Erneut Tote bei Massenprotesten gegen Putschisten im Sudan

·Lesedauer: 3 Min.
Protestmarsch in Port Sudan gegen den Militärputsch (AFP/-)

Auch nach einem erneuten gewaltsamen Einsatz der Sicherheitskräfte im Sudan gegen Demonstranten sollen die landesweiten Proteste weitergehen. Für Mittwoch riefen die Organisatoren zu landesweiten Kundgebungen gegen den Militärputsch und das drohende Ende der demokratischen Reformen auf. Bei den Protesten am Samstag waren nach jüngsten Angaben von Ärzten sechs Demonstranten getötet worden. Am Sonntag nahmen Sicherheitskräfte den Bürochef des arabischen Fernsehsenders Al Jazeera fest.

Trotz des massiven Einsatzes von Soldaten, Polizisten und Paramilitärs waren am Samstag erneut zehntausende Menschen in mehreren Städten und Teilen des nordostafrikanischen Landes auf die Straßen gegangen. In der Hauptstadt Khartum und der angrenzenden Stadt Omdurman versuchten die Sicherheitskräfte, die Demonstranten mit Tränengas und Schüssen auseinanderzutreiben, wie Augenzeugen und ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichteten.

Einer pro-demokratischen Ärzteorganisation zufolge setzten sie auch scharfe Munition ein, mindestens fünf Demonstranten wurden demnach erschossen, ein weiterer erstickte an Tränengas. In den Krankenhäusern der Hauptstadt würden zahlreiche Verletzte behandelt, erklärte die Ärztevereinigung. In einem Hospital von Omdurman nahmen die Sicherheitskräfte demnach mehrere Verletzte fest.

Vergeblich hatten die UNO und westliche Botschafter die neuen Machthaber im Vorfeld zur Zurückhaltung aufgerufen. In einer ersten Reaktion verurteilte die US-Botschaft dann am Samstag die "exzessive Gewalt".

Die Polizei wies die Berichte, sie habe mit scharfer Munition auf Demonstranten geschossen, zurück. Ihrerseits berichtete sie von 39 schwerverletzten Beamten.

Das Militär hatte am 25. Oktober die Macht im Sudan übernommen, die zivilen Mitglieder der Übergangsregierung wurden festgenommen. Der Anführer der Putschisten, General Abdel Fattah al-Burhan, rief den Ausnahmezustand aus und kündigte die rasche Bildung einer neuen Regierung an. Deren Ernennung lässt jedoch auf sich warten.

Am Donnerstag ernannte al-Burhan dann einen neuen Souveränitätsrat, dem die Führung des Landes obliegt. Ihm gehören auch einige weitgehend unbekannte Vertreter der Ziviligesellschaft an - aber kein einziger Vertreter des Bündnisses Kräfte für Freiheit und Wandel (FFC), das vor zwei Jahren erfolgreich den Volksaufstand gegen den langjährigen Machthaber Omar al-Baschir organisiert hatte.

An den jüngsten Massenprotesten nahm auch der erst vor einer Woche wieder freigelassene FFC-Informationsminister Hamsa Balul teil. In einem in den Onlinenetzwerken veröffentlichten Video forderte er die Demonstranten auf, sich dem Druck nicht zu beugen.

Seit dem Putsch kam es immer wieder zu Massenprotesten, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Nach Angaben der Ärzteorganisation wurden dabei insgesamt mindestens 21 Menschen getötet und hunderte weitere verletzt. Hunderte Aktivisten und Demonstranten wurden nach UN-Angaben festgenommen, unzählige Journalisten der staatlichen Medien entlassen.

Der sudanesische Büroleiter von Al Jazeera, Al Musalami al-Kabbaschi, wurde bei sich zu Hause in Khartum festgenommen. Einen Grund dafür nannten die Sicherheitskräfte dem Sender zufolge zunächst nicht. Seit dem Putsch hatte Al Jazeera umfassend und live über die Proteste berichtet - gleichzeitig sendete der Sender vergangene Woche ein langes Interview mit al-Burhan.

Das örtliche Büro des in Katar ansässigen Senders war bereits 2003 unter al-Baschir geschlossen worden. Nach dem Sturz des langjährigen Machthabers ordnete al-Burhan als damaliger Chef eines Militärrats die erneute Schließung an. Erst im August dieses Jahres durfte das Büro wieder öffnen.

ans/dja

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.