Erster Verdächtiger nach mutmaßlichem Blutrachemord von Visselhövede gefasst

Spurensicherung am Tatort in Visselhövede

Rund dreieinhalb Monate nach einem professionell ausgeführten Mordanschlag auf einen 46-jährigen albanischen Flüchtling im niedersächsischen Visselhövede haben Ermittler einen ersten Tatverdächtigen gefasst. Wie die Verdener Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, erfolgte die Festnahme am Dienstag in Seelze bei Hannover. Es handelt sich um einen 22-Jährigen.

Die Aktion war Teil einer internationalen Großrazzia, die demnach zeitgleich auch an anderen Orten in Deutschland, den Niederlanden sowie Albanien stattfand. Den Ermittlungen der Polizei zufolge handelt es sich bei dem Verbrechen um einen Blutrachemord. Blutrache wird in Teilen Albaniens trotz Verbots bis heute praktiziert, etwa um den Tod eines Angehörigen zu bestrafen.

In Deutschland beteiligten sich etwa hundert Polizisten, darunter Spezialkräfte, an den Durchsuchungen im Großraum Hannover, Dortmund und Leipzig. In Albanien gab es Razzien im Norden des Landes und der Hauptstadt Tirana, in den Niederlanden eine in Amsterdam.

Noch am Dienstag erließ ein Haftrichter nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl wegen des Verdachts des gemeinschaftlich begangenen Mordes gegen den 22-Jährigen. Er habe seine Beteiligung an der Tat eingeräumt. Einzelheiten zur Art seiner Beteiligung nannte die Behörde aus ermittlungstaktischen Gründen aber nicht.

Bei der Razzia in Amsterdam wurde ein weiterer Verdächtiger festgenommen, aber später wieder freigelassen. Gegen ihn ließ sich kein dringender Tatverdacht bestätigen. Die Durchsuchungen in Albanien erfolgten demnach aufgrund eines Rechtshilfeersuchens der deutschen Behörden. Zusätzlich führt die Staatsanwaltschaft dort ein eigenes Verfahren.

Der 46-Jährige war Anfang Januar auf offener Straße von zwei Tätern auf einem Motorrad niedergeschossen worden und einige Tage später im Krankenhaus an seinen Verletzungen gestorben. Die Tat ereignete sich unmittelbar vor der Grundschule von Visselhövede.

Bei den Razzien beschlagnahmten die Ermittler nach eigenen Angaben "umfangreiches Beweismaterial" sowie zusätzlich auch größere Drogenmengen. Es handelte sich um mehr als ein Kilogramm Marihuana und 30 Gramm Kokain. Darüber hinaus beschlagnahmten sie einen fünfstelligen Bargeldbetrag, bei dem es sich um Drogengeld handeln könnte.

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