 +++ 12:30 Uhr +++

Nach Angaben der Polizei drangen zwei Männer mit einer Kalaschnikow und einem Raketenwerfer in die Räume der Zeitung ein. Mindestens zehn Menschen wurden bei dem Anschlag getötet, sechs Menschen seien schwer verletzt worden, teilte das Pariser Rathaus mit. Die Redaktionsräume liegen im 11. Arrondissement in Paris nahe dem Boulevard Richard-Lenoi.

Die Täter sollen laut "Libération" flüchtig sein. Auf der Flucht sollen sie einen Polizisten verletzt haben. Premierminister Manuel Valls wird in Kürze am Tatort erwartet.

Bereits am 2. November 2011 war auf die Redaktion des Satiremagazins am Boulevard Davout in Paris ein Brandanschlag verübt worden, der mutmaßlich mit dem Abdruck einer Mohammed-Karikatur auf der Titelseite in Zusammenhang stand.