Die Erzeugerpreise in Deutschland fallen im Rekordtempo – wann geht die Inflation endlich auch für die Verbraucher zurück?

Die Erzeugerpreise sind in Deutschland im August so stark gefallen wie noch nie.  - Copyright: Picture Alliance
Die Erzeugerpreise sind in Deutschland im August so stark gefallen wie noch nie. - Copyright: Picture Alliance

In Deutschland sind die Preise auf Herstellerebene so deutlich gesunken wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Im August fielen die Erzeugerpreise im Jahresvergleich um 12,6 Prozent, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Dies war der stärkste Preisrutsch seit Beginn der Erhebungen 1949. Auch im Juli waren die Erzeugerpreise zum Vorjahr bereits gefallen. Das nährt die Hoffnung, dass bald auch die Inflation für die Verbraucher zurückgeht.

Die Statistiker erklären den Rückgang der Erzeugerpreise vor allem mit einem Basiseffekt: Im Sommer 2022 waren die Preise, die Hersteller für ihre Waren erhalten, zeitweise mit Rekordraten von 45 Prozent gestiegen. Hauptgrund waren die extrem hohen Preise für Energie und viele Rohstoffe infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine. Mittlerweile sind viele dieser Preise deutlich unter die Höchststände wieder gesunken, was auch die allgemeine Teuerung auf Unternehmensebene drückt.

Energie insgesamt war im August 31,9 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Die Preisanstiege bei Konsum- und Investitionsgütern schwächten sich im Jahresvergleich weiter ab. Gegenüber Juli 2023 stiegen die Energiepreise jedoch um 1,6 Prozent. Insgesamt legten die Erzeugerpreise im August zum Vormonat um 0,3 Prozent zu.

Die Erzeugerpreise erfassen den Preisdruck auf Herstellerebene. Die Entwicklung wirkt meist abgeschwächt und mit Verspätung auf die Verbraucherpreise aus. Im Krisenjahr 2022 waren die Erzeugerpreise deutlich stärker gestiegen als die allgemeine Inflationsrate für die Verbraucher.

Ökonomen erwarten, dass die Teuerung auch für Verbraucher von zuletzt 6,1 Prozent ab dem September spürbar nachlässt. Dafür spricht, dass neben den Erzeugerpreisen auch die Importpreise und die Preise im Großhandel bereits seit Monaten fallen. Zudem fallen Sondereffekte weg. Über den Sommer 2022 hatte der Staat mit dem Tankrabatt und dem Neun-Euro-Ticket wichtige Preise gedrückt.

Sorgen macht aber der zuletzt wieder deutlich höhere Ölpreis auf den Weltmärkten. Öl kostet aktuell wieder so viel wie im November 2022. Der wichtigste Grund dafür ist, dass Russland und Saudi-Arabien ihre Öllieferungen eingeschränkt haben. Dies könnte die Inflation neu anheizen.

Mit Material der dpa