Trump oder Biden - Tag der Entscheidung im Kampf ums Weiße Haus

Chris LEFKOW und Fabian Erik SCHLÜTER
·Lesedauer: 3 Min.
Aufruf zum Wählen im Bundesstaat Colorado

Trump oder Biden - Tag der Entscheidung im Kampf ums Weiße Haus

Aufruf zum Wählen im Bundesstaat Colorado

Vier weitere Jahre Donald Trump oder der Politik-Veteran Joe Biden im Weißen Haus: Bei der weltweit mit Spannung verfolgten US-Präsidentschaftswahl haben die Bürger am Dienstag über den Sieger des erbitterten Duells zwischen dem Amtsinhaber und seinem favorisierten demokratischen Herausforderer abgestimmt. Millionen Wähler gaben im ganzen Land ihre Stimme ab, nachdem schon mehr als 100 Millionen Bürger vor dem offiziellen Wahltermin gewählt hatten.

Selten war eine US-Wahl so umkämpft: Bis zuletzt schürte Trump Angst vor Unruhen und warnte vor angeblichem Wahlbetrug - vor allem durch die vielen Briefwahlstimmen. Viele seiner Kritiker befürchten, dass er seine mögliche Niederlage nicht anerkennen und nach der Wahl eine harte Auseinandersetzung um deren Ergebnis folgen könnte. 

Am Wahltag sagte Trump dem Sender Fox News, er fühle sich "sehr gut" bezüglich seiner Siegchancen. "Ich glaube, wir werden den Sieg erringen". Später schränkte der 74-Jährige ein: "Das ist Politik und das sind Wahlen, und man weiß nie."

Zu Berichten, er könnte sich frühzeitig zum Sieger erklären, sagte Trump, dies werde er nur dann tun, "wenn es einen Sieg gibt". Er wolle keine "Spiele spielen". Zugleich sagte er aber, die US-Bürger hätten ein Recht darauf, noch am Wahltag zu erfahren, wer die Wahl gewonnen habe.

Ergebnisse aus ersten Bundesstaaten wurden nach Mitternacht (MEZ) erwartet. Es ist aber unklar, ob die US-Fernsehsender schon in der Wahlnacht einen Gesamtsieger ausrufen werden. Wegen der vielen Briefwahlstimmen dürfte die Auszählung länger dauern, es droht ein tage- oder sogar wochenlanger Wahlkrimi. Der amtierende Heimatschutzminister Chad Wolf rief die US-Bürger auf, das Ergebnis der Präsidentschaftswahl "geduldig" abzuwarten.

Laut dem US Elections Project der Universität von Florida gingen noch vor dem Wahltag mehr als 65 Millionen Briefwahlstimmen bei den Wahlbehörden ein. Die insgesamt im Vorfeld des 3. November abgegebenen 101 Millionen Stimmen entsprechen demnach mehr als 73 Prozent der insgesamt bei der Präsidentschaftswahl 2016 abgegebenen Stimmen. Angetrieben wurde das sogenannte Early Voting durch die Corona-Pandemie und die Angst vor Ansteckungen in den Wahllokalen am eigentlichen Wahltag.

Beide Kandidaten waren auch noch am Wahltag in den Bundesstaaten unterwegs und kämpften um die noch unentschlossenen Wähler: Biden trat nochmals in Pennsylvania auf, Trump besuchte Virginia. Er wolle wieder grundlegende Werte wie "Anstand und Ehre" im Weißen Haus verankern, sagte der 77-Jährige Biden in seinem Heimatort Scranton in Pennsylvania.

Biden versicherte, alle Briefwahlstimmen würden ausgezählt: "Präsidenten können nicht bestimmen, welche Stimmen gezählt werden und welche nicht. Egal, was er (Trump) tut und was er sagt: Die Stimmen werden ausgezählt."

Obwohl Biden bis zuletzt in landesweiten Umfragen deutlich vor Trump lag, zeigten sich die Demokraten über den gesamten Wahlkampf hinweg zurückhaltend. Weil die Präsidentschaftswahl auf Ebene der Bundesstaaten abgehalten wird, sind solche Zahlen nur bedingt aussagekräftig. In besonders wichtigen und womöglich wahlentscheidenden Bundesstaaten wie Florida und Pennsylvania zeichneten sich enge Rennen ab.

Mit Sorge denken die Demokraten an das Jahr 2016 zurück: Damals sahen die Demoskopen Trump klar hinter seiner demokratischen Rivalin Hillary Clinton. Am Ende zog Trump ins Weiße Haus ein.

Der Wahlkampf stand stark unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Mit mehr als 230.000 Toten haben die USA die höchste Opferzahl weltweit zu beklagen. Biden kritisierte Trumps Krisenmanagement daher immer wieder scharf.

Neben dem Weißen Haus ging es am Wahltag auch um den US-Kongress: Die Demokraten hoffen, ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen zu können und Trumps Republikanern ihre Senatsmehrheit von 53 zu 47 Senatoren zu entreißen.

Gewählt wurden am Dienstag auch elf der 50 US-Gouverneure sowie zahlreiche Bürgermeister, Sheriffs und weitere Amtsträger auf örtlicher Ebene. Außerdem wurde über zahlreiche Referenden abstimmt.

fs/mid