"Es ist niederschmetternd": Eltern lassen Namen ihrer Kinder ändern wegen Amazons Alexa

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Viele Menschen nutzen Amazons digitale Sprachassistentin Alexa. Für Menschen aber, die so heißen wie die Software, ist die Namensübereinstimmung ein Problem. Weil sie Zielscheibe von Witzen und Spötteleien sind.

BERLIN, GERMANY - DECEMBER 14: The Logo of virtual assistant Amazon Alexa is displayed on a smartphone on December 14, 2018 in Berlin, Germany. (Photo by Thomas Trutschel/Photothek via Getty Images)
Bild: Thomas Trutschel/Photothek via Getty Images)

Alexa, tu dies, Alexa, tu jenes – seit Amazon im Jahr 2014 seine digitale Sprachassistentin Alexa für seine Hardwaresysteme einführte, hat sich das Wort, dessen Erwähnung eine Dienstleistung aktiviert, immer fester in unserer Alltagssprache verankert. Das Problem an dem Phänomen ist allerdings: Viele Menschen, die so heißen wie die Software, sind wegen ihres Namens immer wieder Zielscheibe von Witzen und Hänseleien.

Vor allem für Kinder kann das eine schwere Bürde sein. So auch für die Tochter der Britin Heather, über deren Fall die BBC berichtet. Im Interview verriet die Frau, deren Vorname die Rundfunkanstalt geändert hat, dass die Hänseleien anfingen, als Alexa in die Gesamtschule kam. Und dass nicht nur die Mitschüler, sondern auch die Lehrer über den Namen des Mädchens spöttelten.

"Sie wollte sich wegen der Witze irgendwann nicht mehr vorstellen", sagt Heather über Alexa, die heute im Teenager-Alter ist. "Sie war und ist noch immer ein Kind, doch die Erwachsenen dachten, es sei in Ordnung, sich über sie lustig zu machen. Es ist niederschmetternd. Die Schule war auch keine Hilfe, stattdessen wurde ihr gesagt, sie solle Widerstandsfähigkeit aufbauen."

Das Problem hatte solche Ausmaße angenommen, dass die psychische Gesundheit des Mädchens beeinträchtigt wurde, sagt Heather. Zuletzt sahen sich die Eltern gezwungen, den Namen ihrer Tochter zu ändern und für sie ein neues soziales Umfeld zu schaffen. "Heute fühlt sie sich viel besser. Wir haben sie aus dem alten Freundeskreis geholt und in eine neue Schule gebracht, um ihr einen Neuanfang zu ermöglichen."

Amazon soll Name ändern

Nicht nur Kinder, auch Erwachsene leiden zuweilen an den Folgen, die ihr Vorname mit sich bringt. Alexa aus Hamburg ist damit im privaten wie auch im beruflichen Umfeld konfrontiert. "Wenn ich eine Präsentation habe, sagt sie der BBC, "dann macht immer jemand ein Kommentar, sobald ich meinen Namen sage." Sie findet es "ethisch inakzeptabel", dass ein Unternehmen einen "menschlichen Namen kapert und seine Bedeutung ändert".

An Amazon Echo Plus smart speaker photographed on a kitchen counter, taken on January 9, 2019. (Photo by Olly Curtis/Future Publishing via Getty Images)
Die digitale Spracheassistentin Alexa steckt in den Geräten von Amazon, darunter der Lautsprecher Echo Plus (Bild: Olly Curtis/Future Publishing via Getty Images)

Für Alexa kommt eine Änderung ihres Vornamens nicht in Frage. Der sei immerhin Teil ihrer Identität, meint sie. Vielmehr sei Amazon in der Verantwortung, "zurückzutreten". Daher wolle sie "jeden, der Alexa heißt, ermutigen, um seinen Namen zu kämpfen".

Anstalten, in dem "Kampf" klein beizugeben, hat Amazon bisher nicht gemacht. Der Konzern erklärt in einem von der BBC zitierten Statement, "traurig" zu sein über die Erfahrungen der Betroffenen. "Sehr klar" wolle man zum Ausdruck bringen, dass "Mobbing jeglicher Art inakzeptabel" sei, weshalb man ein entsprechendes Verhalten "aufs Schärfste" verurteile.

Zwecks Lösung des Problems verweist Amazon auf die Alternativen zu Alexa als Aktivierungswort, "darunter Echo, Computer und Amazon". Dabei soll es offenbar nicht bleiben, denn der Anbieter will "weiter nach Möglichkeiten suchen", den Nutzern "in diesem Bereich mehr Auswahl zu bieten." Fraglich ist, ob das ein Trost für die Betroffenen ist. Schließlich ist Alexa – Alternativen hin oder her – zum festen Bestandteil der Spracherkennungssoftware – und unserer Alltagssprache – geworden.

Video: Amazon-Gründer Bezos auf neuer Mission

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