Erster deutscher Corona-Patient hat keine schützenden Antikörper mehr

·Lesedauer: 2 Min.

Ein als erster deutscher Corona-Patient geltender Webasto-Mitarbeiter hat bereits drei Monate nach seiner Ansteckung keine gegen eine erneute Ansteckung schützenden Antikörper mehr in sich getragen.

Corona Antikörper-Test (Foto: Marijan Murat/dpa)
Corona Antikörper-Test (Foto: Marijan Murat/dpa)

"Seit April habe ich keine neutralisierenden Antikörper mehr", sagte der namentlich nicht benannte Mann in einem von Webasto am Montag veröffentlichten Interview. Von seiner Erkrankung an der neuartigen Lungenerkrankung Covid-19 habe er aber keinerlei Nachwirkungen, er habe "Riesenglück" gehabt.

Erste Tests: Infektion bedeutet wohl nicht automatisch Immunität

Vor einem halben Jahr schaute ganz Deutschland auf Stockdorf bei München: Dort, in der Firmenzentrale des Automobilzulieferers Webasto, gab es die ersten bekannten Corona-Fälle in Deutschland. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte das Virus auf einer Dienstreise mitgebracht. Die Nachricht von ihrem positiven Test erreichte Firmenchef Holger Engelmann am Montagmorgen zu Hause, wie er der Deutschen Presse-Agentur sagt.

"Montagabend hatten wir dann den ersten deutschen Mitarbeiter, der positiv getestet wurde, und am Dienstag waren es noch drei weitere. Das ging dann sehr schnell, dass wir mitten in der Corona-Pandemie waren." Doch inzwischen zieht Engelmann ein positives Fazit des Krisenmanagements.

Schließung für zwei Wochen

Zwei Tage nach Bekanntwerden des ersten Falls am 27. Januar schloss Webasto seine Zentrale für zwei Wochen. Zusammen mit den staatlichen Stellen gelang es damals, den Ausbruch einzufangen. "Die Behörden haben an uns eine Art Probefall durchexerzieren können, der gut ausgegangen ist", sagt Engelmann rückblickend. "Vielleicht haben wir in Deutschland dadurch auch einen kleinen Vorsprung gehabt, bevor die richtige Welle losging."

Den Ausbruch am Hauptsitz in Stockdorf hat Webasto laut Engelmann gut verkraftet. Wirtschaftlich habe er keine großen Auswirkungen gehabt. Und auch ein möglicher Reputationsschaden, sei am Unternehmen vorbeigegangen. "Wir hatten die Sorge, dass wir als diejenigen dastehen, die Corona nach Deutschland gebracht haben", erinnert er sich. Aber es sei gelungen, als Unternehmen gesehen zu werden, das verantwortungsvoll mit der Herausforderung umgeht.

Nicht nur die Lunge: Corona-Spätfolgen alarmieren Ärzte

Webasto stellt unter anderem Dach- und Heizsysteme für die Autoindustrie her. Zudem setzt das Unternehmen auf Batterien und Ladesysteme für die Elektromobilität. Weltweit hat der Zulieferer rund 13 000 Mitarbeiter.

VIDEO: Clemens Tönnies - Fleischmogul im Corona-Sturm