Israel greift nach Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen Ziele der Hamas an

Guillaume LAVALLÉE
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Gewalt in Jerusalem

Die Lage im Gazastreifen spitzt sich weiter zu: Nach massivem Raketenbeschuss auf Israel haben israelische Kampfflugzeuge am Samstag Ziele der Hamas im Gazastreifen angegriffen. Zuvor hatte das israelische Militär einen Beschuss mit 36 Raketen aus dem Gazastreifen gemeldet. Die Eskalation folgte auf heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei in Ost-Jerusalem am Freitag. Die USA zeigten sich "zutiefst besorgt" über den jüngsten Gewaltausbruch.

Bereits am Donnerstag war es in Jerusalem zu Zusammenstößen gekommen. Im Anschluss hatte der bewaffnete Flügel der Hamas den Palästinensern in Ost-Jerusalem seine Unterstützung zugesagt. Der Beschuss mit 36 Raketen war nach Angaben des israelischen Militärs der heftigste seit Beginn des Jahres. Ein Teil der Geschosse sei vom Raketenabwehrsystem "Iron Domes" abgefangen worden, weitere seien auf freiem Feld eingeschlagen.

Die Gewalt in Ost-Jerusalem brach aus, als nach den Abendgebeten nach Sonnenuntergang tausende Muslime das Gelände der Al-Aksa-Moschee verließen. Sie sahen sich Dutzenden bewaffneten Polizisten gegenüber, auch berittene Polizei war im Einsatz. Einige Palästinenser bewarfen die israelischen Beamten mit Wasserflaschen und Steinen.

Die Polizei setzte Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Es gab mehrere Festnahmen und Verletzte. "Es war wie in einem Kriegsgebiet, es war gefährlich", sagte ein Palästinenser, der die Zusammenstöße aus der Nähe beobachtet hatte, der Nachrichtenagentur AFP.

Tausende Palästinenser versammelten sich zudem am Grenzübergang Kalandija zwischen Jerusalem und dem von Israel besetzten Westjordanland, wie die israelische Polizei mitteilte. In Bethlehem im Westjordanland warfen den Angaben zufolge Palästinenser Steine und Brandsätze auf das Grab der biblischen Matriarchin Rachel, das für Juden, aber auch Muslime eine Pilgerstätte ist.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte "die zunehmende Aufhetzung durch extremistische rechte israelische Siedlergruppen, die für die Tötung von Arabern eintreten". Nach Angaben der amtlichen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa forderte er die internationale Gemeinschaft auf, sich für den Schutz der Palästinenser einzusetzen.

Washington zeigte sich angesichts des jüngsten Gewaltausbruchs "zutiefst besorgt" und mahnte zur Ruhe. "Die Rhetorik extremistischer Demonstranten, die hasserfüllte und gewaltsame Parolen skandieren, muss entschieden zurückgewiesen werden", schrieb der Sprecher des US-Außenministeriums, Ned Price, im Kurzbotschaftendienst Twitter.

In den vergangenen Tagen waren die Spannungen zwischen muslimischen Palästinensern und jüdischen Israelis durch eine Reihe von Videos angeheizt worden. Sie zeigten, wie junge Araber ultra-orthodoxe Juden angreifen und wie jüdische Extremisten nachts Araber auf der Straße schikanieren. Am Donnerstagabend organisierte die rechtsextremistisch-jüdische Lahava-Organisation einen Aufmarsch in Jerusalem.

Bei Auseinandersetzungen zwischen Lavaha-Anhängern und aufgebrachten Palästinensern wurden am Donnerstag nach Angaben der palästinensische Hilfsorganisation Roter Halbmond mindestens 105 Menschen verletzt. Hinzu kamen nach Angaben der Behörden 20 verletzte Polizisten. Damit waren es die schwersten Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahren.

gap/noe