Von der erschreckenden Sicherheit in Uniform

"Erschreckend, wie 'zupackend' man sich in einer Uniform fühlt", sagt Franziska Hartmann über ihre Rolle in "Neuland". Die ZDF-Serie ist am Dienstag, 27., und Mittwoch, 28. Dezember, ab 22.15 Uhr, im Zweiten, und bereits ab 14. November in der Mediathek zu sehen. (Bild: ZDF / Georges Pauly)
"Erschreckend, wie 'zupackend' man sich in einer Uniform fühlt", sagt Franziska Hartmann über ihre Rolle in "Neuland". Die ZDF-Serie ist am Dienstag, 27., und Mittwoch, 28. Dezember, ab 22.15 Uhr, im Zweiten, und bereits ab 14. November in der Mediathek zu sehen. (Bild: ZDF / Georges Pauly)

Frauen in Extremsituationen, diesmal eine Soldatin, sind die Spezialität von Vollblutschauspielerin Franziska Hartmann. Die Anfänge waren anders: Wie einst am Schnuppertag der Schauspielschule ein gemimter Rasenmäher ihr Herz eroberte, erzählt sie im Interview.

Sympathisch kommt die neue Figur von Franziska Hartmann in der ZDF-Serie "Neuland" (am Dienstag, 27., und Mittwoch, 28. Dezember, 22.15 Uhr, im Zweiten, und bereits ab 14. November in der Mediathek) nicht gerade daher. Wortkarg und spröde gibt sich die Soldatin, frisch aus Mali heimgekehrt, um sich um die Kinder ihrer verschollenen Schwester zu kümmern. Ganz im Gegensatz zu der 38-jährigen Schauspielerin, die gerade wieder schwanger ist und sich entspannt und bestens gelaunt in ihrem Hamburger Zuhause Zeit für ein Interview nimmt. Im Gespräch verrät die gebürtige Starnbergerin, die mit dem Thalia-Schauspieler Pascal Houdus verheiratet ist, warum sie die norddeutsche Metropole liebt, wie sie mit emotional belastenden Rollen umgeht und wie sie ihre erste Schwangerschaft im Lockdown erlebt hat.

Frauen in Extremsituationen sind die Spezialität von Vollblutschauspielerin Franziska Hartmann (38).  (Bild: 2019 Getty Images/Matthias Nareyek)
Frauen in Extremsituationen sind die Spezialität von Vollblutschauspielerin Franziska Hartmann (38). (Bild: 2019 Getty Images/Matthias Nareyek)

"Witzig, dass im Süden so viele an Dauerregen im Norden glauben"

teleschau: Frau Hartmann, wie fühlt es sich an, eine Soldatenuniform anzuziehen, gerade in der heutigen Zeit?

Franziska Hartmann: Man fühlt sich erschreckend sicher darin, irgendwie "zupackend". Allein die festen Schuhe und die starke Jacke machen etwas aus und stärken das Selbstbewusstsein. Aber meine Worte sind vielleicht irreführend, denn ich sehe darin nichts Gutes. Lustigerweise merkt man das auch am Team, natürlich mit einem zwinkernden Auge. Da gab es immer Kommentare, wenn ich in der Uniform aufgetaucht bin.

teleschau: "Neuland" wurde in Ihrer Wahlheimat Hamburg gedreht. Arbeiten Sie gerne zu Hause oder sind Sie lieber unterwegs? Sie gelten ja als großer Reisefan ...

Franziska Hartmann: Diesmal war es für mich ein großes Glück, weil mein Kind im Drehzeitraum erst ein Jahr alt wurde und ich nicht so lange weg oder die Familie mitkommen musste. Ich habe die ersten anderthalb Jahre meines Kindes nur in Hamburg gedreht.

teleschau: Ihr Mann ist auch Schauspieler. Wie organisieren Sie Beruf und Familie?

Franziska Hartmann: Mein Mann war in Elternzeit. Unser Kind war also so gut wie nie fremdbetreut und wurde in der Zeit dann auch in die Kita eingewöhnt. Wenn ich außerhalb Hamburgs drehe und mein Mann nicht gerade am Thalia Theater probt, kommen die beiden auch manchmal mit, und sowieso fahre ich so oft es geht nach Hause, egal, wie weit das ist.

teleschau: Sie kommen ursprünglich aus dem Raum München. Was verbinden Sie mit den Städten München und Hamburg? Was sind für Sie die größten Unterschiede?

Franziska Hartmann: Ich fühle mich in Hamburg wahnsinnig wohl und habe gar keinen Grund wegzuziehen. München habe ich auch sehr gerne, aufgewachsen bin ich südlich davon. Die Innenstadt habe ich nur in der Kollegstufe der Schulzeit kennen und lieben gelernt, deswegen habe ich das Gefühl, Hamburg noch besser zu kennen. Ich bin regelmäßig in München, um meine Eltern und Geschwister zu sehen, die zufällig alle wieder dort leben. Aber Hamburg ist ein bisschen rauer und entspricht mir mehr.

teleschau: Auch das nach süddeutscher Ansicht ständige Regenwetter?

Franziska Hartmann: (lacht) Ja, genau. Gerade scheint hier wunderschön die Sonne, und ein bisschen Regen und Wind bringen einen ja auch nicht um. Total witzig, dass man das im Süden immer zu hören bekommt. Mein Herz hängt in Hamburg, obwohl ich weder Fisch noch Lakritze mag, sonst aber fast alles (lacht). An der Elbe bin ich sehr gerne. Das liebe ich, da am Strand zu sitzen und die riesigen Schiffe vorbeifahren zu sehen oder auch mit der Fähre zu fahren.

teleschau: Was macht für Sie das Besondere an Norddeutschland aus?

Franzsika Hartmann: Natürlich spielt eine große Rolle, dass hier das Thalia Theater ist. Das ist mein Schauspiel-Zuhause und tatsächlich wohne ich auch direkt ums Eck. Mein privates Umfeld hier ist toll. Dann natürlich die Nähe zum Meer ... und das Wetter ...

teleschau: Die Weite, das Watt ...

Franziska Hartmann: ... Möwengeschrei ... wenn einem der Wind um die Ohren bläst ...

teleschau: Klingt herrlich! Und Tee hinterher ...

Franziska Hartmann: Genau! (lacht) Das liebe ich auch so: Ein Strand mitten in Hamburg. Wo hat man das schon. Gerade mit Kind ist das ein Geschenk, der größte Spielplatz der Welt. Meiner ist zwei Jahre und drei Monate alt. Er ist sehr aktiv und lebenslustig, und er läuft nicht, sondern er rennt durchs Leben.

In der ZDF-Serie "Neuland" hat Franziska Hartmanns Figur Karen Holt nichts zu lachen. Sie wird in der  Heimat mit alten Gespenstern konfrontiert. (Bild: ZDF / Georges Pauly)
In der ZDF-Serie "Neuland" hat Franziska Hartmanns Figur Karen Holt nichts zu lachen. Sie wird in der Heimat mit alten Gespenstern konfrontiert. (Bild: ZDF / Georges Pauly)

Lange Flugreisen sind passé

teleschau: Sie haben außer Ihrem Sohn acht Patenkinder. Wie verbringen Sie Ihre Zeit als (Paten-) Mutter?

Franziska Hartmann: Ich bin gerade wieder schwanger, es werden also noch mehr. Fünf der acht Patenkinder sind Geschwister, Zwillinge und Drillinge. Mein ältestes Patenkind hat die ersten zehn Jahre seines Lebens jedes Jahr ein Fotoalbum von mir bekommen. Jetzt musste ich leider meine Standards ein bisschen zurückschrauben, aber ich bemühe mich. Bei Fotos vom eigenen Kind weiß man ja gar nicht, wo man anfangen soll. Aber Fotoalben stehen seit zwei Jahren ganz oben auf meiner To-Do-Liste. Zu Hause waren wir fünf Geschwister, mein Vater hatte sogar sieben Kinder. Bei uns gab es ständig Fotoalben und Collagen, da habe ich großen Respekt vor. Für Filme muss ich oft Kinderfotos raussuchen, die dann im Szenenbild stehen, da ist das sehr praktisch.

teleschau: Was machen Sie gern mit Ihrer Familie?

Franziska Hartmann: Ich verbringe total gerne Zeit mit meinen beiden, da ist es fast egal, was wir machen. Aber wir reisen sehr gerne, das macht mein Kind zum Glück gut mit, auch wenn wir aus ökologischen Gründen versuchen, das Fliegen zu vermeiden. Ich möchte möglichst viele, verschiedene Dinge von der Welt kennen lernen, kann mir aber auch vorstellen, dass es mich irgendwann an einen wiederkehrenden Ort zurückzieht. Ich bin sehr dankbar, dass ich meine ganzen großen Reisen in ferne Länder erleben durfte, aber das würde ich mit meinem heutigen Umweltbewusstsein nicht mehr vereinbaren können.

teleschau: Wie haben Sie die bisherige Corona-Zeit erlebt?

Franziska Hartmann: Es hat mir nie so richtig Angst gemacht. Das liegt aber auch daran, dass ich in der ersten Corona-Zeit schwanger war und wusste, dass ich bald einen anderen Lebensmittelpunkt haben würde. Mein Mann war meist zu Hause und wir hatten total viel Zeit. Sowohl in der Schwangerschaft, da war der Lockdown, als auch im Wochenbett und in der ersten Zeit mit dem Baby. In der Elternzeit waren wir zwei Monate auf den Kanaren, was deswegen auch besonders leicht umsetzbar war, weil hier die Theater alle zu hatten und wir keine Vorstellungen spielen konnten. Ich habe meine Castings von dort gemacht, zum Beispiel auch von "Neuland". Ehrlich gesagt hatte die Corona-Zeit für mich so viele Vorteile, dass ich damit nie so viel Leid und Schrecken verbunden habe, wie sie es für viele natürlich war.

teleschau: Wie gehen Sie mit Stress um? Gibt's eine Hängematte oder einen Strandkorb?

Franziska Hartmann: Nein, aber ein gemütliches Bett. Ich glaube, ich bin relativ belastbar und stressresistent und kann mich schnell regenerieren. Aber Tatsache ist, dass ich so wahnsinnig gerne spiele, dass es für mich total positiver Stress ist, zu arbeiten.

Für sie selbst ein "Herzensfilm": Franziska Hartmann in "Sterne über uns" als allein erziehende Mutter, die ihre Wohnung verloren hat und mit ihrem Sohn Ben (Claudio Magno) im Wald lebt.
  (Bild: ZDF / Martin Rottenkolber)
Für sie selbst ein "Herzensfilm": Franziska Hartmann in "Sterne über uns" als allein erziehende Mutter, die ihre Wohnung verloren hat und mit ihrem Sohn Ben (Claudio Magno) im Wald lebt. (Bild: ZDF / Martin Rottenkolber)

Ein Rasenmäher am Schnuppertag der Schauspielschule

teleschau: Und wenn Sie nicht Schauspielerin geworden wären, was hätten Sie mit Ihrem Leben gemacht?

Franziska Hartmann: Vielleicht wäre ich Sängerin geworden. Ich war jedenfalls immer an der Oper in München im Kinderchor und auch sonst in verschiedenen Theatergruppen. Ich stand superviel auf der Bühne, deswegen gab es keinen richtigen Plan B. Musical zu studieren war kurz eine Überlegung. Aber dann war ich am Tag der offenen Tür an der Münchner Schauspielschule sowohl in einer Präsentation der Musical-Klasse als auch in einer Grundlagenseminarstunde des Bereichs Schauspiel, wo man zum Beispiel einen Rasenmäher gespielt hat. Da war's um mich geschehen (lacht). Musical hat mich einfach nicht so berührt wie die Arbeit beim Schauspielen. Es ist mein Traumberuf, da bin ich genau richtig und nebenher auch sehr froh, dass man dabei auch gelegentlich singen kann, was ich einfach wahnsinnig gern mache. In einem meiner nächsten Filme werde ich wahrscheinlich auch singen dürfen.

teleschau: Sie spielen nach wie vor Theater, nehmen Hörbücher auf, synchronisieren und drehen Filme. Wird es bei dem Wechselspiel bleiben?

Franziska Hartmann: Ja genau, das finde ich eigentlich das Schönste, diese Abwechslung, alles machen zu dürfen. Ich bin total froh, dass ich noch mehrere Stücke am Thalia Theater habe, zum Beispiel "Das achte Leben (für Brilka)", das ist so ein Fünf-Stunden-Theaterstück, an dem mein Herzblut hängt und wo ich immer wieder so glücklich bin, dass wir das noch spielen. Aber ich drehe auch wahnsinnig gerne und mache Hörbücher. Gestern hatte ich eine Lesung mit einem unglaublich spannenden Autor. Man kann in so viele verschiedene Welten tauchen!

teleschau: Sie spielen häufig Frauen in extremen Notlagen. Wie haben Sie sich Ihrer Figur in "Neuland" angenähert?

Franziska Hartmann: Ich mochte diese Figur von Anfang an unglaublich gerne. Sie ist ja so spröde und unzugänglich und trotzdem denke ich, man gewinnt sie schnell sehr lieb. Wie ging es Ihnen?

teleschau: Nun, man dachte, wenn sie das erste Mal lächelt, könnte da vielleicht was passieren ... Aber das dauert ja eine Weile.

Franziska Hartmann: (lacht) Ja, das dauert. Die Arbeit mit unserem Regisseur Jens Wischnewski war toll und bereichernd. Ich habe gerade wieder mit ihm gearbeitet, ein "Polizeiruf", in dem ich ein Kind klaue, weil ich meins verloren habe, und ich einen Ermittler bei mir in der Wohnung habe und ihn brutalst daran hindere, diese zu verlassen.

teleschau: Wie gehen Sie als Mutter damit um, in solch emotional belastende Rollen einzutauchen? Man denkt da auch an "Sterne über uns", wo Sie eine obdachlose Mutter spielten, die eine dramatische Entscheidung trifft.

Franziska Hartmann: Ein Herzensfilm! Mit derselben Regisseurin, Tina Ebelt, habe ich gerade "Monster im Kopf" gedreht, da spiele ich eine hochschwangere Frau, die im Gefängnis sitzt, weil sie ihre Mutter unter Wasser gedrückt hat (lacht). Aber in emotionale Rollen einzutauchen hat mir noch nie Schwierigkeiten gemacht. Am 2. November kam der Film "Kalt", in dem ich eine Kindergärtnerin spiele, die Schuld ist, dass zwei Kinder im Fluss ertrinken. Als ich das gedreht habe, war mein Kind noch ganz klein. Aber das kann ich total gut trennen. Ich springe schnell in Momente und Gefühle rein und kann dementsprechend auch schnell wieder raus.

teleschau: Was bringt die nahe Zukunft?

Franziska Hartmann: Das Baby kommt Ende Februar. Wie es nach der Schwangerschaft weitergeht, steht noch nicht ganz fest, weil sich die Anfragen ein bisschen überschneiden. Sicher ist, dass ich den zweiten Film meiner eigenen Reihe drehen werde, "Katharina Tempel". Alles andere ist noch nicht spruchreif.

Die Schauspielerin Franziska Hartmann kümmert sich demnächst um zwei eigene Kinder - neben acht Patenkindern. Hier tröstet sie die Tochter (Aennie Lade) ihrer verschwundenen Schwester in "Neuland". (Bild: ZDF / Georges Pauly)
Die Schauspielerin Franziska Hartmann kümmert sich demnächst um zwei eigene Kinder - neben acht Patenkindern. Hier tröstet sie die Tochter (Aennie Lade) ihrer verschwundenen Schwester in "Neuland". (Bild: ZDF / Georges Pauly)