Erste Anhörung nach FTX-Pleite: Vernichtende Kritik am Management

Die Geschäftspraktiken der Krypto-Börse, die ihren Hauptsitz auf den Bahamas hat, sind eher undurchsichtig. - Copyright: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andre M. Chang
Die Geschäftspraktiken der Krypto-Börse, die ihren Hauptsitz auf den Bahamas hat, sind eher undurchsichtig. - Copyright: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Andre M. Chang

Guten Morgen! Während ihr geschlafen habt, ging andernorts die Arbeit in der Digitalszene weiter.

Die Top-Themen:

Bei einer ersten Anhörung vor einem US-Gericht in Delaware wurde nicht mit Kritik an der bankrotten Krypto-Börse FTX gespart. Ein „erheblicher Betrag“ der Vermögenswerte von FTX fehle und sei möglicherweise gestohlen worden, berichtete James Bromley von der Anwaltskanzlei Sullivan & Cromwell dem Gericht. Das Management der Krypto-Börse bezeichnete er als eine „kleine Gruppe unerfahrener und nicht sehr intelligenter Individuen“. Zuvor berichtete die Nachrichtenagentur Reuters, dass FTX, die Eltern von Gründer Sam Bankman-Fried und leitende Angestellte der Firma in den letzten zwei Jahren mindestens 19 Immobilien im Wert von fast 121 Millionen US-Dollar auf den Bahamas gekauft hätten.

FTX-Kunden fürchten nach der Insolvenz der Krypto-Börse um ihre Gelder. Laut des „Handelsblatts“ könnte es für einige europäische Kunden allerdings einen Hoffnungsschimmer geben: Die Gelder der europäischen Tochter FTX Europe AG seien nicht mit dem Rest des Unternehmens vermischt worden, erfuhr die Zeitung von zwei Insidern. Allerdings müssen sämtliche Entscheidungen von US-Gerichten abgesegnet werden. [Mehr bei The Guardian, Reuters, Techcrunch, Handelsblatt und Wall Street Journal]

Auf Gründerszene: Die Firmenschmiede Rocket Internet hat an Glanz verloren. Es gibt kaum noch Ausgründungen, Projekte werden nach kurzer Zeit wieder eingestampft, hochrangige Führungskräfte verlassen die Firma. Ist die Ära von Szene-Star Oliver Samwer also vorüber? Das hat unsere Redakteurin Lisa Ksienrzyk in einer lesenswerten Analyse beantwortet. [Mehr bei Gründerszene+]

Und hier die weiteren Schlagzeilen der Nacht:

HP ist die nächste US-Techfirma, die Entlassungen angekündigt hat. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2025 sollen global 4000 bis 6000 Stellen gestrichen werden. Die Restrukturierung kostet den Computerhersteller nach eigenen Angaben rund eine Milliarde US-Dollar. Auslöser dürften die schwachen Geschäftszahlen gewesen sein. Im vergangenen Quartal sank der Umsatz um elf Prozent auf 14,8 Milliarden Dollar. [Mehr bei Wall Street Journal, CNBC und Handelsblatt]

Twitter-Chef Elon Musk erhält nach seinen Massenentlassungen, bei denen jeder zweite Mitarbeiter eine Kündigung erhielt, Gegenwind aus Deutschland. Laut eines Berichts des „Handelsblatts“ sind mehrere Mitarbeiter der Twitter Deutschland GmbH in die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi eingetreten. Diese unterstütze die Betroffenen nun bei Kündigungsschutzklagen sowie bei der Gründung eines Betriebsrats, hieß es. [Mehr bei Handelsblatt]

Twitter verzögert die Wiedereinführung seines neuen Verifizierungssystems offensichtlich. Eigentlich sollte der neue „Twitter Blue“-Dienst Ende November wieder verfügbar sein. Doch Musk soll in einem Meeting gesagt haben, das Angebot, das acht US-Dollar im Monat kostet, könne erst dann wieder angeboten werden, wenn die Plattform sicherstellen könne, dass Nutzer keine anderen Identitäten annehmen könnten. Ein erster Versuch hatte kurz nach der Musk-Übernahme zu Chaos bei Twitter geführt. Einige Nutzer gaben sich als Marken oder sogar als Musk selbst aus. [Mehr bei The Information und The Verge]

JD.com hat angekündigt, die Gehälter von leitenden Managern um zehn bis 20 Prozent zu kürzen, um bessere Sozialleistungen für Arbeitnehmer zu finanzieren. Die chinesische Regierung drängt verstärkt auf „allgemeinen Wohlstand“ und geht gegen „überhöhte“ Gehälter an. Laut einer E-Mail des JD-Gründers Richard Liu, die die Nachrichtenagentur Reuters zitierte, will der chinesische Online-Händler 1,4 Milliarden US-Dollar bereitstellen, um Mitarbeitende beim Kauf von Immobilien zu unterstützen. Außerdem will Liu an einen Fonds spenden, der Kindern von Mitarbeitern hilft, falls ihren Eltern etwas zustößt. [Mehr bei Reuters]

FIS (Fidelity National Information Services) plant, Tausende von Arbeitnehmern zu entlassen. Die Kündigungswelle des US-amerikanischen Fintech gehört laut eines „Bloomberg“-Berichts zur Strategie der neuen CEO Stephanie Ferris, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Die Aktien der in Florida ansässigen Firma waren in diesem Jahr um 44 Prozent eingebrochen. Insgesamt will Ferris in den kommenden Quartalen Kosteneinsparungen von mindestens 500 Millionen US-Dollar erzielen. [Mehr bei Bloomberg]

Unser Lesetipp auf Gründerszene: Wer ein Startup gründet, muss bescheiden leben? Unsere Recherche zeigt: Wer Millionen von VCs einsammelt, verdient oft ein sechsstelliges Gründergehalt. [Mehr bei Gründerszene+]

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